Laut dem pakistanischen Verteidigungsminister befinde sich Pakistan mit der Taliban-Regierung in Afghanistan in einem „offenen Krieg“. Im eskalierenden Grenzkonflikt griff die pakistanische Luftwaffe am frühen Freitagmorgen mehrere militärische Einrichtungen in Kabul an. Auch Stellungen in den Provinzen Kandahar und Paktia seien bombardiert worden, teilte der Sprecher der islamistischen Taliban-Regierung mit.

„Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg zwischen uns und euch“, erklärte der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif am Freitag im Onlinedienst X. Am Donnerstagabend griffen die Taliban zahlreiche Außenposten an der Grenze zu Pakistan an, wobei nach Angaben der islamistischen Kämpfer 55 pakistanische Soldaten getötet worden seien.

133 afghanische Taliban-Kämpfer seien bei Gegenschlägen getötet worden, teilte der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar auf X mit. Bei Angriffen seien unter anderem Waffenlager, Panzer und Militäranlagen zerstört worden. Die Angaben beider Seiten ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen .Pakistans Präsident Asif Ali Zardari schrieb in der Nacht auf X, die Reaktion der pakistanischen Streitkräfte sei umfassend und entschlossen. Sein Land werde keine Zugeständnisse in Bezug auf Frieden und territoriale Integrität machen.

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Erst in der Nacht zum Sonntag hatte die pakistanische Armee tödliche Luftangriffe im Grenzgebiet geflogen. Nach Angaben der UN-Vertretung in Afghanistan wurden dabei mindestens 13 Zivilisten getötet, die Taliban-Regierung sprach von mindestens 18 Toten. Sie wies pakistanische Angaben zurück, dass mindestens 80 afghanische Kämpfer getötet worden seien.

Am Donnerstagabend schlugen die afghanischen Taliban zurück. Als Reaktion auf die pakistanischen Angriffe sei eine umfassende Offensive auf deren militärische Stellungen eingeleitet worden, hatte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid auf X geschrieben. Dabei seien 15 Außenposten der pakistanischen Armee eingenommen und „dutzende“ pakistanische Soldaten getötet worden. Weitere pakistanische Soldaten seien verletzt oder gefangengenommen worden.

Pakistanische Soldaten patrouillieren in der Nähe des pakistanisch-afghanischen Grenzübergangs in Chaman.
Pakistanische Soldaten patrouillieren in der Nähe des pakistanisch-afghanischen Grenzübergangs in Chaman.© AFP | ABDUL BASIT

Angaben zu möglichen Verlusten auf afghanischer Seite lagen zunächst nicht vor. Das pakistanische Informationsministerium warf den afghanischen Streitkräften vor, „unprovozierte“ Angriffe an mehreren Orten in der pakistanischen Grenzprovinz Khyber Pakhtunkhwa ausgeführt zu haben. Auf diese Angriffe werde „unverzüglich“ und „effektiv“ reagiert, erklärte das Ministerium im Onlinedienst X. 

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Aus Islamabad wiederum hieß es, die Angriffe seien eine Reaktion auf einen Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee in der Hauptstadt und weitere Anschläge im Nordwesten Pakistans. Den Anschlag auf die Moschee in Islamabad vor zwei Wochen, bei dem 31 Menschen getötet und mehr als 160 verletzt worden waren, hatte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamiert.

Im vergangenen Oktober wurden bei einwöchigen Kämpfen zwischen Pakistan und Afghanistan im Grenzgebiet mehr als 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Die beiden Nachbarländer vereinbarten zwar schließlich unter Vermittlung Katars und der Türkei eine Waffenruhe, konnten sich aber in mehreren folgenden Verhandlungsrunden nicht auf eine dauerhafte Vereinbarung einigen.

Die Nachbarländer teilen sich eine rund 2400 Kilometer lange Grenze, die 1893 zwischen dem damaligen Britisch-Indien und dem Emirat Afghanistan entstand. Der Verlauf der als „Durand-Linie“ bekannten faktischen Grenze ist zwischen den Ländern umstritten.

os/dpa