US-Präsident Donald Trump soll es die Sprache verschlagen haben, als First Lady Melania am Donnerstagnachmittag ohne Vorankündigung zum Podium schritt und vor die Kameras trat. Sichtlich irritiert sprach die Gattin des Präsidentin fünfeinhalb Minuten lang über ein Thema, von dem ihr Mann nichts mehr wissen will: Den verstorbenen Sexualverbrecher Jeffrey Epstein. Melania tat zwar ihr Bestes, um Spekulationen über die Freundschaft der Trumps mit Epstein herunterzuspielen. Doch sie erreichte genau das Gegenteil.

Die Bilder waren an Skurrilität kaum zu überbieten. Mit bierernster Miene schritt sie zum selben Podium, auf dem Präsidenten stehen, wenn sie historische Ereignisse verkünden. So etwa Barack Obama, als er im Mai 2011 die Welt wissen ließ, dass Truppen der Eliteeinheit Navy Seals in Abbottabad, Pakistan Osama bin Laden, den Drahtzieher hinter den Terroranschlägen von 9-11 aus dem Verkehr gezogen hatten. Nach ihrem Gesichtsausdruck zu urteilen hätte man glauben können, dass auch Melania weltbwegende Informationen hatte, die unbedingt an die Öffentlichkeit mussten.

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Kritik an „bösartiger Verleumdung“ 

Im grauen Anzug gekleidet und mit staatsmännischen Timbre in ihrer Stimme legt sie dann los: „Die Lügen, die mich mit dem verwerflichen Jeffrey Epstein verbinden, müssen heute enden“, sagte sie. Sie geißelte „die Bösartigkeit“, mit der einige Menschen versuchen würden, sie zu diffamieren. Weder habe sie eine Beziehung zu dem Kinderschänder gehabt, noch sei sie „eines seiner Opfer gewesen“. Zahlreiche Fotos, auf denen die Trumps mit Epstein sowie dessen hinter Gitter sitzende Komplizin Ghislaine Maxwell auf Parties zu sehen sind, würden ebenso wenig bedeuten wie eine E-Mail an Maxwell. Der Brief aus dem Jahr 2002, der unbestreitbar aus ihrer Feder stammte, schloss mit den Worten: „Love, Melania“. Auch forderte die First Lady Kongressanhörungen für Epsteins Opfer. Dagegen hatten sich der Präsident und seine frühere Justizministerin Pam Bondi energisch gestemmt.  

In Washington löste der Auftritt verblüfftes Stirnrunzeln aus. Selbst rechtsgerichtete Medienorganisationen, die oft wie eine PR-Abteilung des Weißen Hauses wirken, waren ratlos. Eine Reporterin des Trump-freundlichen Fernsehnetworks Fox News sagte, dass „ich jeden regierungsnahen Menschen kontaktiert habe, dessen Nummer ich habe, und niemand hat das kommen sehen“. Marc Beckman, einer der Sprecher der First Lady, begründete den Auftritt damit, dass „sie einfach die Nase voll hat“. Vielmehr sei es höchste Zeit, „dass die Medien und die Öffentlichkeit ihre Aufmerksamkeit auf ihre unglaublichen Leistungen als First Lady, die Leben, die sie positiv beeinflusst hat und ihre Verdienste an der Nation lenken“.

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Epstein-Akte kehrt in die Schlagzeilen zurück

 Anders wird die Lage aber im Oval Office des Regierungssitzes gesehen. Von dort aus soll der Präsident von dem Statement erfahren und dies dann live auf dem Bildschirm verfolgt haben. Besonders irritiert war er offenbar über das Timing. Schließlich hatte er gerade zwei Tage zuvor eine Waffenruhe im Iran verkündet. Zudem äußern politische Experten seit Kriegsbeginn die Vermutung, dass die bisher schlecht begründeten Angriffe den ursprünglichen Zweck hatten, die „Epstein Akte“ und Trumps Freundschaft zu dem Verbrecher aus den Schlagzeilen zu verdrängen. Nun aber ist „Trump-Epstein“ wieder in aller Munde.