Der Titel der Studie klingt vergleichsweise neutral bis harmlos: „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ – doch die Seiten haben es in sich. Denn sie zeigt auf, dass jede zweite Person in Deutschland bereits sexuelle Belästigung und etwa jede sechste Person in einer aktuellen oder früheren Partnerschaft körperliche Gewalt erlebt hat.
Das Ergebnis der Studie stimmt bedrückend. Hinter jeder dieser Zahlen steckt ein persönliches Schicksal, in der es um Macht, Neid, Egoismen oder Besitzansprüche geht. Und fast immer bleiben diese Gewalterfahrungen privat, eingesperrt in Seele, Herz und Körper, weil sie nicht zur Anzeige gebracht werden. Die Opfer schweigen und bleiben mit ihrem Schmerz allein.
Verlässliche Finanzierung für Frauenhäuser
Doch wie überzeugt man sie, nicht zu schweigen, sondern die Täter anzuzeigen? Die Regierungen haben das Problem erkannt – die Studie hat noch die Ampelkoalition in Auftrag gegeben – und wichtige Gesetze auf den Weg gebracht. Das Gewalthilfegesetz soll Opfer von häuslicher Gewalt besser schützen. Frauen und Kinder haben künftig einen Rechtsanspruch auf Hilfe und Beratung. Das bedeutet auch einen Ausbau des Beratungsnetzes und eine verlässliche Finanzierung für die Frauenhäuser, die immer wieder Frauen abweisen müssen, weil alle Plätze belegt sind.
Ende des Monats berät der Bundestag zudem in erster Lesung über den Entwurf zum Gewaltschutzkonzept. Der sieht unter anderem vor, Täter mit elektronischen Fußfesseln auszustatten und ihnen ein Anti-Gewalt-Training zu verordnen. All diese Maßnahmen sind richtig und wichtig; sie können Gewaltopfern ein Stück Sicherheit bieten, Vertrauen schaffen und vielleicht Mut geben, die Taten zur Anzeige zu bringen. Doch unsere Gesellschaft braucht mehr als das, sie braucht wieder Wertschätzung und Respekt füreinander.



