Ein strahlender Wahlsieger war Bayerns Ministerpräsident Markus Söder noch nie. Unter seiner Ägide hat die CSU seit 2018 stets Wahlverluste erlitten, kam bei der letzten Landtagswahl nur auf 37 Prozent. Weit weg von den absoluten Mehrheiten von früher. Bei den bayerischen Kommunalwahlen setzte sich der Trend fort: Mit einem Minus von 1,9 Punkten kam die CSU auf 32,5 Prozent im Freistaat, das schlechteste Ergebnis seit 1952.

Der Grund dafür ist die Konkurrenz der AfD, aber auch die Etablierung der Freien Wähler als feste Größe. Die AfD trat in Bayern erstmals flächendeckend an. Sie hatte versprochen, „die Rathäuser zu stürmen“, schaffte fast eine Verdreifachung ihres Ergebnisses auf 12,2 Prozent. Tatsache ist aber auch, dass die AfD nirgendwo einen Landrat, Oberbürgermeister oder Bürgermeister stellen wird. Die Freien Wähler legten minimal zu auf 12,1 Prozent, was ihr Parteichef Hubert Aiwanger als „Steilvorlage für eine erfolgreiche Landtagswahl 2028“ sieht.

CSU & CDU – Spannende Artikel über die Union

Sowohl die Grünen (minus 3,9 Punkte) als auch die SPD (minus 1,4 Punkte) mussten Verluste hinnehmen. Mit einem Ergebnis von 13,6 Prozent dürfen sich die Grünen immerhin „zweitstärkste Kraft in Bayerns Dörfern, Städten und Landkreisen“ nennen. Bei der SPD herrschen gemischte Gefühle, einerseits hat sie sieben OB-Posten gewonnen, aber der Job des fest im Sattel geglaubten SPD-Oberbürgermeisters von München, Dieter Reiter, wackelt. Am 22. März müssen die Bewerber in 17 von 22 Städten und in 29 von 62 Landkreisen in die Stichwahl.

München: Grüne holen auf und fordern SPD und CSU heraus

Auch Reiter muss sich ihr stellen, verpasste die absolute Mehrheit. Der Grüne Dominik Krause legte in München stark zu, ist dem SPD-OB dicht auf den Fersen. Dieter Reiter stand vor der Wahl wegen einer Affäre unter Beschuss. Vier Jahre lang hatte er ohne Genehmigung jährlich 20.000 Euro vom FC Bayern kassiert, weil er in dessen Verwaltungsbeirat sitzt. Nun droht ihm ein Disziplinarverfahren.

Die CSU ist mit Abstand die stärkste Kraft in Bayern.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident in Bayern

Ein grüner Wahlsieger im Rathaus am Marienplatz – 900 Meter von der Staatskanzlei entfernt – wäre für den schwarzen Platzhirsch Söder sicher eine Provokation. Söder kann im Wahlergebnis übrigens keine Niederlage sehen: „Die CSU ist bei der Kommunalwahl mit Abstand stärkste Kraft in Bayern“, schrieb er auf Social Media. „Die Grünen haben landesweit die größten Verluste bei dieser Wahl.“ Zuvor hatte er das Abschneiden der CSU in München und Bamberg als „schmerzhaft“ und „ärgerlich“ bezeichnet.

Auch interessant

Aus Schleswig-Holstein kommt Spott über Söder

In Bamberg verlor eine CSU-Kandidatin, ein Grüner und ein Sozialdemokrat gehen dort in die Stichwahl. Offiziell dringt aus der CSU kein kritischer Ton über Söder. Allerdings hatte er beim letzten CSU-Parteitag ein schlechtes Wahlergebnis eingefahren. Häme hat kürzlich nur Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident aus Kiel, im Sender BR geäußert: Früher seien viele aus der CDU nach Bayern zu stolzen CSU-Wahlsiegern gepilgert, „jetzt ist es halt umgekehrt so, dass Söder mal nach Schleswig-Holstein fährt, um mal wieder dieses Gefühl zu haben, dass man auch Über-40-Prozent-Ergebnisse holen kann.“