• Am heutigen Sonntag muss sich Dieter Reiter einer Stichwahl stellen
  • Der bisherige Oberbürgermeister konnte bisher nur wenige Stimmen erzielen
  • Seine jüngsten Fehltritte im Überblick

Am heutigen Sonntag (22. März) ist in München Stichwahl: Denn der bisherige Oberbürgermeister Dieter Reiter (67, SPD), der eine dritte Amtszeit anstrebt, blieb mit 35,6 Prozent der Stimmen in der ersten Runde der Wahl deutlich unter den Erwartungen. Sein Herausforderer ist Dominik Krause (35) von den Grünen, der 29,5 Prozent der Stimmen erhielt.

Reiter hatte am 8. März nicht zuletzt deswegen so schlecht abgeschnitten, weil er im Vorfeld der Wahl wegen seines Engagements für den deutschen Fußball-Rekordmeister FC Bayern München eine unglückliche Figur abgegeben hatte. Bereits am Mittwoch (11. März) nach der Wahl hatte Reiter seine Ämter beim FC Bayern niedergelegt. Seine von dem Klub bislang erhaltenen Vergütungen werde er spenden.

„Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner ist mir wichtiger als Mandate und Vergütungen“, erklärte Reiter. Bis dahin hatte er im Verwaltungsbeirat des aktuellen deutschen Fußballmeisters gesessen. Die Vergütung dafür hatte er – anders als vorgeschrieben – nicht dem Stadtrat gemeldet. Außerdem sollte er nun in den Aufsichtsrat des FC Bayern wechseln, was er ebenfalls nicht öffentlich gemacht hatte.

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Dieter Reiter: N-Wort sei ihm spontan über die Lippen gekommen

Reiter erhielt nach eigenen Angaben als Verwaltungsratsmitglied des Klubs seit 2021 insgesamt 90.000 Euro. Die Summe sei „natürlich“ jedes Jahr ordnungsgemäß versteuert worden, betonte er. Das Geld werde er an ein soziales Projekt und einen Verein in München spenden, die für die Förderung von Zusammenhalt, Integration und Demokratie stünden.

Zudem gab es kurz vor dem ersten Wahlgang wegen einer rassistischen Äußerung scharfe Kritik an Reiter. Er hatte bei der Sitzung des Stadtrats am 4. März das N-Wort benutzt. Wortwörtlich sagte Reiter, während er in der Tagesordnung blätterte: „So, wo samma, sagen die N...“ Später entschuldigte er sich in einer Erklärung dafür und nannte seine Äußerung ein Zitat aus einem Stück des verstorbenen Künstlers Fredl Fesl (1947–2024), das ihm spontan über die Lippen gekommen sei. „Es lag mir in keiner Weise daran, Menschen zu verletzen oder abzuwerten.“

Das Netzwerk Rassismusfreies Bayern hatte dennoch in aller Deutlichkeit klargestellt: „Unabhängig von persönlicher Absicht oder Kontext bleibt die Verwendung eines rassistischen Begriffs diskriminierend. Wer einen solchen Begriff verwendet – insbesondere in der Vorbildfunktion eines politischen Vertreters –, kann sich nicht allein durch eine nachträgliche Entschuldigung oder durch den Verweis auf einen vermeintlichen Zitat-Kontext aus der Verantwortung ziehen.“

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Rassistische Äußerung von Reiter: Hinweis auf Stadtratsbeschluss

Die Aktivisten verwiesen auf einen Beschluss des Münchner Stadtrats vom 2. Februar 2022, wonach die Verwendung rassistischer Sprache als Störung des ordnungsgemäßen Sitzungsablaufs im Sinne der Geschäftsordnung zu werten ist und entsprechend Ordnungsmaßnahmen zu prüfen sind. „Solche Beschlüsse dürfen keine symbolischen Erklärungen bleiben. Sie müssen auch dann gelten, wenn politisch Verantwortliche selbst von ihnen betroffen sind“, erklärten sie.

Den Denkzettel des ersten Wahlgangs hat Reiter zur Kenntnis genommen. Schon bei der Niederlegung seiner FC-Bayern-Ämter hatte er gesagt, dass die Münchnerinnen und Münchner ihm „deutlich“ signalisiert hätten, bei seinen Engagements „eine eindeutige und unzweifelhafte Entscheidung“ treffen zu müssen.

Wie sehr die jüngsten Entwicklungen Reiter geschadet haben dürften, deutet dieser Unterschied beim Ergebnis des ersten Wahlgangs an: Denn bei den Briefwählern erreichte er 39,1 Prozent, bei den Wählerinnen und Wählern, die am Wahltag an die Urne gingen, nur 30,8 Prozent.

AFP/dpa/dw