Nahe Kermanschah, Urmia, Ilam, Mahabad und gut zwei Dutzend anderen Städten im Nordwesten des Iran schlagen in den vergangenen Tagen US-amerikanische und israelische Geschosse ein. Getroffen werden Einrichtungen der Revolutionsgarden und des Militärs. Gleichzeitig verlegt das Mullah-Regime immer mehr Truppen in die gebirgige Grenzregion zum Irak. Es sind diese mehrheitlich von Kurden bewohnten Gebiete, in denen die endgültige Befreiung des Iran von der Mullah-Herrschaft beginnen könnte.

Für den Fall eines Eindringens kurdischer Kämpfer aus dem Nordirak in den Iran hat die Führung in Teheran mit Angriffen auf „alle Einrichtungen“ im Nachbarland gedroht. „Bisher wurden nur Stützpunkte der USA und Israels sowie von separatistischen Gruppen der Region ins Visier genommen“, hieß es nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Mehr in einem Schreiben des iranischen Verteidigungsrates. Wenn aber kurdische Kämpfer womöglich in den Iran eindringen würden, dann wären „alle Einrichtungen der Region des kurdischen Irak das Ziel“ von Angriffen.

Am Tag nach dem Beginn der amerikanisch-israelischen Luftangriffe gegen den Iran telefoniert US-Präsident Donald Trump Medienberichten zufolge mit Masud Barzani, dem Präsidenten der autonomen Region Kurdistan im Nordirak, und mit Bafel Talabani, dem Vorsitzenden der zweitstärksten kurdischen Partei dort. Es heißt, er habe sich mit den beiden iranischen Kurdenführern über den Krieg gegen den Iran ausgetauscht.

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Tatsächlich könnte es der US-Regierung aber um deutlich mehr gehen als um einen reinen Austausch. Ein Sturz des Mullah-Regimes ist ohne den Einsatz von Bodentruppen nicht vorstellbar. Das Leben noch wesentlich mehr US-amerikanischer Soldaten kann Trump aber nicht für einen Krieg riskieren, der in seiner Anhängerschaft ohnehin auf wenig Sympathie stößt. Es scheint, als sollten einmal mehr die Kurden für die USA als Bodentruppen dienen.

Inzwischen äußerte sich Trump erneut dazu: Er wolle keine US-Bodentruppen in den Iran schicken, würde jedoch eine Offensive iranisch-kurdischer Kämpfer befürworten. „Ich finde es wundervoll, dass sie das tun wollen, ich wäre voll dafür“, sagte er. „Lasst die Kurden in Ruhe. Wir sind keine Waffen zur Miete“, sagte dagegen Schanas Ibrahim Ahmed, Kurdin und Ehefrau von Iraks Präsident Abdul Latif Raschid. Manche Kurden sehen aber auch viele Vorteile darin, von den USA Waffen und politisches Kapital zu erhalten.

Iranische Drohnen greifen Stellungen in Kurdistan und US-Stützpunkt an

Mit der kurdischen Autonomie-Regierung im Nordirak pflegt Washington seit vielen Jahren ein enges Verhältnis. Israel wird von den sunnitisch-muslimischen Kurden im Irak nicht als Feind, sondern als Verbündeter gesehen. US-amerikanische Truppen sind am Flughafen der Regionalhauptstadt Erbil stationiert, der deswegen in den vergangenen Tagen massiv von proiranischen Milizen beschossen und von iranischen Drohnen attackiert wurde.

Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe

Auch die Büros iranisch-kurdischer Oppositionsparteien wurden in Irakisch-Kurdistan von iranischen Drohnen angegriffen. Seit jeher nutzen iranisch-kurdische Kämpfer die Grenzregion als operativen Rückzugsraum.

In den iranischen Kurdengebieten waren die Proteste gegen das Mullah-Regime in den vergangenen Wochen besonders heftig und wurden mit äußerster Brutalität niedergeschlagen. Gleichzeitig haben die fünf wichtigsten iranisch-kurdischen Oppositionsparteien eine Koalition gebildet. Sie streben weitgehende kurdische Autonomie in einem zukünftigen Iran an, ähnlich der im Nordirak.

US-Berichte: CIA soll Kurden aufrüsten

Wie der US-amerikanische Nachrichtensender CNN berichtet, gibt es in Washington Überlegungen, die iranischen Kurden durch die CIA aufzurüsten. Sie gelten als einzige iranische Oppositionskraft mit ausreichend militärischer Expertise. Das Weiße Haus dementiert das. Jedoch spricht viel für diese Stellvertreter-These: Sollte es den iranischen Kämpfern gelingen, die Regimekräfte aus dem Nordwesten des Iran zu vertreiben, könnten dort die US-Amerikaner perspektivisch Fuß fassen. Es wäre ein aus US-Sicht relativ risikoloses Unterfangen – es würde kaum amerikanisches, wenn auch möglicherweise viel kurdisches Blut fließen.

Exklusiv aus den USA – für Sie recherchiert

Noch zögern die iranischen Kurden. Man beobachte die Lage sehr genau, so eine Quelle in der PDKI, der Schwesterpartei der in der Autonomen Region Kurdistan herrschenden PDK. Auch die iranisch-kurdische PJAK, Schwesterpartei der in der Türkei und Deutschland als Terrororganisation eingestuften PKK, gibt sich bedeckt: „Wir haben noch keine Operationen gegen das Regime begonnen“, so ein Sprecher. Lediglich die Freiheitspartei PAK hat in den vergangenen Tagen Einsätze ihrer Kämpfer vermeldet.

Kurden zögern wegen US-Rückzugs und bitterer Erfahrungen

Zwar wäre ein bewaffneter und von den USA unterstützter Aufstand für die iranischen Kurden eine historische Chance. Sie werden seit vielen Jahrzehnten unterdrückt, erst vom nationalistischen Regime des Schahs, dann von den klerikal-faschistischen Mullahs. Mit einer erfolgreichen Rebellion könnten sie die Fesseln persischer Vorherrschaft abwerfen. Aber sie zögern möglicherweise auch deshalb, weil sie das warnende Beispiel der syrischen Kurden vor Augen haben.

In den vergangenen Jahren kämpften diese mit Luftunterstützung der USA erfolgreich gegen die Terroristen des „Islamischen Staates“ (IS). Ohne sie wäre das Terrorkalifat nicht kollabiert. Jedoch starben bei den Kämpfen Tausende Kurdinnen und Kurden. Als im Januar die Truppen der von Washington hofierten islamistischen Übergangsregierung gegen die kurdisch kontrollierten Gebiete vorrückten, ließen die US-Amerikaner ihre früheren Verbündeten jedoch abrupt fallen. Man brauche sie nicht mehr, hieß es lapidar.

Die Aufrüstung der iranischen Kurden müsste über die kurdische Autonomieregion erfolgen. Auch dort wird man es sich zweimal überlegen, ob man das Ansinnen der US-Amerikaner tatkräftig unterstützt: Die Regierung in Erbil unterhält auch gute Beziehungen zur Türkei. Ankara wiederum wird alles versuchen, ein zweites kurdisches Autonomie-Projekt in der Region zu verhindern – ähnlich wie in Syrien, wo die Türken jahrelang gegen das dortige kurdische Selbstverwaltungsprojekt kämpften. Die Kurden im Irak stehen vor einem Dilemma – entweder sie vergrätzen die US-Amerikaner oder die Türkei.