Der US-Handelsminister Howard Lutnick gerät in der Affäre um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weiter unter Druck. Vor dem Kongress legte Lutnick mehrere Treffen mit Epstein offen, darunter einen Besuch mit seiner Familie auf der berüchtigten Privatinsel Epsteins im Jahr 2012. Dabei verstrickte er sich am Dienstag in Widersprüche zu früheren Aussagen, wonach er den Kontakt viel früher abgebrochen habe. Präsident Donald Trump hält dennoch an dem 64-Jährigen fest.
Lutnick sagte bei der Anhörung in einem Senatsausschuss, er habe nach dem Jahr 2005 über einen Zeitraum von 14 Jahren „keinerlei Beziehung“ zu Epstein gehabt. Das würde die Zeit bis zu dem Tod des verurteilten Sexualstraftäters 2019 umfassen. „Ich hatte so gut wie nichts mit dieser Person zu tun“, beteuerte der Minister. Bereits im vergangenen Jahr hatte er auch in einem Podcast über Epstein gesagt, er habe schon 2005 entschieden, mit dieser „widerlichen Person“ nie wieder in einem Raum sein zu wollen.
Lutnick gab allerdings vor dem Kongress zu, im Jahr 2012 – und damit im fraglichen Zeitraum – Epsteins private Karibikinsel Little Saint James besucht und mit dem verurteilten Sexualstraftäter zu Mittag gegessen zu haben. Er sei mit seiner Frau, seinen Kindern sowie deren Kindermädchen „im Familienurlaub“ auf der Insel gewesen, sagte Lutnick. Vor Ort sei ihm nichts Ungewöhnliches aufgefallen, er habe nur Epsteins Mitarbeiter gesehen.
Auch interessant
Epstein-Affäre: Demokraten fordern Rücktritt von Lutnick
Lutnick bestritt zudem, 2011 in Epsteins New Yorker Wohnung zu Abend gegessen zu haben. Er räumte jedoch ein, dass die Unterlagen auf ein geplantes Treffen mit Epstein im Mai desselben Jahres hindeuteten. Lutnick sagte im Senat, er habe kaum etwas mit Epstein zu tun gehabt. Der Minister war früher in New York Epsteins Nachbar. Eine Frage dreht sich auch um einen Hinweis darauf, dass Epstein das Kindermädchen Lutnicks kennenlernen wollte. Er habe keine Ahnung, worum es dabei ging, sagte Lutnick. „Das hatte nichts mit mir zu tun. Soweit ich weiß.“
Nach der Veröffentlichung der Akten waren Rücktrittsforderungen an Lutnick laut geworden. Druck machen vor allem Kongressmitglieder der oppositionellen Demokraten. Der Senator Adam Schiff warf dem Handelsminister „Lügen über seine Geschäftsbeziehungen mit einem verurteilten Kinderschänder“ vor. „Er sollte unverzüglich zurücktreten“, verlangte Schiff. Auch der republikanische Abgeordnete Thomas Massie forderte in einem CNN-Interview, Lutnick solle Präsident Trump „das Leben erleichtern und einfach zurücktreten“.
News aus den USA
Trump-Sprecherin Leavitt: Präsident unterstützt Lutnick weiter
Trumps Sprecherin Karoline Leavitt wies dies zurück: Lutnick sei „ein sehr wichtiges Mitglied in Präsident Trumps Team, und der Präsident unterstützt den Minister voll und ganz“, erklärte sie. Trump bestreitet ähnlich wie Lutnick engere Beziehungen zu Epstein, bisher veröffentlichte Fotos und andere Dokumente legen allerdings das Gegenteil nahe. Ein persönliches Fehlverhalten wurde dem Präsidenten bisher nicht nachgewiesen.
Der US-Multimillionär Epstein hatte über Jahre aus New York einen Missbrauchsring betrieben, dem viele junge Frauen und auch Minderjährige zum Opfer fielen. Der verurteilte Sexualstraftäter starb 2019 im Alter von 66 Jahren in der Haft, bevor es zu einer möglichen weiteren Verurteilung hätte kommen können. Zahlreiche Prominente und Politiker kommen in den veröffentlichten Ermittlungsakten vor. Eine Nennung an sich heißt per se aber zunächst nichts.
os/dpa/afp







