Es ist nicht nur der US-Präsident, der endlich Grönland für die USA kaufen möchte, es ist vor allem sein Außenminister. Der Präsident will mit dem Kauf der Arktis-Insel das nationale Prestige der Vereinigten Staaten wiederherstellen, sein Minister aber träumt den „arktischen Traum“. Und das angeschlagene Dänemark ist in Sondierungen sogar gesprächsbereit, die arktischen Kolonien kosten ja bloß sehr viel Geld. Nun würde Washington 5,5 Millionen Dollar in Gold für Grönland und Island zusammen zahlen.
Doch bevor es zu offiziellen Verhandlungen kommt, scheitert der Deal 1867 vor allem daran, dass Präsident Andrew Johnson wegen eines Amtsenthebungsverfahren gelähmt ist und der Kongress das Vorgehen von Außenminister William Seward für Blödsinn hält. Schon der im selben Jahr abgeschlossene Kauf Alaskas, für das die USA 7,2 Millionen Dollar an Russland zahlen müssen, sei doch pure Geldverschwendung für einen „Polarbär-Garten“, empören sich republikanische Abgeordnete.
Es sollte nicht der letzte Versuch der USA sein, Grönland zu kaufen, 1946 scheitert ein weiterer Anlauf. Die Historie der Misserfolge lässt die Bemühungen von US-Präsident Donald Trump in einem etwas anderen Licht erscheinen. Sie öffnet zugleich den Blick dafür, dass Grönland in seiner wechselvollen Geschichte immer wieder Begehrlichkeiten ausgesetzt war. Wenn heute Trump und seine Vertrauten Zweifel am legitimen Anspruch Dänemarks säen, stehen sie in langer Tradition. „Die eigentliche Frage ist: Mit welchem Recht beansprucht Dänemark die Kontrolle über Grönland?“, sagte kürzlich Trumps Vizestabschef Stephen Miller.
Geschichte zwischen kolonialer Beherrschung und geopolitischen Ansprüchen
Die Beziehung ist zumindest historisch kompliziert: Grönlands Geschichte ist eine Erzählung von extremer Anpassung, kolonialer Beherrschung und geopolitischen Ansprüchen. Die dänische Präsenz in Grönland wurzelt in der nordischen Besiedlung durch Erik den Roten um 985. Diese Siedlungen verschwinden jedoch im 15. Jahrhundert auf mysteriöse Weise. Dänemark-Norwegen hält den formellen Anspruch auf das Land indes aufrecht.

Der Wendepunkt kommt 1721, als der norwegische Missionar Hans Egede mit Erlaubnis des dänischen Königs in Grönland landet. Sein Ziel ist es, die Nachfahren der Wikinger zu finden und zu bekehren. Er findet stattdessen das Volk der Inuit, das von der Jagd auf Robben, Walen und Karibus lebt. Egede gründet die Kolonie Godthåb, aus der die heutige Hauptstadt Nuuk hervorgangen ist. Damit beginnt die formale dänische Kolonialisierung, die auf Missionierung und dem Handelsmonopol der Königlich Grönländischen Handelsgesellschaft (KGH) beruht.
Nach den Napoleonischen Kriegen muss Dänemark 1814 Norwegen an Schweden abtreten, darf aber Grönland, Island und die Färöer behalten. Doch es dauert nicht lange, da werfen auch die noch jungen Vereinigten Staaten einen Blick auf die Insel. Mit der Monroe-Doktrin beanspruchen die USA ab 1823 die westliche Hemisphäre als ihre Einflusszone ohne weitere europäische Kolonialisierung oder Einmischung.
Immer wieder gibt es Debatten in den USA, ob die Regierung nicht Anspruch auf Grönland erheben müsse – die dänische Souveränität über den Norden Grönlands ist völkerrechtlich umstritten, die USA hätten Entdeckerrechte geltend machen können. Doch als die US-Regierung 1917 die Westindischen Inseln von Dänemark abkauft, muss sie ausdrücklich ihr Einverständnis abgeben, „dass die dänische Regierung ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen auf ganz Grönland ausdehnt.“
Präsident Truman bot für Grönland 100 Millionen Dollar in Gold
Dann aber beansprucht Norwegen Ostgrönland, weil es dort kaum dänische Aktivität gebe. Der Streit eskaliert, bis der Ständige Internationale Gerichtshof in Den Haag 1933 zugunsten Dänemarks entscheidet. Bis zum Zweiten Weltkrieg sorgt Dänemark dafür, dass Grönland fast vollständig von der Außenwelt isoliert ist. Offiziell soll dies die Inuit vor Krankheiten und moralischem Verfall durch den Kontakt mit Europäern schützen. Faktisch sichert es das Handelsmonopol, ohne nennenswerte Infrastruktur, Bildungssystem oder moderne Gesundheitsversorgung.

Doch das Interesse der USA wird stärker: Sie planen schon vor dem Zweiten Weltkrieg die Eroberung Grönlands als Teil ihres Verteidigungsrings, sollten die USA von Angreifern belagert werden. 1941 marschieren US-Truppen ein und besetzen die Insel. Die strategische Bedeutung Grönlands ist nun offenkundig. 1946 bietet Washington unter Präsident Harry Truman der dänischen Regierung 100 Millionen Dollar in Goldbarren für Grönland an; auch ein Pachtvertrag über 99 Jahren ist im Gespräch. Alles streng geheim, erst in den 90er Jahren wird die Sache publik. Die dänische Regierung lehnt das Angebot empört ab, dafür unterzeichnen Kopenhagen und Washington 1951 einen Vertrag, der den USA in Grönland bis heute weitgehende Nutzungsrechte für Verteidigungszwecke einräumt.
Zwei Jahre später entsteht der US-Luftwaffenstützpunkt Thule (heute Pituffik Space Base) im Norden Grönlands, auf dem zeitweise 10.000 Soldaten stationiert sind. Fast zeitgleich wird Grönland auf Drängen der Vereinten Nationen von einer Kolonie zu einer gleichberechtigten dänischen Provinz. In den 1960er Jahren folgt der dänische Versuch, Grönland im Eiltempo zu modernisieren: Kleine Siedlungen werden zwangsweise aufgelöst, die Menschen in modernen Wohnblocks in den Städten konzentriert. Die „Urbanisierung“ führt zu massiven sozialen Verwerfungen, dem Verlust der kulturellen Identität folgen Alkoholismus und Selbstmorde.
Düsteres Kapitel: Spiralen-Skandal und die Verschleppung von Kindern
Die Regierung in Kopenhagen lässt Kinder in dänische Familien verschleppen und versucht mit brachialen Methoden, die Geburtenrate zu senken, um die Abhängigkeit Grönlands von dänischen Finanzuschüssen zu verringern:1966 starten dänische Behörden eine Kampagne, mit der 4500 grönländischen Frauen und Mädchen der Inuit – die jüngsten sind erst 12 oder 13 Jahre alt – Spiralen als Verhütungsmittel eingesetzt werden, in vielen Fällen ohne das Wissen oder die Zustimmung der Betroffenen oder ihrer Eltern. Viele Frauen erfahren erst Jahrzehnte später bei gynäkologischen Untersuchungen, warum sie nie Kinder bekommen konnten oder unter chronischen Schmerzen litten.

Die Geburtenrate sinkt tatsächlich um 50 Prozent. Der erst viel später enthüllte Skandal ist eines der dunkelsten Kapitel der dänisch-grönländischen Geschichte, er belastet das Verhältnis zwischen Nuuk und Kopenhagen bis heute schwer. Ein Abschlussbericht wird für Mitte 2026 erwartet, inzwischen haben hunderte betroffene Frauen Klage gegen den dänischen Staat eingereicht und fordern Entschädigungen.
Seit 1979 ist Grönland autonomes Gebiet im Königreich Dänemark mit eigenem Parlament und Selbstverwaltung, Dänemark finanziert aber etwa die Hälfte des öffentlichen Haushalts mit Zuschüssen. 2009 erhalten die Grönländer die völkerrechtliche Anerkennung als eigenes Volk, das Recht auf die Bodenschätze und die Option auf vollständige Unabhängigkeit per Referendum. Dann übernimmt Donald Trump 2017 das US-Präsidentenamt und erneuert die Forderung, Grönland zu kaufen, er sieht es als „großes Immobiliengeschäft“.

Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen nennt den Vorstoß „absurd“, es kommt zu großen diplomatischen Verstimmungen. In seiner zweiten Amtszeit erhöht Trump seit einem Jahr den Druck, diesmal bringt er auch die geopolitische Lage ins Spiel. Zum Schutz der nationalen Sicherheit könnte auch eine gewaltsame Annexion eine Option sein. Trump sagt: „Besitz und Kontrolle von Grönland sind für die USA eine absolute Notwendigkeit.“



