Kolumbiens Präsident Gustavo Petro hat bei einer Kabinettssitzung am Dienstag von einem Attentatsversuch auf ihn berichtet. Er sei einem Anschlag nur knapp entgangen, als sein Hubschrauber wegen Sicherheitsbedenken nicht wie geplant in der Region Córdoba landen konnte.

Demnach hätte sein Sicherheitsteam „befürchtet“, dass auf den Hubschrauber geschossen werden könne. „Wir flogen vier Stunden lang umher, und ich landete an einem ungeplanten Ort, aber ich entkam so dem Tod“, sagte er bei der live übertragenden Sitzung. Er werde auch in zwei Tagen umziehen, um zu verhindern, dass er umgebracht werde.

Zudem habe er einen Polizeigeneral abgesetzt, der laut Petro „eine seltsame Mission“ gehabt habe, ihm „psychoaktive Substanzen ins Auto zu legen“. Der linksgerichtete Petro ist seit 2022 im Amt. Er sagt seit Monaten, dass bewaffnete Netzwerke mit Verbindungen zum Drogenhandel ein Attentat auf ihn planen.

Indigene Senatorin zeitweise verschwunden

Die Aussagen machte der Staatschef nach dem zeitweisen, mutmaßlichen Verschwinden der indigenen Senatorin Aida Quilcué, die ihm politisch nahesteht. Der Präsident sprach von einer neuen Phase politischer Unsicherheit. „Das versetzt mich in eine Alarmsituation.“

Quilcué war nach Angaben ihres Umfelds im südwestlichen Verwaltungsbezirk Cauca von Unbekannten abgefangen worden. Später bestätigte der Bürgermeister der Gemeinde laut Berichten, dass die Senatorin lebend aufgefunden worden sei. Die Region gehört zu einer der gefährlichsten des Landes, es gibt dort eine starke Präsenz illegaler bewaffneter Gruppen.

Insgesamt hat sich die Sicherheitslage in dem südamerikanischen Land nach Einschätzung des Auswärtigen Amts in den vergangenen Jahren verschlechtert. Touristen seien in der Regel nicht Ziel von Anschlägen, jedoch bestehe „die Gefahr von Kollateralschäden“. Ende Mai findet die Präsidentenwahl statt.

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Kolumbien: Mord an Präsidentschaftskandidaten weckt Erinnerungen

Zuletzt hatte der Tod des Präsidentschaftskandidaten Miguel Uribe in Kolumbien für Entsetzen gesorgt. Der konservative Senator und Petro-Kritiker war im vergangenen Jahr bei einem Wahlkampfauftritt in der Hauptstadt Bogotá angeschossen worden und später an den Folgen des Attentats gestorben. Der kolumbianische Geheimdienst macht die Segunda Marquetalia verantwortlich, eine Splittergruppe der ehemaligen Farc-Guerilla.

Das Attentat löste Befürchtungen bei vielen Menschen in dem südamerikanischen Land aus, dass es zu einer Gewaltspirale wie in den 1980er und 1990er Jahren kommen könnte, als bewaffnete Angriffe der Drogenkartelle und Morde an Politikern zum Alltag gehörten. Der Drogenbaron Pablo Escobar war die prominenteste Figur der mächtigen Kartelle.

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Von Kommunisten zu Drogenhändlern

Viele der bewaffneten Gruppen Kolumbiens sind heute Drogenkartelle, die sich durch den lukrativen Kokainhandel finanzieren. Kolumbien ist der größte Kokainproduzent der Welt und verzeichnete 2023 eine Rekordfläche von 253.000 Hektar Kokapflanzen. Die Regierung von Petro treibt einen Plan zur freiwilligen Vernichtung der Pflanzen durch die Bauern voran, der ihnen wirtschaftliche Anreize bietet.

os/dpa/afp