• US-Präsident Donald Trump triumphiert: Ein weiteres Crewmitglied konnte im Iran gerettet werden
  • Berichte geben Einblicke, wie die Mission vonstatten ging
  • An einem Punkt wurde es heikel

Über 24 Stunden musste der Mann um sein Leben bangen: Am Freitag holte die iranische Flugabwehr unter anderem einen F-15E-Kampfjet vom Himmel. Seither harrte ein US-Soldat in unwegsamem Gelände aus. Berichten zufolge setzte die iranische Führung ein Kopfgeld auf seine Ergreifung aus. Er hätte den Mullahs wohl als passendes Druckmittel gegenüber der Trump-Administration gedient.

Doch die Kameraden des Mannes kamen den Kopfgeldjägern zuvor. Am Sonntagmorgen deutscher Zeit gab US-Präsident Donald Trump bekannt, dass der US-Soldat bei „einer der waghalsigsten“ Aktionen der US-Geschichte gerettet werden konnte. „WIR HABEN IHN!“, so der Commander in Chief auf seiner Plattform „Truth Social“. Er schreibt von einem „unserer herausragenden Offiziere“ und „hoch angesehenen Oberst“, der bei dem Einsatz verwundet worden sei – nun aber in Sicherheit sei.

Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe

Iran: So gelang die Suche nach „der Nadel im Heuhaufen“

Doch wie lief die Aktion „tief im Feindesgebiet“ ab? Trump selbst spricht von „amerikanischen Kameraden“, die den Mann gefunden hätten. Dutzende Flugzeuge, „bewaffnet mit den tödlichsten Waffen der Welt“, seien im Einsatz gewesen. Berichte US-amerikanischer Medien zeichnen nun ein detaillierteres Bild der spektakulären Mission.

241135_569_241135_cover.jpg
Iran-Krieg außer Kontrolle: USA, Israel, NATO – Analyse mit Carlo Masala
Im Krisenmodus
 

So berichtet ein US-Beamter gegenüber dem Nachrichtenportal „Axios“ von der „Suche nach der Nadel im Heuhaufen“: Demnach konnte eine spezialisierte Kommandoeinheit den Waffenoffizier aus unwegsamem Gelände retten. Elitesoldaten seien dabei aus der Luft unterstützt worden, was sich sowohl mit den Angaben des Präsidenten als auch mit Berichten aus dem Iran deckt: Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim zitierte in der Nacht einen örtlichen Gouverneur, wonach bei Angriffen, die er den USA und Israel zuschrieb, drei Menschen getötet wurden.

Die Soldaten in feindlichem Gebiet seien einem „heftigen Feuergefecht“ ausgesetzt gewesen, berichten sowohl Axios als auch der arabische Sender Al-Jazeera. Denn auch die iranischen Revolutionsgarden sollen Truppen in die entlegene Region entsandt haben, um den Soldaten ausfindig zu machen. Die Unterstützung der US-Luftwaffe diente wohl dazu, diese aufzuhalten.

Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost

Heikle Situation: Transportflugzeuge stecken fest – und werden gesprengt

Der Waffensystemoffizier sei für Ausnahmesituationen dieser Art geschult, schrieb die Pentagon-Korrespondentin und in Sicherheitsfragen gut vernetzte Journalistin vom Sender Fox News, Jennifer Griffin. Er habe sich – wie der Pilot – nach dem feindlichen Beschuss per Schleudersitz retten können. Besatzungen von US-Kampfjets werden durch ein spezielles „SERE-Training“ (Überleben, Ausweichen, Widerstand und Flucht) auf Situationen wie diese vorbereitet. Axios berichtet, dass der Rettungstrupp den verletzten Soldaten in einer Bergspalte aufstöberte. Griffin schreibt von einem erhöhten Bergrücken, auf dem er sich versteckt hielt.

Alsdann flogen ihn Rettungsflugzeuge zur medizinischen Behandlung nach Kuwait. Nach Trumps Angaben ist er schwer verletzt. Trump äußerte sich optimistisch, dass er wieder vollständig genesen werde. Glimpflich sei der Rückzug allerdings nicht vonstatten gegangen: Zwei Transportflugzeuge hätten im Iran festgesteckt, wird ein US-Militärbeamter von der „New York Times“ zitiert. Drei Ersatzflugzeuge seien eingesetzt worden, um die US-Soldaten zu bergen. Diese hätten die beiden zurückgelassenen Flugzeuge gesprengt, um zu verhindern, dass sie in iranische Hände fielen, hieß es. Unabhängig überprüfen lassen sich die Berichte bislang nicht; offiziell gibt es keine Bestätigung.

Iran-Krieg
Dieses vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellte Bild zeigt Flugzeuge auf dem Flugdeck der USS Abraham Lincoln, die zur Unterstützung des Krieges im Iran eingesetzt werden.© Uncredited/U.S. Central Command/dpa | Uncredited

Auch interessant

Die Rolle der CIA – täuschten sie die Mullahs?

Er war „nie wirklich allein“, gab sich Trump im Anschluss zufrieden. Die US-Militärführung habe seinen Standort in den Bergen „rund um die Uhr“ überwacht. Ein Beamter sagte „Axios“ dazu, dass die CIA dem Pentagon den genauen Standort des Mannes mitgeteilt habe. Als Täuschungsmanöver habe der Geheimdienst zudem das Gerücht verbreitet, dass der vermisste Offizier bereits gefunden wurde.

Nach Angaben des Präsidenten war das nicht die einzige Finte: Neben dem Offizier wurde bereits der Pilot des F-15E-Jets gefunden. Die „erfolgreiche Rettung eines weiteren tapferen Piloten“ konnte nicht bestätigt werden, „um unsere zweite Rettungsaktion nicht zu gefährden.“ Axios zufolge wurde der Mann bereits mehrere Stunden nach dem Abschuss gefunden.

Allerdings erfolgte auch seine Rettung nicht ohne Widerstand: Bei der Attacke auf einen Black-Hawk-Hubschrauber seien mehrere Crew-Mitglieder verletzt worden. Örtlichen Medien zufolge wurden bei der Mission auch fünf Menschen aus dem Iran getötet. Zunächst war unklar, ob es sich um Zivilisten oder iranische Militärangehörige handelte. Berichte über tote US-Soldaten gibt es bislang nicht.

Iranische Staatsmedien veröffentlichten Bilder von verkohlten Trümmerteilen in einem Wüstengebiet, auf den Aufnahmen war Rauch zu sehen.
Iranische Staatsmedien veröffentlichten Bilder von verkohlten Trümmerteilen in einem Wüstengebiet, auf den Aufnahmen war Rauch zu sehen.© AFP | -

Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Iraner in die Luft feuerten und versuchten, US-Hubschrauber abzuschießen, die den an der Rettungsaktion beteiligten Hubschraubern ähnelten, berichtet das „Wall Street Journal“. Das ianische Militär meldet den Abschuss von zwei Hubschraubern vom Typ Black Hawk und einem Militärtransportflugzeug vom Typ C-130. Diese stünden „nun in Flammen“. Die US-Rettungsaktion bezeichnete das iranische Militär als „gescheitert“.

Auch interessant

Trump behauptet erneut: Haben die Lufthoheit im Iran 

Hätte der Iran das Besatzungsmitglied zuerst gefunden, hätte die Führung in Teheran dies nach Einschätzung von Experten als Druckmittel nutzen können. Wäre das Crew-Mitglied in Gefangenschaft geraten und wären Bilder davon veröffentlicht worden, hätte dies zudem die ohnehin schon kritische Haltung der amerikanischen Öffentlichkeit zum Krieg weiter negativ beeinflusst, hatte Laurel Rapp, Direktorin des Nordamerika-Programms der Denkfabrik Chatham House, der BBC gesagt.

Wie bei heiklen Militäroperationen üblich – man erinnere sich an Barack Obama bei der Eliminierung von Osama bin Laden in Pakistan – verfolgte Trump den Einsatz im Situation Room. Das bestätigte ein Sprecher des Weißen Hauses. Trump wich in solchen Fällen bereits des Öfteren vom Protokoll ab und verwandelte sein Privatanwesen in Mar-a-Lago in eine Einsatzzentrale. So geschehen etwa bei der Kurz-Invasion in Venezuela.

Ungeklärt ist derzeit noch, wie und mit welcher Waffe die iranischen Streitkräfte den Kampfjet abschießen konnten. Die US-Regierung und besonders Trump hatten in den vergangenen Wochen immer wieder suggeriert, dass US-Flugzeuge im iranischen Luftraum keine Angriffe mehr fürchten müssten. Die USA hätten die Lufthoheit erlangt. „Trump sagte, der Iran sei ‚vernichtet‘ worden. Dann wurde ein amerikanischer Kampfjet vom Typ F-15E abgeschossen“, schrieb der US-Fernsehsender NBC. 

Auch wo die Trümmer des Jets verblieben sind, wo die Rettung genau erfolgte und wie stark US-Flugzeuge und Hubschrauber bei der Operation tatsächlich beschädigt wurden, ist derzeit nicht bekannt. Offen ist, inwiefern sich der Abschuss und die Rettungsaktionen auf das weitere Kriegsgeschehen auswirken werden.

mit Material von dpa und AFP