Erschütternde Berichte aus dem Sudan gehen gerade um die Welt: Gewalt, Vertreibung, Hunger bestimmen für Millionen Menschen in dem afrikanischen Land das Leben. Im sudanesischen Bundesstaat Darfur ist die Gewalt weiter eskaliert, bringt Kinder in Lebensgefahr, sie werden Opfer von Tötungen, Verstümmelungen und sexualisierter Gewalt. Allein in der Stadt al-Faschir sind etwa 130.000 Kinder schweren Angriffen und Gewalt ausgesetzt.
Jetzt ruft Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) zum Handeln auf. Angesichts der katastrophalen Lage im Sudan fordert die Ministerin dringend größere internationale Anstrengungen zur Lösung des Konflikts. Es handele sich im Sudan um die derzeit größte humanitäre Krise weltweit, sagte die Ministerin im Interview mit unserer Redaktion. „Die Berichte und Bilder, die wir erhalten, sind zutiefst erschütternd“, erklärte die SPD-Politikerin, „die Lage besorgt mich sehr!“
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Die Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat deshalb eine klare Forderung: „Wir brauchen dringend eine politische Lösung – angefangen mit einem stabilen Waffenstillstand.“ Der komme in diesem furchtbaren Bürgerkrieg aber nicht von allein, dazu brauche es „sofort größere Unterstützung der internationalen Gemeinschaft“. Alabali Radovan mahnt: „Dieser Konflikt im Sudan darf nicht in Vergessenheit geraten.“
Schon 150.000 Menschen wurden getötet, 12 Millionen wurden vertrieben
Die Ministerin berichtet, sie habe vor Kurzem im Nachbarland Äthiopien bei Gesprächen mit Sudanesinnen und Sudanesen weitere Unterstützung der Bundesregierung zugesagt. Dazu gehörten Schutzräume für Kinder und Frauen, die von diesem Konflikt besonders stark betroffen seien. Deutschland unterstütze auch die Nachbarländer bei der Aufnahme und Versorgung der Millionen Geflüchteten aus dem Sudan.

In dem afrikanischen Land tobt seit April 2023 ein brutaler Konflikt zwischen der Regierungsarmee SAF und den Milizionären der „Rapid Support Forces“ (RSF). UN-Ermittler werfen beiden Seiten schwere Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen Zivilisten vor. Seit Beginn des Krieges sind mehr als 150.000 Menschen getötet worden. Innerhalb des Landes sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks fast zwölf Millionen Menschen vertrieben.
Aktuell ist vor allem in Nord-Dafur die Lage katastrophal. Dort könnte es Zehntausende Tote gegeben haben, seit die Miliz RSF die Stadt al-Faschir Ende Oktober eingenommen hat. In der Stadt hungern die Menschen seit Monaten. Hilfsorganisationen haben keinen Zugang. Internationale Beobachter gehen davon aus, dass groß angelegte und systematische Massenmorde und Leichenbeseitigungen stattgefunden haben und weiterhin stattfinden. Die Truppen der RSF kämpfen nun in der Region Kordofan weiter östlich – und somit in Richtung Hauptstadt Khartum. Dazu gehören zahlreiche Angriffe auf Zivilisten.

In der Liste der weltweiten Krisen, die sich 2026 sehr wahrscheinlich verschärfen, steht deshalb der Sudan ganz oben. Die Liste wird von der Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) erstellt: „Die Bedrohung für Millionen Menschen im Sudan nimmt zu – ohne jegliche Rechenschaftspflicht für die Konfliktparteien“, beklagt das IRC. Länder wie der Tschad, der Südsudan, Äthiopien und Ägypten haben mehrere Millionen Flüchtlinge aufgenommen. In al-Faschir und Kadugli wurde offiziell eine Hungersnot erklärt.
Radovan will mit einer neuen Initiative im kommenden Jahr die Zusammenarbeit mit den Ländern des globalen Südens vertiefen. Sie werde 2026 eine entwicklungspolitische Nord-Süd Kommission einberufen, sagte Alabali Radovan unserer Redaktion. Diese Kommission solle „den globalen Norden und den globalen Süden als gute und gleichberechtigte Partner zusammenbringen“, erläuterte die SPD-Politikerin. Die Ministerin bezeichnete den Vorstoß als ihren „ganz konkreten Neujahrsvorsatz“. Sie bekräftigte zugleich ihre Entschlossenheit, trotz „extrem schmerzhafter Kürzungen“ im Etat ihres Ministeriums eine verlässliche und effektive Unterstützung für Krisenregionen sicherzustellen. „Denn Kriege und Konflikte machen nicht an Grenzen halt“, erklärte die Ministerin. „Entwicklungszusammenarbeit ist nicht nur Armuts- und Hungerbekämpfung, sondern auch Friedens- und Sicherheitspolitik.“




