In Sachen Ukraine-Hilfen sind in Europa in den vergangenen Jahren reihenweise Dinge geschehen, die früher undenkbar waren – etwa Waffenlieferungen im großen Stil oder die Abkehr von russischem Gas. Das trug dazu bei, Wladimir Putins Vernichtungsfeldzug gegen das Nachbarland aufzuhalten und die Ukraine als unabhängigen Staat zu bewahren.

Russisches Vermögen: Eine Enteignung, die keine sein soll

Nun sind die Europäer drauf und dran, ein weiteres Tabu zu brechen: Sie wollen erstmals direkt auf eingefrorene russische Vermögenswerte zugreifen und Moskau zahlen lassen für das Unheil, das es in der Ukraine anrichtet. Es geht um fast 200 Milliarden Euro. Eine Konfiszierung und Enteignung soll es nicht geben. Stattdessen ist aber geplant, das Geld flüssig zu machen, in zinslose Kredite an Kiew umzuwandeln und irgendwann einmal mit russischen Reparationszahlungen zu verrechnen. Am kommenden Mittwoch wollen die europäischen Staats- und Regierungschefs über das Thema beraten, formale Entscheidungen könnten in den kommenden Wochen folgen.

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Politik-Korrespondent Thorsten Knuf© Funke Foto Services | Reto Klar

Es ist richtig, dass die EU-Staaten diesen Weg jetzt gehen und auch die Bundesregierung mitzieht. Auf die USA ist bei der Ukraine-Unterstützung kein Verlass mehr. Nichts wäre schlimmer, als dass Putin seine Kriegsziele doch noch erreicht, weil der Ukraine das Geld und die Waffen ausgehen. Gleichwohl ist das Vorgehen der Europäer hochgradig riskant. Es kann sein, dass am Ende sie auf den Kosten sitzenbleiben. Das würde vor allem Deutschland treffen, das größte und wirtschaftsstärkste Land der Gemeinschaft. Dieses Risiko allerdings ist vertretbar: Ein Sieg Putins würde Europa noch viel teurer kommen – und die Bundesrepublik erst recht.