Pendler und Reisende in NRW stehen erneut vor großen Herausforderungen: Kaum endete die wochenlange Bahnsperrung von Duisburg in Richtung Essen und Oberhausen, da wurde am Freitagabend die Bahnstrecke von Köln über Wuppertal nach Hagen für eine „Generalsanierung“ gesperrt. Dauer: ganze fünf Monate. Das hat Auswirkungen auf ganz Nordrhein-Westfalen.
Warum ist das wichtig für die Bürger?
„Weil die zweitwichtigste Bahn-Kernstrecke in der Metropolregion Rhein-Ruhr dann nur noch sehr begrenzt zur Verfügung steht“, sagt Lothar Ebbers, NRW-Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sagt, diese und andere Generalsanierungen müssten sein, „um lange aufgeschobene Modernisierungen nachzuholen und in die Zukunft zu investieren. Das verlangt den Menschen in NRW gerade sehr viel Flexibilität und Geduld ab.“ Der Bahnverkehr werde damit aber am Ende besser und verlässlicher.
Bisher gibt es auf der Strecke viele Verspätungen, weil Gleise, Signale und Oberleitungen in die Jahre gekommen sind. Fast jeder zweite Fernverkehrszug und mehr als jeder zweite Nahverkehrszug schaffen es nicht pünktlich. Nach dem Bau rechnet die Bahn mit 80 Prozent weniger Störungen durch marode Anlagen. Technische Störungen an Zügen, Personalmangel und Stau durch Umleitungen wird es aber noch geben. Nah-, Fern- und Güterverkehr werden sich weiter dieselben Gleise teilen müssen.
Das verlangt den Menschen sehr viel Geduld ab.
Oliver Krischer (Grüne), NRW-Verkehrsminister
Was geschieht genau?
Im Zuge der Generalsanierung werden ungefähr 81 Kilometer Gleis saniert, 29 Kilometer Oberleitungen erneuert und 28 Weichen modernisiert. Zwölf teils marode Bahnhöfe werden umgebaut, allerdings nicht der Bahnhof Hagen. Gesamtkosten: rund 800 Millionen Euro. Zudem muss bei Schwerte – zusätzlich zur großen Sanierung – eine Brücke abgerissen werden. Das beeinträchtigt Nah- und Fernverkehr zwischen Hagen, Dortmund und Hamm.
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Welche Linien sind betroffen?
Im Regionalverkehr fahren auf dieser Strecke Züge auf rund zehn Linien. Sie verbinden Köln und Düsseldorf mit Westfalen. Im Fernverkehr fahren dort unter anderem ICE von Köln nach Hannover und Berlin oder nach Hamburg.
Im Nahverkehr entfallen die Linien RE7 (Krefeld–Rheine) und RB 48 (Wuppertal–Bonn) sowie die S-Bahn S68 (Langenfeld–Wuppertal–Vohwinkel). Einschränkungen gibt es außerdem bei den Linien RE 4, RE 13, RB 48, S 7, S 8, S 9 und S 28. Der S-Bahn-Verkehr zwischen Düsseldorf und Hagen wird während zwei Dritteln der Bauzeit, wenn auch mit Abstrichen, funktionieren. Auf den S-Bahn-Gleisen rollen dann auch die Regionalexpresse RE 4 (Dortmund–Aachen) und RE 13 (Hamm–Venlo). Teilweise fallen aber Haltestellen aus, zum Beispiel beim RE 4 der Halt in Wetter, sagt Pro Bahn.
Wie erfahre ich, ob ich betroffen bin?
Die Deutsche Bahn informiert auf einer Webseite über die Generalsanierung, ebenso der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR). Weitere Informationen gibt es zum Beispiel über die DB-App, bahn.de/aktuell, die Seite zuginfo.nrw und bahnhof.de.
Weitere Informationen rund um die Generalsanierung zwischen Hagen, Wuppertal und Köln finden Interessierte unter generalsanierung-nrw.deutschebahn.com.
Was bedeutet die Sperrung für Autofahrer?
Sie müssen mit mehr Verkehr und damit mehr Staus auf den Autobahnen A1 und A46 rechnen, weil viele Reisende, die sonst mit der Bahn fahren würden, aufs Auto umsteigen dürften. Der Bus-Ersatzverkehr für die Bahnen kommt hinzu: Bis zu 200 Ersatzbusse täglich werden unterwegs sein, teils dicht getaktet. Einige Busse (Expressbusse) halten nicht an allen bisherigen Bahn-Haltestellen, um Zeit zu sparen. Dennoch werden Reisende zum Beispiel zwischen Wuppertal und Köln etwa dreimal so lange mit dem Bus unterwegs sein wie mit der Bahn.

Der VRR sagt: „Sie müssen im Ersatzverkehr mit längeren Reisezeiten rechnen, denn die Fahrzeiten der Busse und der Züge unterscheiden sich teils deutlich. Auch lassen die Straßenzustände mitunter keine direkte Verkehrsführung zu. Daher unterscheiden sich die Abfahrtszeiten der Busse von den Abfahrtszeiten der Züge.“
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Was heißt das für das Ruhrgebiet?
Erstens wird der Bahn-Fernverkehr über Düsseldorf und das Ruhrgebiet umgeleitet – die Haltepunkte Solingen, Wuppertal und teilweise auch Hagen entfallen, und die Fahrtzeit wird 20 bis 40 Minuten länger. Das beschert dem Revier insgesamt mehr Bahn-Fernverkehr. Wichtig: Der Doppel-ICE von Berlin nach Köln, der bisher in Hamm geteilt wurde, fährt ab sofort ungeteilt durchs Ruhrgebiet. Der IC von Dresden endet nicht mehr in Köln, sondern schon in Dortmund, so Pro Bahn.
Zweitens ist die Strecke über Wuppertal eine wichtige Ausfallstrecke, wenn es Probleme auf der Ruhrgebietsstrecke zwischen Dortmund und Duisburg gibt. Züge können dann zwar immer noch zum Beispiel über das nördliche Ruhrgebiet (Gelsenkirchen, Castrop-Rauxel) ausweichen, aber insgesamt wird die Lage kritischer. „Im Fall von Störungen sieht es dann im Revier etwas wilder aus“, sagt Lothar Ebbers von Pro Bahn.
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Ist ab dem 10. Juli 2026 der Bahn-Stress vorbei?
Mitnichten. Erstens werden die Arbeiten tatsächlich erst Ende 2027 ganz beendet. Die S-Bahn-Strecke wird zwischen dem 5. Oktober 2027 und dem 10. Dezember 2027 und die Fernzugstrecke Hagen–Köln zwischen dem 3. Dezember 2027 und dem 10. Dezember 2027 erneut dicht sein.
Zweitens nimmt die Bahn bald weitere Großprojekte in NRW in Angriff: ab Juli 2026 an der rechtsrheinischen Strecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden, 2028 zwischen Hagen, Unna und Hamm, 2029 zwischen Aachen und Köln und 2030 auf den Strecken Münster–Recklinghausen, Osnabrück–Münster und Hamm–Düsseldorf–Köln.







