Das Rezept ist ganz einfach. Man nehme: 100 Gramm Angst, 100 Gramm Ressentiments, 100 Gramm Fakten, verrühre das Ganze zu einem undurchsichtigen Brei, würze ihn mit einer Prise Adrenalin („Wir lassen uns das nicht gefallen!“) und fertig ist der schmackhafte Eintopf. So machen es seit jeher die Populisten von links wie von rechts. Demokraten sollten die Finger davon lassen. Mehr noch: Sie sollten sie bekämpfen, wo immer sie auftauchen – und sei es in den eigenen Reihen.

Merz und das Stadtbild: Wer vage bleibt, nährt die Ressentiments
So weit, so klar. Was aber treibt Friedrich Merz, dass er sich genau diesem Vorwurf aussetzt: Dass er einerseits klipp und klar der AfD den Kampf ansagt und gleichzeitig mit ein paar knappen, raunenden Sätzen eine direkte Linie zieht zwischen illegaler Migration und dem öffentlichen Stadtbild. Und auf Nachfrage wieder nicht präzise ist, sondern auf die Ängste junger Frauen verweist. Man möge die Töchter fragen, die wüssten schon, was er meine.

Ganz abgesehen davon, dass viele dieser Töchter tatsächlich keine Lust haben, abends in der Stadt von respektlosen Männern aller Art bedrängt zu werden – von Testosteron-Mackern mit und ohne Migrationshintergrund, von Drogenabhängigen, Neonazis, alkoholisierten Junggesellenrunden. Ganz abgesehen davon muss man von einem Bundeskanzler verlangen, dass er präzise ist: Ja, das Stadtbild hat sich in den vergangen 30 Jahren geändert. Und ja, das hat AUCH mit Migration zu tun. Aber was genau ist für Merz das Problem? Die kriminellen Ausländer? Der türkische Supermarkt? Die Teenager-Clique, in der keiner mehr blond ist? Merz bleibt vage. Und lässt damit Raum für Ressentiments. Das ist brandgefährlich.



