Willy Brandt (SPD) wollte einst „mehr Demokratie wagen“. In Anlehnung an diesen berühmten Satz könnte man sagen: NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) möchte „weniger Bürokratie wagen“. Der Aufbau von Demokratie und der Abbau von Bürokratie sind enorm wichtig. Vielleicht bildet beides heute sogar eine Schicksalsgemeinschaft.

Seit vielen Jahren ächzen Lehrkräfte und Schulleitungen in Nordrhein-Westfalen unter Berichts- und Dokumentationspflichten. Doch die Bürokratie wurde trotz dieser berechtigten Beschwerden nicht weniger, sondern immer mehr. Der Vorstoß von Dorothee Feller, „durchzufegen“ und die meisten Abfrage-Vorschiften erstmal auf null zu setzen, ist bemerkenswert.

Aber Vorsicht: Die Bezirksregierungen können noch bis März erklären, welche Anfragen sie für unverzichtbar halten, und Verwaltungen sind sehr geübt darin, Vorschriften als unbedingt notwendig zu verteidigen.

Unter Bürokratie leiden auch die Polizei, die Wirtschaft, die Gesundheitsberufe

Viele, die gar nicht im Schuldienst arbeiteten, werden nun spontan denken: „Das mit der Bürokratie kenne ich. Die nervt mich auch.“ Daher gehört dieses Thema auf eine andere, viel höhere Ebene.

Denn eine Polizistin, die stundenlang unterschiedliche Datenbanken füttern muss, ein Handwerker, der zwei Jahre lang auf die Genehmigung für eine Gewerbefläche wartet oder ein Team von Krankenhaus-Managern, die Klinik-Atlanten mit unnützen Informationen füttern sollen, wünschen sich sehnlich, dass da konsequent „durchgefegt“ wird und nur das Wesentliche übrig bleibt.

Die „Weniger-Bürokratie-Initiative“ des NRW-Schulministeriums ist eine große Chance. Bliebe sie ungenutzt oder blieben zum Schluss nur Fragmente davon übrig, würde viel Enttäuschung daraus. Zunächst sät sie Hoffnung.