Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro lässt seine Bevölkerung in der Befürchtung eines US-Angriffs auf sein Land bewaffnen. Im ganzen Land werden derzeit nicht nur die paramilitärischen bolivarischen Milizen trainiert, sondern auch Zivilisten und sogar Rentner an Gewehren ausgebildet.

Seit US-Präsident Donald Trump den Druck mit Worten und Taten auf die chavistische Regierung immer weiter erhöht hat, fürchtet Maduro, die USA planten einen Angriff oder würden versuchen, gewaltsam einen Regimewechsel herbeizuführen. Ende der vergangenen Woche wurden in den USA Berichte veröffentlicht, wonach Trump offenbar Optionen für mögliche Angriffe auf Drogenhändler in dem südamerikanischen Land selbst vorbereitet. Das berichtet der Fernsehsender NBC News unter Berufung auf vier „mit der Angelegenheit vertraute Personen.“

Zivilisten werden in Venezuela an Gewehren ausgebildet – aus Sorge vor einem Angriff der USA.
Zivilisten werden in Venezuela an Gewehren ausgebildet – aus Sorge vor einem Angriff der USA.© AFP | Pedro Mattey

Zuletzt sorgte das Versenken von drei Schnellbooten durch die US-Marine in der Karibik für Aufsehen, die laut US-Angaben Rauschgift aus Venezuela in die Vereinigten Staaten transportieren wollten. Dabei starben 17 Menschen. Die USA haben nahe venezolanischen Gewässern eine kleinere Streitmacht mit mehreren Kriegsschiffen, F-35-Kampfjets, Überwachungsflugzeugen und Drohnen positioniert. 

USA vor Einsatz in Venezuela? Verteidigungsminister spricht von „nicht erklärtem Krieg“

Verteidigungsminister Vladimir Padrino bezeichnete die Angriffe und den Einsatz der US-Marine als „nicht erklärten Krieg“ der USA gegen Venezuela, der Präsident berief umgehend die Milizen zum aktiven Dienst ein. 

Members of the Bolivarian militia reserve force ride atop an armored vehicle during a march supporting President Nicolas Maduro in Caracas, Venezuela, Sept. 23, 2025. (Adriana Loureiro Fernandez/The New York Times)
Paramilitärischen bolivarische Milizen fahren auf gepanzerten Fahrzeugen durch Caracas.© ADRIANA LOUREIRO FERNANDEZ/The NewYorkTimes/Redux/laif | ADRIANA LOUREIRO FERNANDEZ/The N

Seither geben Soldaten der Armee in der Hauptstadt Caracas und anderen Orten unter dem Motto „Die Kasernen kommen zum Volk“ Kurse tief in den Stadtvierteln. Die Aufgabe der Soldaten besteht darin, den Anwohnern den Umgang mit Waffen beizubringen, um auf „den Feind“ reagieren zu können. Sie führen Panzer vor, verteilen russische Gewehre und hängen Erklärplakate auf.

Die meisten Freiwilligen, die an der Übung teilnehmen, haben keine Erfahrung im bewaffneten Kampf. Aber was ihnen an Erfahrung fehlt, machen sie mit Enthusiasmus wett. „Wenn ich im Kampf mein Leben lassen muss, werde ich es tun“, sagte ein Teilnehmer im Stadtviertel Petare, der sich als klarer Anhänger der Regierung ausgab. 

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Seit Trumps Rückkehr ins Amt haben sich die Beziehungen zwischen Caracas und Washington dramatisch verschlechtert. Der Herrscher im Weißen Haus hat dem südamerikanischen Land, das Maduro seit zwölf Jahren autoritär regiert und zunehmend abwirtschaftet, verbal den Krieg erklärt. 

Die meisten Freiwilligen, die an den militärischen Übungen teilnehmen, haben keine Erfahrung im bewaffneten Kampf. 
Die meisten Freiwilligen, die an den militärischen Übungen teilnehmen, haben keine Erfahrung im bewaffneten Kampf. © AFP | Pedro Mattey

USA erkennen Wiederwahl Maduros nicht an

Trump deklarierte das venezolanische Kartell „Tren de Aragua“ zu einer terroristischen Vereinigung, was er als Rechtfertigung für die Abschiebung venezolanischer Migranten aus den USA und für die jüngsten Militäraktionen in der Karibik heranzog. Zudem bezeichnete das Weiße Haus Maduro wiederholt als illegitimen Präsidenten und Chef eines venezolanischen „Narco-Terrorkartells“, gegen das nur „maximaler Druck“ und nicht Verhandlungen helfen könnten.

Die USA gehören zu einer Reihe von Nationen, welche die Wiederwahl Maduros im Juli 2024 nicht anerkannt haben und verweisen dabei auf Beweise, die von der venezolanischen Opposition mithilfe unabhängiger Beobachter gesammelt wurden. Sie sollen belegen, dass sein Herausforderer Edmundo González, der ins Exil geflohen ist, die Wahl mit überwältigender Mehrheit gewonnen habe.

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Mögliche Angriffe innerhalb der Landesgrenzen könnten laut NBC demnach in wenigen Wochen beginnen. Trump habe jedoch noch keine Militäraktion genehmigt. Die USA und Venezuela verhandelten über Vermittler aus dem Nahen Osten miteinander, heißt es in dem Bericht. Maduro bot der Trump-Regierung gemäß der Nachrichtenagentur Bloomberg an, bei der Jagd nach Gang-Anführern zu helfen. 

„Ich bitte Sie höflich, Herr Präsident, sich durch konstruktiven Dialog und gegenseitiges Verständnis in der gesamten Hemisphäre für den Frieden einzusetzen“, zitiert Bloomberg wörtlich aus einem Schreiben Maduros an Trump. 

USA stiften „Chaos und Verwirrung“ in Venezuela

Die USA hätten mit ihrer Politik der Härte „etwas Undenkbares“ geschafft, sagt der Analyst Arturo McFields Yescas. „Sie haben Chaos und Verwirrung in den Reihen des Chavismus gesät.“ Der ehemalige nicaraguanische Botschafter bei der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hält aber eine Invasion der USA in Venezuela nicht für wahrscheinlich. 

„Große Feldzüge“ gehörten der Vergangenheit an. Die Drohnen hätten alles verändert. Maduro riskiere nicht, das Schicksal von Panamas Machthaber Manuel Noriega zu erleiden, den eine US-Invasionsarmee 1989 aus seinem Land entführte, um ihm in den USA wegen des Vorwurfs des Rauschgifthandels vor Gericht zu stellen. 

Maduro könne aber ein Schicksal erleiden wie der iranische General Kassem Soleimani. Der Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden, einer Sondereinheit der Iranischen Revolutionsgarden, war 2020 im Irak von den USA mit einem gezielten Raketenangriff durch eine so genannte Reaper-Drohne getötet worden.