- Wolfgang Kubicki ist seit 1971 Mitglied der FDP
- Nun will er ganz an die Spitze und Parteivorsitzender werden
- Infos über sein Privatleben, seine bisherigen Ämter sowie sein Verhältnis zu Christian Lindner
Er will die FDP aus dem Umfrageloch und wieder in die deutschen Parlamente bringen: Wolfgang Kubicki hat überraschend verkündet, für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen. Was ist über den Polit-Senior bekannt? Welche Positionen vertritt er – und wie steht er zu Christian Lindner? Der Überblick im Steckbrief.
Wolfgang Kubicki: Die wichtigsten Infos zum Politiker im Steckbrief
| Name | Wolfgang Joachim Kubicki |
| Geburtsdatum | 3. März 1952 |
| Amt | ehem. Bundestagsvizepräsident |
| Partei | Freie Demokratische Partei (FDP) |
| Parteimitglied seit | 1971 |
| Familienstand | Verheiratet, zwei Töchter |
| Wohnort | Strande, Nebenwohnung in Santa Ponça (Mallorca) |
Wolfgang Kubicki: Ausbildung, Frau, Bücher – das Wichtigste zu seinem Privatleben
Wolfgang Joachim Kubicki wurde am 3. März 1952 als jüngstes von drei Kindern in Braunschweig geboren, wo er auch aufwuchs. Seine Mutter war Verkäuferin, sein Vater, im Zweiten Weltkrieg Flieger, arbeitete später bei einem metallverarbeitenden Unternehmen. 1970 schloss er die Schule mit dem Abitur ab. Weitere wichtige Infos zu Kubickis Privatleben:
- Ausbildung: Kubicki studierte nach dem Abitur bis 1975 Volkswirtschaftslehre in Kiel. Ein berühmter Kommilitone soll SPD-Politiker Peer Steinbrück gewesen sein. Anschließend folgte für Kubicki ein Jurastudium. Er legte 1982 und 1985 die juristischen Staatsexamina ab.
- Familie: Der Politiker ist seit 1997 in dritter Ehe mit Annette Marberth-Kubicki verheiratet. Sie ist als Fachanwältin für Strafrecht tätig und selbst FDP-Mitglied. Als die beiden sich kennenlernten, war Kubicki noch in zweiter Ehe verheiratet. Seine beiden Zwillingstöchter waren zu dem Zeitpunkt noch klein. Nach einer Affäre kamen die beiden offiziell zusammen. Der Heiratsantrag von Kubicki an seine Annette wäre beinahe schiefgegangen, erklärte er 2020 in der Sendung „3 nach 9“: Marberth-Kubicki war mit dem gemeinsamen Hund spazieren. Auf der üblichen Route hatte Kubicki mehrere Plakate mit dem Schriftzug „Engel, Liebe meines Lebens, willst du meine Frau werden?“ angebracht. Doch Marberth-Kubicki kehrte nach Hause zurück und zeigte zunächst keine Reaktion. Sie hatte die Plakate übersehen. Kubickis Töchter sind ebenfalls Juristinnen.
- Beruf: Wolfgang Kubicki arbeitete während seines Studiums in einer Unternehmensberatung sowie in einem Steuerberatungsbüro. Außerdem soll er in den 1980er-Jahren neben seinem Studium eine Bar betrieben haben. Zwischen 1981 und 1983 war er wissenschaftlicher Assistent der FDP-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein. Nach seinem zweiten juristischen Staatsexamen arbeitete Kubicki als Strafverteidiger. Auch als Bundestagsabgeordneter erzielte er regelmäßig Nebeneinkünfte als Anwalt.
Auch interessant
Wolfgang Kubicki: Eintritt in die FDP und politische Ämter
Mit gerade einmal 19 Jahren trat Kubicki während des Studiums der FDP bei und engagierte sich zunächst in der Hochschulgruppe. Zwischen 1976 und 1988 war er Mitglied des FDP-Landesvorstands, zuletzt stellvertretender Landesvorsitzender. Von 1987 bis 1989 war er außerdem Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Rendsburg-Eckernförde. Von 1989 bis 1993 war Kubicki FDP-Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein und FDP-Bundesvorstandsmitglied. 1997 war er bis 2013 erneut Mitglied des Bundesvorstands. Seit Dezember 2013 ist der heute 74-Jährige stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP.
Kubicki saß zwischen 1992 und 2017 im Landtag von Schleswig-Holstein. Mit einer kurzen Unterbrechung war er fast durchgehend Vorsitzender der FDP-Fraktion. Er wurde für insgesamt sechs Landtagswahlen Spitzenkandidat seiner Partei. Von 1990 bis 1992 sowie zwischen 2017 und 2025 zog der Liberale als Abgeordneter in den Bundestag. Zuletzt war er bis 2025 Bundestagsvizepräsident.

Wolfgang Kubicki: Für welche Themen setzt sich der Politiker ein?
Kubicki gilt als wirtschaftsfreundlicher Rechtsliberaler. Er setzt sich für weniger Staat, niedrigere Steuern, Bürokratieabbau und die Schuldenbremse ein. Pauschale Verbote wie ein generelles Tempolimit lehnt er ab. In der Energiepolitik setzt er auf Technologieoffenheit.
Während der Corona-Pandemie positionierte er sich als Gegner einer allgemeinen Impfpflicht, warnte vor unverhältnismäßigen Freiheitseinschränkungen und kritisierte das Management der damaligen Bundesregierung. Er unterstützte die kontrollierte Cannabislegalisierung. In der Migration äußerte er sich kritisch über das „Wir schaffen das“ von Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Kubicki stimmte für das Fachkräfteeinwanderungsgesetz 2023, verbunden mit konsequenteren Rückführungen bei fehlendem Aufenthaltsrecht. Im Januar 2025 unterstützte er das umstrittene Zustrombegrenzungsgesetz.
Der Politiker hat mehrere Bücher geschrieben. Anfang 2026 erschien das Buch „Aufwind im freien Fall – eine liberale Kampfansage“. Darin kritisiert er unter anderem die Ampel-Regierung sowie sogenannte Identitätspolitik. Im Jahr 2020 erschien sein Buch „Meinungs(un)freiheit“. Darin vertritt er die These, dass viele Bürgerinnen und Bürger zunehmend Angst hätten, ihr Grundrecht auf freie Meinungsäußerung auszuüben. Diskussionen, so Kubicki, würden nicht mehr argumentativ geführt, sondern auf Basis von Moral.
Auch interessant
Wolfgang Kubicki: Politische Erfolge und Kontroversen
Als sein größter politischer Erfolg gilt die Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2012, bei der die FDP unter Kubickis Führung einen deutlichen Stimmenzuwachs erzielte, der als „Kubicki-Effekt“ bezeichnet wurde. Zu dieser Zeit steckte die Bundes-FDP im Umfragetief. In Schleswig-Holstein holte die FDP im Landtag jedoch 8,2 Prozent der Stimmen.
- Kontrovers betrachtet wird unter anderem Kubickis Umgang mit Frauen. 2010 erzählte er in der „Zeit“ in einem Interview, die ehemalige Europa-Abgeordnete Silvana Koch-Mehrin (FDP) „angebaggert“ zu haben. Kubicki bezeichnete sich in einem „Spiegel“-Interview später selbst als „Macho“. Außerdem sagte er in Interviews, er flirte gern. Kubicki zeigt sich immer wieder äußerst kritisch gegenüber modernen, identitätspolitischen Feminismusströmungen.
- Kubicki stand mit seiner Alwareis GmbH („Alles, was recht ist“) in der Kritik. In Berichten des „Spiegel“ war von Geldflüssen aus dem Steuerparadies Liechtenstein im Umfeld der Prozesse des früheren Mobilcom-Vorstands Gerhard Schmid die Rede. Mittendrin stand Kubickis GmbH, für die er offiziell als alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer gelistet war. Die Firma häufte Schulden im Millionenbereich an. Kubicki betonte im „Spiegel“, der alleinige Zweck der GmbH sei die „Finanzierung von Rechtsstreitigkeiten im weiteren Zusammenhang um die Privatinsolvenz von Gerhard Schmid“ gewesen. Die Mittel dafür seien nicht von ihm aufgebracht und ordnungsgemäß abgerechnet worden. 2017 wurde die vermögenslose GmbH endgültig gelöscht.
- Mehrfach hat Kubicki umstrittene Mandate angenommen. Etwa 2012, als er den Steueranwalt Hanno Berger vertrat, der in Cum-Ex-Geschäfte verwickelt war. Berger wurde wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Auch 2021 sorgte Kubicki für Aufsehen, indem er den umstrittenen Mediziner Winfried Stöcker anwaltlich vertrat. Stöcker ist bereits zuvor durch fremdenfeindliche Äußerungen und eine Großspende an die AfD negativ in Erscheinung getreten.
- Kubicki steht der Glücksspiellobby nahe.
Auch interessant
Wolfgang Kubicki und seine Beziehung zu Christian Lindner
Sein Verhältnis zum ehemaligen FDP-Parteichef Christian Lindner bewegte sich nach eigenen Aussagen immer auf einer professionellen Ebene. Kubicki betonte mehrfach, dass Freundschaften unter Politikern derselben Partei kaum möglich seien. Mit Lindner bildete Kubicki allerdings jahrelang ein funktionales Duo: Lindner als Stratege und Kubicki als unbequemer „Grandseigneur“, der intern wie in der Öffentlichkeit auch mal scharfe Worte wählte.
Als Lindner die Sondierungen für eine Jamaika-Koalition 2017 platzen ließ, soll sich ein Riss durch die Beziehung gezogen haben. Auch im Umgang mit Russland lagen sich die beiden Politiker in den Haaren. Lindner soll 2026 jedoch den Ausschlag für Kubickis Kandidatur um den Parteivorsitz gegeben haben, sagte Kubicki dem „Tagesspiegel“: „Er meinte, wenn ich es nicht mache, dann ist die Partei am Ende.“






