Nach der erklärten Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran spielt sich im Südpazifik ein ungewöhnliches Rennen gegen die Zeit ab. Auf der einen Seite Neuseeland, das mit diplomatischem Fingerspitzengefühl versucht, amerikanische Treibstofftanker in den Pazifik zu lotsen. Auf der anderen Seite Australien, das seine Rohstoffmacht als Verhandlungsmasse einsetzt und diese Woche mit Singapur über gegenseitige Energiegarantien verhandelt.

Beide wissen: Die zweiwöchige Waffenruhe, die Pakistan zwischen Washington und Teheran vermittelt hat, ist kein Ende der Krise. Sie ist eine Atempause – und die wollen beide Länder nutzen.

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Neuseelands Außenminister zu Marco Rubio: „Schickt Tanker, bevor es zu spät ist“

Winston Peters, Neuseelands Außenminister, ist kein Mann der leisen Töne. Aber als er diese Woche Marco Rubio im State Department gegenübersaß, war seine Botschaft ungewöhnlich direkt: Schickt Tanker. Jetzt. Noch bevor es zu spät ist. „Wartet nicht, bis es passiert – macht euch bereit, nur für den Fall“, berichtete Peters dem Sender RNZ über seine Worte an die US-Seite. Er habe dafür gesorgt, dass die USA die „erheblichen wirtschaftlichen Auswirkungen auf Neuseeland und den Pazifik“ verstehen. Nicht nur die eigene Wirtschaft habe er dabei im Blick gehabt, sondern die kleinen Inselstaaten des Pazifiks – Samoa, Tonga, die Cook-Inseln – die kein eigenes Öl besitzen, keine Reserven, keine Alternativen.

Seit dem 28. Februar ist die Straße von Hormus blockiert. Seitdem stockte etwa ein Fünftel des weltweiten Rohöltransports. Es ist das Szenario, das Europa seit dem russischen Angriff auf die Ukraine kennt: ein einziger Flaschenhals, der plötzlich alles verändert. Raffinerien in Japan, Südkorea, Malaysia und Singapur – jene Länder also, die den Großteil des Treibstoffs für Australien und Neuseeland produzieren – griffen seitdem zusehends auf ihre Reserven zurück.

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Pazifikinseln besitzen keine Reserven

Für die Pazifikinseln, die keine haben, wird dies zur existenziellen Bedrohung. Der samoanische Premierminister bat Wellington bereits im März um Hilfe. Tonga und Neuseeland tauschen Geheimdienstinformationen über mögliche Versorgungsengpässe aus. Peters gab diese Sorgen im Gespräch mit Rubio nun an Washington weiter. Dort war die Reaktion nach seiner Aussage „sehr positiv“. Was das konkret bedeutet, bleibt offen. Tanker wurden noch keine bestellt. Aber das Zeitfenster steht.

Während Peters in Washington um Solidarität warb, setzt Australien auf eine härtere Währung: wirtschaftliche Abhängigkeit. Premierminister Anthony Albanese fliegt diese Woche nach Singapur – offiziell für Gespräche über bilaterale Beziehungen, inoffiziell für etwas Dringlicheres.

Singapur: Wer australisches Gas braucht, wird australische Ölnachfrage bevorzugt bedienen

Australien ist einer der weltgrößten Flüssiggas-Exporteure. Japan und Singapur, zwei der wichtigsten Treibstofflieferanten Australiens, beziehen rund 40 Prozent ihres Gases aus Feldern in Westaustralien und Queensland. Das ist ein handfester Hebel – die unausgesprochene Logik der Gespräche in Singapur lautet: Wer australisches Gas braucht, wird australische Ölnachfrage bevorzugt bedienen.

Canberra hat unterdessen die Treibstoffsteuer halbiert und ein staatliches Bürgschaftsprogramm aufgelegt, das private Unternehmen beim Import teurer Treibstofflieferungen absichert. Energieminister Chris Bowen erklärte, die Versorgung sei „weit in den Mai hinein“ gesichert. Während Schwellenländer wie Thailand und Vietnam bereits Homeoffice-Pflichten zur Treibstoffeinsparung einführen, positioniert sich Canberra als zahlungskräftigster Abnehmer für die verbleibenden 80 Prozent der weltweiten Ölproduktion. Vorerst.

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Setzt Australien auf die richtige Strategie?

Doch auch Australiens Strategie hat einen Horizont. Wenn die Straße von Hormus nach der Waffenruhe wieder gesperrt wird – und nichts garantiert, dass sie es nicht wird –, werden die globalen Ölmengen knapper. Irgendwann hilft auch die größte Kaufkraft nicht mehr, wenn schlicht nicht genug Öl auf dem Markt ist.

Das zweiwöchige Fenster läuft. Der Iran hat über Pakistan einen Zehn-Punkte-Friedensplan vorgelegt und zugesagt, die Straße vorerst für die Schifffahrt freizugeben, Trump hat die Bombardierungen ausgesetzt. Aber weder Washington noch Teheran haben bislang signalisiert, dass eine dauerhafte Lösung in Sicht ist. Für Neuseeland und Australien bedeutet das: Die nächsten zwei Wochen sind kostbar. Tanker müssen bestellt, Verträge geschlossen, Reserven aufgebaut werden. Was danach kommt, ist ungewiss.