Der Antisemitismus in NRW nimmt zu, auch auf den Schulhöfen. Daher macht die Landesregierung zusammen mit der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf Lehrkräften ein neues Informationsangebot: Die digitale Lernplattform „Amudim“ soll ihnen dabei helfen, Antisemitismus besser zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.

„Wir dulden in unseren Schulen und auf unseren Schulhöfen keinen Antisemitismus“, sagte NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) am Mittwoch im Landtag. Jeder antisemitischen Haltung und Äußerung müsse mit Nachdruck nachgegangen werden.

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„Amudim“ bedeutet Grundpfeiler

Allerdings würden judenfeindliche Codes und Symbole, die manche Jugendlichen offen im Schulalltag zeigten, selten als solche erkannt, betonten Dorothee Feller und der Direktor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Bert Römgens. „Amudim“ – das hebräische Wort für „Grundpfeiler“ - ermögliche das Entschlüsseln von antisemitischen Codes, beleuchte die historische Entwicklung der Judenfeindlichkeit und ihre heutigen Facetten.

Drei Module stehe zum Start von „Amudim“ zur Verfügung. Sie beschreiben in vielen Details den israelbezogenen, den islamischen und den völkischen Antisemitismus.

Zuletzt starker Anstieg der judenfeindlichen Vorfälle

2024 registrierte die Recherche- und Informationsstelle Rias NRW insgesamt 940 antisemitische Vorfälle, im Schnitt etwa 18 pro Woche, sagte Feller. Das seien 42 Prozent mehr gewesen als im Jahr davor. Zahlen für 2025 gebe es nicht, Feller und Römgens gehen aber von einem weiteren Anstieg der Vorfälle aus.

Antisemitismus ist kein Randphänomen mehr“

Bert Römgens, Verwaltungsdirektor Jüdische Gemeinde Düsseldorf
Bert Römgens, Jüdische Gemeinde Düsseldorf

„Antisemitismus ist kein Randphänomen mehr. Er zeigt sich auf Schulhöfen, im Unterricht und in den Sozialen Medien“, sagte Bert Römgens. Der Terrorangriff der radikalislamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sei eine Zäsur für das jüdische Leben auch hier in NRW gewesen. Die anfängliche Hilflosigkeit von Lehrkräften, die sich in den Monaten nach den Morden der Hamas mit Antisemitismus konfrontiert sahen, sei inzwischen kleiner geworden.

Fortbildung allein reicht oft nicht

Gleichwohl wüssten manche Lehrerinnen und Lehrer auch heute noch nicht genau, wie sie reagieren sollten, wenn durch Schüler Israel das Existenzrecht abgesprochen oder Israels Handeln mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt werde. „Antisemitische Vorfälle werden teilweise bagatellisiert, falsch eingeordnet oder aus Unsicherheit nicht konsequent bearbeitet“, so Römgens. Manchmal reichten Fortbildungsangebote nicht mehr aus. Hier setze die neue digitale Lernplattform an.

Beispiele für antisemitische Codes

Laut NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) erklärt die Plattform „Amudim“ unter anderem, welche Codes und Symbole völkischen Antisemitismus verraten: Falls Kehrkräfte zum Beispiel auf dem T-Shirt einer Schülerin oder eines Schülers die Zahlenkombination „444“ lesen, können sie einordnen, dass diese für „Deutschland den Deutschen“ stünden. Die Buchstabenkombination „ZOG“ sei die Abkürzung für „Zionist occupied government“ und gehe auf den amerikanischen Antisemiten Eric Thompson und seine Behauptung einer „jüdischen Weltverschwörung“ in den 1970-er Jahren zurück.

Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen können dieses und weitere Informationsangebote und Unterrichtsmaterialien über Antisemitismus nutzen, das Land kann sie aber nicht dazu verpflichten. Die Beschäftigung mit dem Antisemitismus sei aber inzwischen fester Bestandteil der Lehrkräfteausbildung in NRW, und es gebe für die Pädagoginnen und Pädagogen in den Schulen eine Fortbildungspflicht, betonte Ministerin Feller.