Eine Marine-Kapelle stieß ins Horn. Offiziere zu Pferd präsentierten entlang des roten Teppichs die saudische und die amerikanische Flagge auf der Südseite des Weißen Hauses mit feierlicher Geste. Zuvor waren in kunstvoller V-Formation Kampfflugzeuge vom Typ F-35 über das Weiße Haus gedonnert. Und der Hausherr begrüßte seinen Gast mit offenen Armen und einem Schulterklopfer ganz persönlich: Kein Zweifel, so pompös wie Mohammed bin Salman am Dienstag ist in diesem Jahr kaum ein auswärtiger Staatsgast im Weißen Haus empfangen worden. 

Präsident Donald Trump bemühte sich von der ersten Sekunde an, dem Kronprinzen des saudischen Königshauses zu gefallen zu sein, über den er später sagen sollte: „Es ist eine Ehre, ihr Freund zu sein.“ Acht Jahre nach der letzten Visite des De-Facto-Herrschers in Riad hätte der Kontrast nicht größer sein können. Nach der Ermordung des Regime-kritischen „Washington-Post“-Kolumnisten Jamal Khashoggi in Istanbul 2018, hinter dem US-Geheimdienste eindeutig die Regie bin Salmans sehen, war der 40-Jährige lange Zeit Paria auf der Weltbühne.

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Donald Trump: „Solche Dinge passieren eben“

Als eine ABC-Korrespondentin nach der Causa Khashoggi fragte, reagierte Trump als Anwalt bin Salman und attackierte die Fragestellerin: „Er wusste nichts davon. Sie müssen unseren Gast nicht in Verlegenheit bringen, indem Sie so etwas fragen.“ Über Jamal Khashoggi und sein Schicksal (seine Leiche wurde zersägt …) fiel dem US-Präsidenten kurz danach dies hier ein, was Demokraten und Menschenrechtler umgehend als „Unverschämtheit“ bezeichneten: „Viele Menschen mochten diesen Herrn, von dem Sie sprechen, nicht. Ob man ihn nun mochte oder nicht, solche Dinge passieren eben.“ 

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Trump war anderes wichtiger. Und Mohammed bin Salman spielt bereitwillig mit: Bei seiner Saudi-Arabien-Reise im Mai hatte Trump Investitionszusagen im Volumen von 600 Milliarden Dollar eingesammelt. Wo genau Saudi-Arabien in den USA investieren will, soll an diesem Mittwoch bei einer Konferenz im Washingtoner Kennedy-Center konkreter werden. Bereits vorher stellte der Kronprinz klar, die Summe auf eine Billion Dollar zu steigern, was Trump ein Siegerstrahlen aufs dick geschminkte Gesicht zauberte.

News aus den USA

Donald Trump bricht mit Tradition

Obwohl der Kronprinz Trumps oberste Priorität bedingt durch Gaza-Krieg weiter abweist – die Normalisierung der Beziehungen des Königreichs zu Israel – hat sich der 79-Jährige die vollständige Rehabilitierung des Potentaten auf die Fahnen geschrieben – „solange vorteilhafte Geschäfte auf Gegenseitigkeit Früchte tragen“, sagen Experten in Washingtoner Denkfabriken. 

Dafür ist Trump bereit, als Gepflogenheiten über Bord zu werfen. Der von ihm bereits abgesegnete Verkauf von modernsten F-35-Kampfjets an Riad bricht mit der Tradition, dass Militär-Hightech made in den USA bisher allein Israel vorbehalten war. Über Bedenken von Fachleuten seiner eigenen Regierung, die aufgrund der Nähe Riads zu Peking die Befürchtung hegen, dass sensible US-Technologie in chinesische Hände fallen könnte, setzte sich Trump kurzerhand hinweg.

Trump, der am Abend für Mohammed bin Salman auch ein üppiges Abendessen ausrichtete, kann sich sogar für ein Sicherheitsabkommen erwärmen, in dem er sich verpflichtet, Saudi-Arabien im Falle eines militärischen Angriffs zu verteidigen. Es wäre das zweite Abkommen dieser Art mit einem Verbündeten am Golf. Im September stellte Trump sich als Schutzmacht Katars vor.