Die Kosten im deutschen Gesundheitswesen steigen, und die Krankenkassen stehen vor großen Geldproblemen. Die Frage, wie das System künftig finanziert werden kann, beschäftigt die Bundesregierung. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, machte nun einen Vorschlag, der an die vor mehr als zehn Jahren abgeschaffte Praxisgebühr erinnert.

Gassen sprach sich für eine Kontaktgebühr aus, die Patienten bei jedem Praxisbesuch aus eigener Tasche zahlen müssen. Der Betrag solle bei „drei oder vier Euro liegen“ und von den Krankenkassen eingezogen werden, sagte der Chef der Kassenärzte-Vereinigung der „Bild“-Zeitung. So könnten die Einnahmen der Kassen erhöht werden.

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Die Forderung sei ein „klassischer Rückgriff auf gesundheitspolitische Konzepte aus den 2000er-Jahren“, kritisierte der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis. Die Idee bringe das deutsche Gesundheitssystem „keinen Millimeter voran“. Eine generelle Praxisgebühr in Höhe von zehn Euro pro Quartal mussten gesetzlich Versicherte bereits von 2004 bis 2012 bezahlen. Die Gebühr brachte zwar rund zwei Milliarden Euro pro Jahr ein, war für viele Arztpraxen aber mit hohem Aufwand verbunden.

Die SPD kritisiert eine Gebühr auch aus anderen Gründen: „Eine Praxis- oder Patientengebühr ist unsozial, ineffektiv und gesundheitspolitisch falsch“, sagte Pantazis dieser Redaktion. „Sie schreckt nicht ‚unnötige‘ Arztbesuche ab, sondern vor allem Menschen mit geringem Einkommen, chronisch Kranke und ältere Patientinnen und Patienten.“

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Gebühr beim Arzt: Wohlfahrtsverband warnt vor Folgeeffekten

Ähnlich äußerte sich der Paritätische Wohlfahrtsverband. „Eine Neuauflage der gescheiterten Praxisgebühren würde die Schieflage in der Finanzierung des Gesundheitswesens zulasten von Menschen mit geringen Einkommen massiv verstärken“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Joachim Rock, dieser Redaktion. „Notwendige Behandlungen werden verschoben und dadurch häufig teurer.“ Praxisgebühren führten zu einer zusätzlichen Belastung von Versicherten und Arztpraxen.

Auch der Hausärzteverband fühlt sich durch den Vorstoß an die ehemalige Praxisgebühr erinnert: Statt dieser künftig eine Kontaktgebühr bei Arztbesuchen zu verlangen, sei „der sprichwörtliche Sprung vom Regen in die Traufe“, sagte Nicola Buhlinger-Göpfarth, Co-Vorsitzende des Verbands. Mit einer Kontaktgebühr doktere man am Symptom herum, ohne die Ursachen zu bekämpfen, sagte sie dieser Redaktion. „Wir brauchen endlich grundlegende Strukturreformen im Gesundheitssystem!“

Gebühr für Patienten soll „Ärzte-Hopping“ verhindern

Kürzlich hatte sich auch der Arbeitgeberverband BDA für eine „Kontaktgebühr bei jedem Arztkontakt“ ausgesprochen, dies könne unnötige Arztbesuche und „Ärzte-Hopping“ verhindern und so Wartezeiten verkürzen und Praxen entlasten. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) forderte aktuell eine Gebühr in Höhe von 30 bis 40 Euro für Patienten, die ohne vorherige telefonische Beratung in eines der geplanten Notfallzentren fahren.

„Jetzt haben Kassenärzte und Krankenhäuser die Katze aus dem Sack gelassen“, kritisierte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Es gehe nicht um „Patientensteuerung“, sondern ums „Kassemachen“, sagte Brysch dieser Redaktion.