Wenn es um die Eisenbahn geht, dann endet das Denken in Europa häufig an den nationalen Grenzen. Jedes Land hat seine eigene Bahngesellschaft, sein eigenes Netz, einige Länder haben sogar eine eigene Bahnindustrie. Da liegt es nahe, dass den Staaten das eigene Hemd im Zweifel näher ist als der europäische Rock.
Bahnverkehr: Deutschland ist ein schlechtes Vorbild

So gesehen ist es eine gute Sache, wenn die Brüsseler EU-Kommission nun mehr Schwung in den Ausbau eines gesamteuropäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes bringen will. Hier ist in vergangenen Jahrzehnten schon viel geschehen, aber es bleibt noch viel mehr zu tun. Es geht um die Entwicklung einer übergreifenden Finanzierungsstrategie, um bessere Rahmenbedingungen für Zughersteller und Ausrüster, um mehr Wettbewerb auf der Schiene und mehr Kundenfreundlichkeit, etwa beim Kauf von Fahrkarten für den internationalen Verkehr. Am Mittwoch präsentierte die Kommission einen Aktionsplan dazu.

Was von all dem am Ende tatsächlich kommt, wird man abwarten müssen. Wie immer kann die Kommission nur Vorschläge unterbreiten, die eigentlichen Gesetzgeber sind der Rat der Mitgliedstaaten und das EU-Parlament.

Unabhängig davon ist es wirklich allerhöchste Eisenbahn, beim Ausbau dieses Verkehrsmittels europaweit in die Vollen zu gehen. Ohne die Bahn lässt sich das Klima nicht schützen, ohne sie wird Europas Wirtschaft kaum wieder an alte Erfolge anknüpfen können, ohne sie wachsen Städte und Regionen auf dem Kontinent nur unzureichend zusammen. Was passiert, wenn die Bahn hinter ihren eigenen Möglichkeiten zurückbleibt, kann man in Deutschland jeden Tag beobachten. Mehr Druck und Planung aus Europa können da nur guttun, mehr Geld und Wettbewerb sowieso. Brüssel, bitte übernehmen Sie!


