Nach dem Anschlag gegen eine Synagoge in Manchester hat der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, die Menschen in Deutschland zur Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft aufgerufen: „Die Festnahme von mutmaßlichen Hamas-Terroristen in Berlin und der Anschlag auf die Synagoge in Manchester am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur zeigen uns, wie akut und konkret jüdisches Leben in Europa derzeit bedroht ist“, sagte Klein unserer Redaktion. „Sechs Jahre nach dem Terroranschlag zu Jom Kippur auf die Synagoge in Halle und zwei Jahre nach der barbarischen Attacke der Hamas auf Israel sehen wir nun erneut den eliminatorischen Hass, der von Antisemitismus ausgeht.“
Der Staat könne nicht alleine wirkungsvoll gegen Antisemitismus vorgehen. „Wir sollten angesichts dieses grenzenlosen Hasses auch gesellschaftlich reagieren“, forderte Klein. „Jüdisches Leben gehört in die Mitte der Gesellschaft und Zeichen der Solidarität gegenüber der jüdischen Community sind gerade jetzt besonders wichtig.“

Manchester: Zwei Tote und mehrere Verletzte bei Angriff vor Synagoge
Am Donnerstag hatte ein Angreifer vor einer Synagoge in Manchester zwei Menschen getötet und mehrere verletzt. Nach ersten Erkenntnissen gehen die Ermittler nun von einer Terrortat aus. Das sagte ein Sprecher der Polizei in London.
Wie die Polizei mitteilte, fuhr Augenzeugenberichten zufolge der Angreifer zunächst mit einem Auto in Menschen vor der Synagoge. Danach griff er weitere mit einem Messer an. Die beiden Getöteten waren Mitglieder der jüdischen Gemeinde, wie die Polizei am Nachmittag bestätigte. Vier weitere Menschen werden demnach mit Verletzungen im Krankenhaus behandelt.
Die Polizei hat den Angreifer am Tatort erschossen. Stundenlang konnte sein Tod jedoch nicht bestätigt werden. Hintergrund war die Furcht, er könne einen Sprengstoffgürtel getragen haben. Deshalb rückte auch ein Bombenentschärfungsteam an. Zum möglichen Motiv äußerten sich die Ermittler zunächst nicht. Die Polizei glaube, die Identität des Angreifers zu kennen, könne aber aus Sicherheitsgründen noch keine Angaben dazu machen, so der Scotland-Yard-Sprecher weiter. Außerdem seien zwei weitere Personen festgenommen worden.
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Ein Sprecher der Greater Manchester Police sagte zum Hergang: „Die Polizei wurde um 9:31 Uhr von einem Bürger zur Synagoge der Heaton Park Hebrew Congregation in der Middleton Road in Crumpsall gerufen.“ Der Bürger habe angegeben, beobachtet zu haben, wie ein Auto auf Bürger zugefahren, und ein Mann niedergestochen worden sei.
Der Vorfall ereignete sich während des jüdischen Festes Jom Kippur. Es gilt als höchster jüdischer Feiertag. Gläubige verbringen den Tag mit Fasten, Gebeten und der Bitte um Vergebung. Auch säkulare Israelis schätzen die Ruhe, viele nutzen die leeren Straßen zum Radfahren und Spazierengehen. Auch in Großbritannien sind Synagogen an dem Tag gut besucht.
Good morning. I’m in Heaton Park where there is a massive police cordon following a reported stabbing at a synagogue here. @MENnewsdesk pic.twitter.com/7pNwwzqv9d
— Greta Simpson (@gretamsimpson) 2. Oktober 2025
Angriff in Manchester: „Schockierend und abstoßend“
Der britische Premierminister Keir Starmer zeigte sich entsetzt. „Die Tatsache, dass sich dies am Jom Kippur ereignete, dem heiligsten Tag im jüdischen Kalender, macht es umso furchtbarer“, sagte der Labour-Politiker einer Mitteilung zufolge. Starmer reiste vorzeitig vom Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPC) in Kopenhagen ab, um eine Sitzung des nationalen Krisenstabs Cobra zu leiten. Nach dem Vorfall wurden die Sicherheitsvorkehrungen in allen Synagogen im Großraum Manchester verstärkt. „Wir werden alles tun, um unsere jüdische Gemeinschaft zu schützen“, sagte Starmer am Flughafen in Kopenhagen.
Der Vorsitzende des British Muslim Trust, Akkela Ahmed, verurteilte die Attacke in scharfen Worten. „Die Attacke in Manchester von heute Morgen ist schockierend und abstoßend. So ein Angriff, an Jom Kippur, ist unerträglich“, sagte Ahmed laut einem Bericht des britischen „Guardian“. „Wir sind zutiefst traurig über die verlorenen Leben und unsere Gedanken und Gebete sind bei den Hinterbliebenen.“ Solche feigen und widerwärtigen Gewalttaten haben und dürften niemals einen Platz in der Gesellschaft haben.
König Charles und Königin Camilla sind schockiert über die Angriffe
Der britische König Charles III. zeigt sich entsetzt über die Vorfälle. Aus einer Mitteilung des Palasts geht laut der Deutschen Presse-Agentur hervor, dass Königin Camilla und er seien „zutiefst schockiert und betrübt von der Nachricht über den furchtbaren Angriff in Manchester, vor allem an so einem bedeutenden Tag für die jüdische Gemeinschaft“. Ihre Gedanken und Gebete seien bei all denen, die von dem entsetzlichen Vorfall betroffen seien.
dpa/les/pcl/jan



