Das Gefängnis sei grau, der Zellenalltag hart, berichtet Nicolas Sarkozy in seinem Buch „Tagebuch eines Häftlings“, das diese Woche erschienen ist. Am Ärgsten seien aber die nächtlichen Schreie der Häftlinge. Frankreichs prominentester Insasse, Staatspräsident von 2007 bis 2012, saß ab Mitte Oktober 20 Tage im berüchtigten Pariser Gefängnis La Santé ab, bevor er wegen Erreichen des 70. Altersjahres bedingt freigelassen wurde. Laut Urteil bildete Sarkozy mit zwei Ex-Ministern eine „Verbrecherbande“ (association de malfaiteurs), mit dem Ziel, den Wahlkampf 2007 dank Geldspenden des libyschen Diktators Muammar Gaddafi zu finanzieren.
Der konservative Gaullist bestreitet alles. Am ersten Abend in Einzelhaft kniete er sich in seiner Zelle spontan nieder: „Ich betete, um die Kraft zu haben, das Kreuz dieser Ungerechtigkeit zu tragen.“ Balsam für seine Seele war es, dass ihn seine Mitgefangenen respektvoll „le président“ nannten. So steht es jedenfalls in seinem Bericht, den er in seiner Zelle mit bloßem Kugelschreiber zu Papier brachte.
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Sarkozys selbst gewählte Gefängniskost bestand aus Getreideriegeln und Joghurts
Kein Zweifel, es war ein hartes Los für Häftling 320535, der früher als Innenminister kein Pardon mit Banlieue-Dealern und anderen Verurteilten gekannt hatte. Seine selbst gewählte Ernährung bestand aus Getreideriegeln und Joghurts. Trotz Rückenschmerzen betrieb er Sport. Noch tapferer war, dass er das telefonische Angebot von Emmanuel Macron, ihn in eine Anstalt mit „besseren Konditionen“ und einem privaten Sprechzimmer verlegen zu lassen, rundweg ablehnte. Sarkozy hat seine langjährige Freundschaft mit Macron aufgekündigt.
Näher fühlt Sarkozy heute der Rechtspopulistin Marine Le Pen, und das nicht nur, weil sie wegen Veruntreuung ebenfalls zu einer „politischen“ Haftstrafe verurteilt worden sei, wie Sarkozy befindet. Bei einem Telefongespräch habe sie ihn gefragt, ob er sich weiterhin an der republikanischen Brandmauer gegen die Rechte beteiligen werde. „Meine Antwort war unzweideutig – nein“, enthüllt der heute noch zentrale Gründervater der konservativen Républicains. „Der Wiederaufbau der Rechten geht nur über den Geist der breitest möglichen Sammlung“, schreibt Sarkozy. Das Wort „Sammlung“ (Rassemblement) ist wohl nicht zufällig dem Parteinamen der Le-Pen-Partei „Rassemblement National“ entnommen.

Mit einer Fußfessel in den Präsidentschaftswahlkampf?
Auch der heutige Parteichef der Républicains, Bruno Retailleau, bekräftigte diese Woche, Le Pens Wähler seien „keine Faschisten“, zumal sie früher oft für die bürgerliche Rechte gestimmt hätten. Und falls die Republikaner den Schulterschluss mit Le Pen oder zumindest ihrem Ersatzmann Jordan Bardella praktizieren wollen, macht Sarkozy auch schon die geeignete Einigerfigur aus: sich selbst. Der bekannte Politologe Pascal Perrineau glaubt gar, Sarkozys Kurzhaft sei für ihn ein „Geschenk des Himmels“, weil seine Wählerschaft das Urteil mangels klaren Beweisen für ungerecht halte; das könnte Sarkozy ein politisches Comeback erlauben.

Sarkozy ist allerdings bereits zweimal wegen Bestechung und Überschreitung der Wahlkampfausgaben verurteilt worden. Beide Affären könnten ihm noch Fußfesseln bescheren – nicht gerade das ideale Attribut eines Präsidentschaftskandidaten. Ob die spektakuläre Haft für Sarkozy zum Grundstein einer neuen Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2027 werden könnte, muss sich weisen.



