Es ist einfach passiert. Ein Buckelwal verirrt sich im seichten Ostsee-Gewässer und strandet auf einer Sandbank. Es ist ein Koloss von einem Tier, das schnauft, Fontänen spritzt, ächzt und stöhnt. Unbeweglich, laut und tragisch. Sein Leiden hallt seit Wochen über den Strand weit hinaus. Experten tauchen um das Tier herum, streicheln seine Haut. Reporter weinen, Menschen, die zuschauen, drehen mit ihren Emotionen durch.

So geht es seit Wochen. Inzwischen ist längst klar: Timmy, wie der Wal genannt wird, hängt vor der Insel Poel fest. Selbst wenn er noch mal freigeschaufelt wird, ist er viel zu schwach, um ins rettende offene Meer zu gelangen. Er liegt im Sterben.

Birgitta Stauber
Birgitta Stauber, Textchefin der Zentralredaktion © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Sogar Bundespräsident Steinmeier mischt sich ein

Doch statt ihn einfach in Ruhe zu lassen, bespritzen ihn Helfer mit Wasser, versuchen Neugierige, die Absperrungen zu überwinden, um ihn aus der Nähe zu betrachten. Aktivisten und Prominente wie Sängerin Sarah Connor mischen sich ein, auf jede Wasserfontäne, die Timmy immer noch ausstößt, folgt eine Eilmeldung. Sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich bei den Behörden erkundigt, wie es nun weitergeht.  

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Und nun soll es einen weiteren Rettungsversuch mit einem Luftkissen geben. Dabei sagt der gesunde Menschenverstand und auch der Blick in die Geschichte der Ostsee: Ein gewisser Pragmatismus ist angebracht. Denn dass Wale sich verirren, stranden und sterben, kommt vor. Ein weiterer Wal ist schließlich bereits in Sichtweite. Wir können nur noch eines für ihn tun – ihn allein lassen bis zu seiner letzten Fontäne. Beim Sterben braucht er uns aufgeregte Menschen nicht.

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Zu diesem Pragmatismus gehört auch, sich Gedanken um die Entsorgung des Körpers zu machen. Dass sein Körper zu Biodiesel verwertet wird und sein Skelett womöglich in der Universität Rostock seine letzte Ruhe findet, ist jedenfalls eine beruhigende Vorstellung.