Eigentlich läuft es für Nigel Farage gerade richtig gut: Schon seit Monaten liegt die Reform-UK-Partei des Rechtspopulisten in allen Umfragen vorne. Wären morgen Parlamentswahlen, würden die meisten Stimmen wohl an Reform UK gehen. Zudem vergeht derzeit auch kaum eine Woche, in der nicht ein hochrangiger konservativer Politiker zu Reform UK überläuft, wie aktuell der „Schatten“-Justizminister Robert Jenrick.

Wären da nicht die schweren Vorwürfe aus seiner Schulzeit, die derzeit immer wieder für Negativschlagzeilen sorgen: Farage soll während seiner Zeit als Schüler am Dulwich College, einer teuren Privatschule in Südlondon, mit krass rassistischen und antisemitischen Äußerungen aufgefallen sein. Rund drei Dutzend ehemaliger Mitschüler sind zuletzt mit diesbezüglichen Vorwürfen an die Öffentlichkeit getreten.

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Nigel Farage: Mitschüler erhebt schwere Vorwürfe gegen britischen Politiker

„Er hat sich an mich herangepirscht und geknurrt: ‚Hitler hatte recht‘ oder ‚Vergast sie‘, manchmal hat er noch ein langes Zischen hinzugefügt, um das Geräusch der Gaskammern zu imitieren“, sagte Farages ehemaliger Mitschüler, der Regisseur und Filmproduzent Peter Ettedgui, dem „Guardian“.

„Ich habe in meiner Kindheit nie Antisemitismus erlebt, daher war es zutiefst schockierend, als diese bösartigen verbalen Beschimpfungen zum ersten Mal aus Farages Mund kamen“, fügte Ettedgui hinzu. „Aber ich war nicht sein einziges Ziel.“

Der „Guardian“ weist in seiner Berichterstattung darauf hin, dass sich andere Mitschüler von damals anders an Farage erinnerten. Und das Blatt verweist darauf, dass niemand behaupte, dass Farage als erwachsener Mann noch immer dieselben Ansichten vertrete wie der Jugendliche, dem diese Ansichten zugeschrieben wurden.

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Farage weist die Vorwürfe als „erfundene Fantasien“ zurück

Auch Jason Meredith, der drei Jahre unter Farage am Dulwich College war, erhebt im „Guardian“ schwere Vorwürfe. Er erklärte, Farage habe ihn mit einem wüsten Schimpfwort überzogen, das auf Menschen aus Südasien gemünzt ist, und ihm auch gesagt, er solle „nach Hause zurück“ gehen. Was ihn wirklich ärgere, erklärte der 58-Jährige, der britisch-indische Wurzeln hat und der heute in der Schweiz lebt: der Umstand, dass Farage sämtliche Vorwürfe bestreitet.

So erklärte Farage kürzlich, die Vorwürfe seien „komplett erfundene Fantasien“ von „Leuten mit sehr offensichtlichen politischen Motivationen“. Farages Partei erklärte, die Anschuldigungen entbehrten „jeder Grundlage“. „Der ,Guardian‘ hat keinerlei zeitgenössische Aufzeichnungen oder bestätigende Beweise vorgelegt, um diese umstrittenen Erinnerungen von vor fast 50 Jahren zu untermauern.“

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Farages Partei büßte zuletzt in der Wählergunst ein

Die Vorwürfe sind jedoch nicht neu. 2013 berichtete der Sender Channel 4, dass Lehrer am Dulwich College in den späten 1970er- und frühen 1980er Jahren Bedenken über Farages „rassistische“ und „faschistische“ Ansichten als Schüler geäußert hätten. Nach dem damaligen Bericht räumte Farage noch ein, „einige lächerliche Dinge“ gesagt zu haben, aber „nicht unbedingt rassistische Dinge“. Es komme darauf an, „wie man es definiert“. 

Die Negativschlagzeilen dürften sich auf die Umfragewerte seiner Partei ausgewirkt habe: So hat Reform UK seit einem Umfragehoch im September, als die Partei bei 29 Prozent lag, in Umfragen mittlerweile fünf Prozentpunkte eingebüßt.