Auf den Straßen Beiruts herrscht Chaos. Menschen versuchen, die Metropole so schnell wie möglich zu verlassen. Der Grund ist ein israelischer Großangriff auf die libanesische Hauptstadt. Ein Verstoß gegen die Waffenruhe im Iran-Krieg soll der Angriff nicht sein. Das betonen Israel – und auch US-Präsident Donald Trump. Er meldete sich in einem Interview mit dem Sender PBS, dass Fragen in Bezug auf den Libanon „später geregelt“ werden sollen.

Die israelische Armee berichtet derweil vom „größten koordinierten Angriff“ seit dem Wiederaufflammen des Konflikts mit der Hisbollah Anfang März. Dabei wurden laut libanesischen Angaben mindestens 182 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt. Außerdem sollen noch Menschen unter Trümmern beschädigter oder eingestürzter Gebäude verschüttet sein. Auch ein Krankenhaus in Beirut meldete am Nachmittag, es behandle eine große Zahl an Opfern. Ein Reporter der dpa berichtet von Chaos in den Kliniken der Stadt.

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Israel spricht von Angriffen auf mehr als 100 Ziele

Israels Armee will mit dem Angriff mehr als 100 Kommandozentralen und Militärstützpunkte der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz ins Visier genommen haben. An dem Angriff seien rund 50 israelische Kampfjets beteiligt gewesen. Verteidigungsminister Israel Katz sprach von einem „Überraschungsangriff“, der Hunderte Hisbollah-Mitglieder getroffen habe. Aus libanesischen Sicherheitskreisen heißt es, es habe mehr als 150 Angriffe gegeben, viele in Beirut.

Das Gesundheitsministerium des Libanons rief die Bürger im Land angesichts von massiven Staus dazu auf, Wege für Rettungswagen freizumachen. Das libanesische Rote Kreuz teilte mit, mehr als 100 Rettungswagen seien auf den Straßen unterwegs, um Verletzte in Krankenhäuser zu bringen. Die Bevölkerung ist dazu aufgerufen, Blut zu spenden.

Iran-Krieg - Libanon
Rettungskräfte sind am Ort eines israelischen Luftangriffs im Zentrum von Beirut im Einsatz. © Hussein Malla/AP/dpa | Hussein Malla

Libanon wirft Israel Attacken auf Wohngebiete vor

Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam erklärte, Israels Angriffe hätten dicht besiedelte Wohngebiete getroffen und in mehreren Gebieten, insbesondere in Beirut, unbewaffnete Zivilisten getötet. Israels Armee betont, ein Großteil der angegriffenen Hisbollah-Infrastruktur habe sich inmitten ziviler Wohngebiete befunden. Die Armee habe vor den Angriffen Schritte unternommen, um Unbeteiligte zu schonen. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

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Der israelische Verteidigungsminister Katz sagte in einer von seinem Büro verbreiteten Videobotschaft, es habe sich um den „schwersten konzentrierten Schlag“ gegen die Hisbollah seit September 2024 gehandelt. Damals waren zeitgleich Tausende tragbare Funkempfänger und Walkie-Talkies im Libanon explodiert, Dutzende Menschen wurden getötet und Tausende verletzt. Überwiegend handelte es sich um Mitglieder der Hisbollah-Miliz, aber es kamen auch Zivilisten zu Schaden.

nfz/dpa