Wenn sich auf Kuba Bedeutsames anbahnt, schaut Amerika gern auf „Versailles“. Das Café in Miami ist das Mekka von Little Havanna, Hochburg der konservativen Exil-Insulaner und Castro-Hasser im US-Bundesstaat Florida.
Seit US-Präsident Donald Trump in imperialer Tonlage den Eindruck erweckt, als stehe das vor 67 Jahren begonnene Sozialismus-Experiment in der Karibik mangels Öl-Lieferungen kurz vor der Implosion, und er „die Ehre haben wird, die Insel einzunehmen“, nehmen die täglichen Wortgefechte bei süßlichem „cafecito” und deftigem „ropa vieja” (geschmortes Rind) an Intensität zu.
News aus den USA
Der Traum vom Regime-Wechsel, den Trump nährt („Wir werden sehr bald etwas in Bezug auf Kuba unternehmen“), und der möglichen Öffnung des Eilands für die Welt hat in den vergangenen Tagen allerdings leichte Dellen bekommen. Denn der Name Castro könnte auch in Zukunft eine entscheidende Rolle auf Kuba spielen.
Das liegt an den Kontakten, die Trumps Chef-Emmissär für Kuba, Außenminister Marco Rubio, hinter den Kulissen zu einem Mann geknüpft hat, den sie in Havanna wegen einer Finger-Deformation „El Cangrejo“ nennen – die Krabbe.
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Die USA lassen sich nicht in die Karten schauen
Raúl Guillermo Rodríguez Castro, 41, Oberst in der Armee, war Leiter der Sicherheitskräfte, als sein 94-jähriger Großvater Raúl Castro noch regierte. „Raulito“ (kleiner Raúl) hat keine politische Führungserfahrung, ist aber der Sonnenschein seines Opas, der Neffe des verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro und das Gegenteil des in Washington als Apparatschik geltenden Präsidenten Miguel Díaz-Canel Bermúdez.
Allein, ob Rubio sich ein neues Kuba unter der Führung der „Krabbe” vorstellen kann, die Verbündete im wichtigen militärisch-wirtschaftlichen Mischkonzern Gaesa besitzt, ist unklar. Er spielt seine Karten eng an der Brust.

Tatsache ist, dass in Washington ein Szenario diskutiert wird, das sich anlehnt an das, was Trump nach dem Kidnappen von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro im Januar veranstaltet hat. Eine blutige militärische Intervention blieb aus. Er ließ das Machtgefüge in Caracas weitgehend intakt, installierte mit Vize-Präsidentin Delcy Rodríguez eine kooperationswillige Marionette. „Cuba libre” auf die sanfte Tour, ohne Gewalt also, ist das, was Trump bevorzugt. Allein, eine kubanische Rodríguez hat sich bislang nicht materialisiert.
Rubio: „Neue Verantwortliche an die Macht“
Auf Widerstand in der Nachbarschaft, in der Kuba Jahrzehnte als ideologischer Nordstern galt, muss sich Trump übrigens nicht einstellen. Ein neuer Schwung rechts gerichteter Politiker in Lateinamerika sieht Kuba nicht mehr als Wiege der Revolution und Bollwerk gegen die „Gringos”, sondern als Schauplatz einer autoritären Dauer-Pleite. Brasilien, Mexiko und Kolumbien ließen Havanna jüngst bei Notfall-Treibstofflieferungen kühl im Stich; aus Angst, Trump zu vergrätzen.

Bei alledem drängt die Zeit. Ohne Öl droht Kuba der Exitus. Medienberichte, wonach der US-Außenminister auf den Rücktritt von Präsident Miguel Díaz-Canel Bermúdez gedrängt habe, wurden von Rubio, dessen Eltern aus Kuba stammen, am Dienstag als „Scharlatanerie” bezeichnet; er empfindet sie als Störfeuer. Gleichzeitig betont er, dass Kuba „neue Verantwortliche an die Macht bringen muss“, weil die Wirtschaft in seinem „politischen und staatlichen System nicht funktioniert”. Die heutige Führungsebene wisse nicht, „wie sie das Problem lösen soll“.
Damit spielte Rubio auf den jüngsten inselweiten Blackout an, der darauf zurückgeht, dass die USA seit Januar dafür gesorgt haben, dass Kuba keine Öllieferungen mehr erhält; eine Art von ökonomischer Erdrosselung. In der Folge brach immer wieder das Stromnetz zusammen. Krankenhäuser schränkten Operationen ein. Lebensmittel und Treibstoff wurden immer knapper. Der Tourismus geht an Krücken. Und in den Städten fault der nicht abgeholte Müll. Nachts hört man in Havanna – die Geste des Protests schlechthin – Tausende Kubaner auf Kochtöpfen trommeln. „Die Leidensfähigkeit des Volkes nähert sich dem Nullpunkt”, sagte ein aus Kuba stammender Rechtsanwalt in Washington am Montag gegenüber dieser Zeitung, „der Zusammenbruch ist nah.”
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„Trump und Rubio setzten darauf, dass Kuba ihnen wie eine reife Frucht in den Schoß fällt und ihre Forderungen erfüllt”, sagt ein Insel-Kenner in der Washingtoner Denkfabrik Cato und erinnert daran, dass seit 2020 rund 2,75 Millionen Menschen aus Kuba geflohen sind.
Exil-Kubaner sollen es richten
Dass diese These stimmen könnte, zeigt Rubios ablehnende Reaktion auf erste Öffnungsgesten der kommunistischen Regierung. Oscar Pérez-Oliva Fraga, Vize-Regierungschef und Außenhandelsminister, hatte in US-Medien erklärt, dass Kuba „offen ist für flexible Handelsbeziehungen mit US-Unternehmen“ und „auch mit in den Vereinigten Staaten lebenden Kubanern und deren Nachkommen“. Der Großneffe von Fidel und Raúl Castro deutet an, dass es bei Infrastruktur, Tourismus, Bergbau und Energie Joint-Venture-Projekte mit dem Ausland geben könne.
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Für ein System, das Eigentum, Kapital und politischen Einfluss der Exil-Kubaner seit 1959 als Gefahr Nr. 1 behandelte, ist das eine bemerkenswerte Kehrtwende. Wenn von Miami aus Kapital künftig nicht nur Hotels oder Restaurants auf der Insel füllt, sondern womöglich auch Firmen besitzen oder in die museale Infrastruktur Kubas investieren dürfte, käme das einer historischen Revision gleich. Havanna würde damit anerkennen, dass ausgerechnet die einst verstoßenen Landsleute helfen sollen, das Land vor dem Untergang zu bewahren.
Doch der Spielraum ist eng. Auf amerikanischer Seite bleibt das Helms-Burton-Gesetz ein mächtiges Hindernis. Es schreibt seit 1996 vor, dass der US-Präsident das geltende Handels-Embargo erst dann komplett aufheben darf, wenn auf Kuba eine demokratisch gewählte Regierung im Amt ist.
„Was sie angekündigt haben, ist nicht dramatisch genug“
Selbst wenn Kuba sich öffnet, dürfte größeres US-Kapital darum nur fließen, wenn Trump Sanktionen offiziell lockert oder Ausnahmen zulässt und der Kongress dies absegnet. Auf kubanischer Seite wiederum fehlt Investoren bislang fast alles, was sie verlangen: verlässlicher Eigentumsschutz, Rechtssicherheit, unabhängige Gerichte. Solange diese Grundlagen fehlen, dürfte der große Geldstrom aus Miami oder aus US-Konzernen ausbleiben.
Kubas neue Offenheit, heißt es in Trump-Kreisen, wirkte wie ein „kalkuliertes Manöver im Überlebensmodus“. Havanna wolle den Druck aus Washington abfedern und Zeit gewinnen.
Das Signal – Kuba ist zu Reformen bereit, aber nur zu solchen, die Devisen ins Land holen, ohne das politische System grundsätzlich zu gefährden – reicht Marco Rubio nicht aus. „Was sie angekündigt haben, ist nicht dramatisch genug. Das wird das Problem nicht lösen. Sie müssen also einige wichtige Entscheidungen treffen“, sagte er am Montag.
Am Café „Versailles“ in Little Havanna findet das kaum Widerspruch.









