Kurz vor dem 3. Oktober (und sonst selten) geht der Blick aus dem politischen Berlin mit großer Regelmäßigkeit gen Osten: Wie steht’s denn eigentlich um diese Einheit?
Gar nicht so schlecht, ist die Antwort. An vielen Stellen haben die Menschen zwischen Erzgebirge und Ostsee längst aufgeschlossen zum Westen. Den Hauptsitz eines Dax-Konzerns kann zwar immer noch kein ostdeutsches Bundesland vorweisen, das ist aber auch keine notwendige Voraussetzung für eine funktionierende Wirtschaft oder gar hohe Lebensqualität.
Das Stadt-Land-Gefälle ist groß – und Ostdeutschland hat viel Land
Und der Blick in die Daten zeigt: Die Probleme, die Ostdeutschland hat, sind längst gesamtdeutsch – in den Bundesländern, die 1990 zur Bundesrepublik dazugekommen sind, sind sie aber deutlich ausgeprägter.
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Da ist zum einen das Stadt-Land-Gefälle. Strukturell vergleichbare Regionen stehen in Ost- und Westdeutschland wirtschaftlich auch ähnlich gut da, analysiert das DIW. Aber in ganz Deutschland ist die Wertschöpfung in Städten höher als auf dem Land – und Ostdeutschland hat eben besonders viel Land und vergleichsweise wenig Stadt.
Damit hängt auch das zweite Problem zusammen: Überall in Deutschland fehlen Menschen, die arbeiten können – aber nirgends fehlen sie so sehr wie im ländlichen Ostdeutschland. Die Regionen mit dem höchsten Altersschnitt liegen alle in der ehemaligen DDR. Wenn nicht gegengesteuert wird, sieht die Altersstruktur in anderen Gegenden aber bald ähnlich aus.


Wo es wenig Erbe gibt, tut fehlende soziale Mobilität besonders weh
Und schließlich gibt es in Ostdeutschland weniger Vermögen, das vererbt werden kann. Dass Vermögensaufbau aus eigener Kraft schwer geworden ist und die soziale Mobilität in Deutschland schlecht, schlägt hier also besonders durch.
Der beste Weg, die Einheit weiter voranzubringen, wären deshalb Antworten auf gesamtdeutsche Fragen.



