Als Khalida Popal auf die Bühne kam, brach Jubel aus. Unter Standing Ovation nahm die afghanische Aktivistin und Fußballerin am Samstag in Berlin den „Be Bold-Award“ der FUNKE Mediengruppe entgegen. Als Kind spielte sie in Kabul heimlich Fußball hinter Mauern, weil ihr das als Mädchen eigentlich verboten war. Mit nur 20 Jahren gründete sie die afghanische Fußballnationalmannschaft der Frauen. Nun wurde sie für ihr Engagement geehrt.
Cordula Schmitz, Chefredakteurin Digital beim Hamburger Abendblatt, würdigte Popal als „Pionierin, Verteidigerin von Freiheitsrechen und Brückenbauerin“. Schmitz ergänzte: „Solange es Stimmen wie deine gibt, haben wir die Hoffnung nicht verloren.“
Es sei ein Privileg, diesen Preis zu gewinnen, erklärte Popal. Es sei aber auch eine Verantwortung gegenüber jenen, die ihre Stimme verloren haben. „Ich repräsentiere alle Mädchen und Frauen, denen gesagt wurde, dass sie nicht träumen können“, sagte Popal. „Denen gesagt wurde, dass sie nicht Fußball spielen dürfen, weil sie Frauen sind. Ich war eine von ihnen, aber ich habe es trotzdem gemacht.“ Die 38-Jährige lebt heute im Exil in Dänemark.
Der zweite „Be Bold-Award“ ging am Samstagabend an den 16-jährigen Auszubildenden Max Schneller aus Sachsen-Anhalt. Er hatte sich im April einer Gruppe Querdenker-Demonstranten entgegengestellt und Gegenrede ergriffen. Auch er nahm den Preis unter stehendem Applaus entgegen. Nora Marx, Mitgesellschafterin und Mitglied des Aufsichtsrats von FUNKE, würdigte Schnellers „Mut, Aufrichtigkeit und Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, wenn andere schweigen.“ Der 16-Jährige stehe mit seiner Zivilcourage und beeindruckender Energie für eine Generation, die nicht abwartet, sondern anpackt.

Damit war das Motto und gleichzeitig die Botschaft für den Female Future Force Day 2025 gesetzt: „Be Bold“, war es an diesem Tag im Berliner Congress Center (bcc) immer wieder zu lesen und zu hören. Also zu Deutsch: „Sei mutig“. Doch was bedeutet es eigentlich im Jahr 2025, mutig zu sein? Dieser Frage widmete sich die eintägige Konferenz der FUNKE Mediengruppe und EDITION F. Das Ziel: den Mut zu feiern, für Menschenrechte und Demokratie einzustehen und die Grundlage für Veränderungen zu schaffen.
100 Expertinnen und Experten diskutierten am Female Future Force Day
Grund, mutig zu sein, gebe es in diesen Zeiten genug. Gerade für Frauen. Das machte Yvonne Weiß gleich zu Beginn in ihrer gemeinsamen Begrüßung mit der EDITION F-Redaktionsleiterin Anne-Kathrin Heier deutlich. Die Leiterin der Abteilung Cultural Affairs der FUNKE Mediengruppe nannte dafür einige aktuelle Beispiele. Unter anderem den Fall Dunja Hayali. Die ZDF-Moderatorin hatte sich nach ihrer Berichterstattung über den erschossenen Trump-Anhänger Charlie Kirk aus den sozialen Medien zurückgezogen, weil sie massiven persönlichen Anfeindungen ausgesetzt war. Diesem Druck dürften sich Frauen und die Gesellschaft nicht ergeben, sagte Weiß.
Über 100 Expertinnen und Experten diskutierten vor rund 1000 Gästen in Panels, Masterklassen und Lesungen. Darunter etwa die FDP-Politikerin und Abgeordnete im EU-Parlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Sie spüre, dass sich in Deutschland seit einigen Jahren etwas verändere. „Ich habe Angst, dass sich die Gesellschaft gerade auflöst“, sagte Strack-Zimmermann im Gespräch mit Julia Emmrich, Vize-Politikchefin der FUNKE-Zentralredaktion. Es drohe, das zerstört zu werden, was in diesem Land in den letzten 80 Jahren aufgebaut worden sei. Das erlebe sie unter anderem am „extremen Frauenhass“, den es zwar schon immer gegeben habe, der sich nun aber zunehmend durch das Internet verstärke. Daraus habe sich ein vermeintlicher Kampf zwischen Männern und Frauen entwickelt. „Ich finde, wir sollten uns jetzt gegenseitig unterstützen“, sagte Strack-Zimmermann. „Noch sind wir mehr.“

Das bekräftigte auch der Journalist und Moderator Michel Abdollahi. „Viele Dinge werden in diesem Land gerade wieder zurückgedreht“, sagte er auf der Bühne vor rosafarbener Kulisse. „Es gibt einige Menschen, die sich schon an dieser Farbe stören.“ Dagegen seine Stimme zu erheben, erfordere Mut.
„Mut kann sich lohnen – auch wenn es viel Kraft kostet“
Um den Mut, auf einen Missstand aufmerksam zu machen, ging es auch im Panel „Schöne neue Arbeitswelt? Warum wir mutige Lösungen für bessere Vereinbarkeit brauchen!“. Im Gespräch mit Peter Schink, Chefredakteur der Berliner Morgenpost, berichteten seine Gäste unter anderem von ihren Erfahrungen mit Ungleichbehandlung in der Arbeitswelt und was sie dagegen getan haben.
Die Autorin Natascha Sagorski erzählte etwa vom Mut, offen über ihre Fehlgeburt zu sprechen. Und über die Wut, die in ihr ausgelöst wurde, als sie erfuhr, dass Frauen nach einer Fehlgeburt keinen Anspruch auf Mutterschutz haben. Bereits im letzten Jahr hatte Sagorski beim Female Future Force Day über diese Erfahrung gesprochen und eine Petition gestartet. Nun, ein Jahr später, hatte sie einen Erfolg zu vermelden. Dank ihres Engagements hat der Bundestag Anfang 2025 die Einführung eines gestaffelten Mutterschutzes nach Fehlgeburt beschlossen. „Das ist der größte Beweis dafür, dass sich Mut lohnen kann – auch wenn es viel Kraft kostet“, sagte Sagorski.
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Mutige Verteidiger der Demokratie im Osten
Über den Mut, in der ostdeutschen Provinz die Demokratie aktiv zu verteidigen, ging es im Panel „Der Osten rettet die Demokratie“. Der Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen, Jan Hollitzer, sprach mit seinen Gästen über deren individuellen Einsatz und persönliche Risiken.
Auf der Bühne saß unter anderem die Autorin Birgit Lohmeyer. Seit 18 Jahren veranstaltet sie in dem kleinen Dorf Jamel an der Mecklenburger Ostseeküste ein Festival der „Rockmusik für Demokratie und Toleranz“. Dort hatten Einschüchterungen und Angriffe von Rechtsextremen in den letzten Jahren zugenommen. Zwar wähle die Mehrheit in der Region nicht die AfD. „Aber im Alltag spüre ich das nicht“, sagte Lohmeyer. Es gebe eine schweigende Mehrheit, die das Feld den Rechtsextremen überlasse. „Leider gibt es keine Kultur des politischen Diskurses im Alltag“, sagte Lohmeyer.
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Der mit dem „Be Bold-Award“ ausgezeichnete Max Schneller, der ebenfalls auf dem Podium saß, sieht den Grund dafür in den fehlenden Anlaufstellen der Vernetzung. Nach seiner Gegenrede auf der Querdenken-Demo war ihm eine Welle des Hasses entgegengeschlagen. „Aber ich habe auch viel Zuspruch bekommen“, sagte Schneller. „Das überwiegt am Ende.“ Für die Region sei es wichtig, dass dieser Zuspruch erhalten bleibt. Deswegen wolle er auch dort bleiben. Denn: „Wenn wir alle wegziehen, wird es auch nicht besser.“





