Als Wernher von Braun einmal gefragt wurde, warum die Russen mit ihrem „Sputnik“ schneller im All waren als die Amerikaner, antwortete er, es habe zwei große Probleme gegeben: „Die Schwerkraft und der Papierkrieg. Mit der Schwerkraft wären wir fertig geworden.“

Ein altes Bonmot, aber es passt gut in unsere Jetzt-Zeit, in der ein rasant wachsender Staatsapparat sich mit immer neuen Bestimmungen selbst nährt und sich wie ein Bremsklotz vor die Wirtschaft legt, die dringend durchstarten müsste.

Aus notwendiger Regulation wird Regelungswut

Es ist egal, mit wem man in Industrie, Mittelstand oder Handwerk spricht: Die Klage über Bürokratie wird immer verzweifelter. Ein Strabag-Vorstand berichtete davon, dass bei Bauprojekten 85 Prozent der Zeit für Genehmigungsverfahren gebraucht würden – der Bau benötige nur 15 Prozent der Zeit.

Keine Regierung hatte bislang die Kraft, diese Entwicklung umzukehren, trotz aller Versprechen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Zahl der Gesetze und Verordnungen wächst verlässlicher als das Bruttoinlandsprodukt, und diese Zahlen lügen nicht.

Jörg Quoos ist Chef der Zentralredaktion der FUNKE Mediengruppe.
Jörg Quoos ist Chef der Zentralredaktion der FUNKE Mediengruppe.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Aus notwendiger Regulation wird Regelungswut und manchmal auch Regelungsfuror und der kostet die Wirtschaft nicht nur Zeit und Geld, sondern viele Unternehmerinnen und Unternehmer auch physische Kraft. Mancher gibt auf oder sucht sich ein neues und freundlicheres Investitionsumfeld, außerhalb unserer Grenzen.

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#22 Verena Hubertz über die Erfindung von „Kitchen Stories“ und die Behäbigkeit der Politik
Meine schwerste Entscheidung
 

Selbstverständlich braucht Deutschland eine gute Verwaltung und Gesetze und Normen zum Schutze aller Bürger. Aber das Maß entscheidet über persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg beziehungsweise Misserfolg.

Und dieses gesunde Maß ist längst verloren gegangen.