Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Der Bischof von Hildesheim in Niedersachsen wurde am Dienstagvormittag zum Nachfolger des bisherigen Vorsitzenden Georg Bätzing gewählt. Bätzing hatte nach sechs Jahren im Amt auf eine erneute Kandidatur verzichtet.
Wilmer gilt als fortschrittlich, in seinem Bistum gibt es alternative Leitungsmodelle, auch mit Frauen in Führungspositionen. Immer wieder hat er sich auch für eine Erneuerung der katholischen Sexualmoral eingesetzt. Die Möglichkeit zur Segnung homosexueller Paare begrüßte er ausdrücklich.
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Evangelisierung rückt in den Fokus: Wilmer fordert neue Glaubensdebatte
Gleichzeitig setzt sich der 64-Jährige aber auch stark für das Thema Evangelisierung ein, das konservativen Bischöfen traditionell wichtig ist. Wilmer hat zum Beispiel gesagt, dass sogar viele Katholiken heute daran zweifelten, dass es ein Leben nach dem Tod gebe oder dass Jesus der Sohn Gottes sei. Fundamentale Glaubensfragen müssten deshalb neu in den Blick genommen werden, so Wilmer.
Gott im Zentrum, Friede für die Welt und Gerechtigkeit als Aufgabe – so formulierte Wilmer die Aufgabe der Kirche. Wilmer sei dankbar für das Vertrauen seiner Amtskollegen, sagte er nach seiner Wahl. Wilmer dankte seinem Vorgänger. Bätzing habe die Bischofskonferenz in schwerer Zeit geleitet, sagte der Ordensgeistliche. Er bekannte sich auch zur Synodalität, dem Prinzip einer gemeinsamen Leitung der Kirche.
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Papst bestimmt Kurs: Bischöfe stoßen bei Reformen an Grenzen
Die katholische Kirche in Deutschland verliert in schnellem Tempo Mitglieder, jedes Jahr sind es mehrere 100 000. Zuletzt fiel die Mitgliederzahl unter die Marke von 20 Millionen. Umfragen zufolge wünschen sich viele deutsche Katholiken Reformen wie den Zugang von Frauen zu Weiheämtern und mehr Anerkennung für homosexuelle Partnerschaften.
Die Bischöfe haben versucht, diesen Wünschen mit einem Reformprozess mit der Bezeichnung Synodaler Weg wenigstens ansatzweise entgegenzukommen. Dabei sind ihnen jedoch enge Grenzen gesetzt, da die katholische Kirche in Deutschland Teil der katholischen Weltkirche ist. Die grundsätzliche Linie wird vom Papst und seiner Zentralverwaltung im Vatikan, der Kurie, vorgegeben.
Auch die deutschen Bischöfe selbst ziehen nicht immer an einem Strang, sondern sind in unterschiedlichem Maße dem Reformprojekt verpflichtet. Eine kleine Gruppe opponiert gegen jedwede liberale Öffnung, der ranghöchste Bischof aus diesem Lager ist der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki.
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Neuer Vorsitzender soll Beziehungen zum Vatikan intensivieren
Der Limburger Bischof Georg Bätzing, der die Bischofskonferenz seit 2020 geführt hatte, gehört zum Lager der Reformer. Zuletzt hatte es in den Reihen der Bischöfe zunehmend Widerstand gegen eine zweite Amtszeit von ihm gegeben. Dabei spielte auch mit, dass er über keine guten Kontakte in den Vatikan verfügte.
Die Aufgabe des neuen Vorsitzenden bestehe nun in der Moderation der uneinigen Bischöfe und dem Aufbau eines vertrauensvollen Verhältnisses zu Papst Leo XIV. und dem Vatikan, sagt der Kirchenrechtler Thomas Schüller. Der Theologe Daniel Bogner betonte: „Vor allem darf sich der Neue nicht in Grabenkämpfe und Polarisierungsschlachten verwickeln lassen, um das Amt erfolgreich ausüben zu können.“
dpa/epd/jcst





