Eine zweite Runde der Iran-Gespräche ab Mittwoch in Islamabad ist vom Tisch. Teheran will nicht verhandeln, solange die US-Seeblockade anhält. In Washington hat Vizepräsident JD Vance die geplante Reise am Dienstagnachmittag vorläufig abgesagt. Trotzdem: Trump muss bald entscheiden. Der Ölpreis bleibt nervös. Und der Präsident hat die Messlatte selbst hochgelegt. Ein neues Abkommen, schrieb er, werde „weit besser als das JCPOA“ sein, also besser als Obamas Atomdeal von 2015, den Trump seit der Aufkündigung 2018 als so ziemlich das schlimmste Vertragswerk der Welt verteufelt hat. Ob ein Abkommen überhaupt kommt, ist im Moment fraglich.
Für das Weiße Haus bleiben im Kern fünf Optionen. Keine ist sauber. Keine ist billig. Und fast alle kollidieren mit Trumps innenpolitischem Problem: Der Krieg hat Benzin massiv verteuert, seine Zustimmungswerte noch weiter gedrückt und selbst unter Republikanern Zweifel an seinem Kurs und Temperament verstärkt. In einer neuen Reuters/Ipsos-Umfrage billigen nur noch 36 Prozent seine Amtsführung. Nur 26 Prozent sagen, der Iran-Einsatz sei den Preis wert. Der Überblick.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Trump-Option 1: Hart bleiben
Das wäre die Trump-Variante im Rohzustand. Null Uran-Anreicherung im Iran für sehr lange Zeit, Abtransport des bereits angereicherten Urans, freie Schiffs-Passage durch die Straße von Hormus. Washington hat einen 20-jährigen Stopp aller iranischen Nuklearaktivitäten vorgeschlagen; Teheran bot demnach erst nur fünf Jahre an, heute ist die Rede von 15 Jahren. Dazu kommt die amerikanische Forderung, angereichertes Material aus Iran herauszuschaffen. Trump sagt, die USA würden es „in aller Ruhe“ mit schwerem Gerät bergen und in die Vereinigten Staaten bringen. Für die Amerikaner hätte diese Linie einen Vorteil: Sie sähe nach Sieg aus. Der Preis ist offenkundig. Wenn Iran nicht nachgibt, ist die Rückkehr zum Krieg fast eingebaut.
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Trump-Option 2: Zeit kaufen
Das gilt in Washington derzeit als die realistischste Option. Kein Endabkommen, sondern ein dünnes Papier. Ein Memorandum. Vielleicht eine gemeinsame Absichtserklärung. US-Medien berichten, beide Seiten hätten ihre Ambitionen bereits heruntergeschraubt und zielten eher auf ein provisorisches Rahmenwerk, um eine Rückkehr zum Krieg zu verhindern. Aus Sicht des Weißen Hauses wäre das kein Ruhmesblatt, aber ein politischer Aufschub. Trump könnte sagen, der Prozess laufe, die Waffen schwiegen, die Märkte atmeten auf. Genau das braucht er, weil Hormus und Benzin in den USA inzwischen wahlpolitische Kategorien sind. Der Haken: Ein Gerüst ohne technische Details ist noch kein Deal. Eine frühere EU-Chefunterhändlerin fragte trocken, ob irgendjemand ernsthaft glaube, man könne so etwas „in 21 Stunden“ erledigen.
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Trump-Option 3: Ein begrenzter Kompromiss
Hier liegt die eigentliche Zone der Möglichkeit. US-Medien wie „Axios“, „Wall Street Journal“ und „New York Times“ berichten über Modelle, bei denen Iran auf höher angereichertes Uran verzichten und 60-Prozent-Bestände unter Aufsicht herunterverdünnen würde; denkbar sei auch eine Mischlösung mit befristeter Auslagerung eines Teils des Materials. Das wäre aus amerikanischer Sicht der Punkt, an dem Trump tatsächlich etwas zugestehen müsste: keine vollständige Kapitulation Teherans, sondern eine kontrollierte Schrumpfung des Atomprogramms. Iran könnte im Gegenzug auf seinem Recht auf zivile Anreicherung bestehen. Genau dort verläuft aber die neuralgische Linie. Trump fordert öffentlich Null-Anreicherung; Teheran sagt, ohne ein anerkanntes Recht auf Anreicherung gebe es keinen Deal. Der iranische Unterhändler Ghalibaf warf Trump bereits vor, er wolle den „Verhandlungstisch in einen Tisch der Unterwerfung verwandeln“.
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Trump-Option 4: Den Krieg wieder aufnehmen
Diese Option ist militärisch klar, politisch aber riskanter, als Trump lange tat. Ja, der Iran ist geschwächt. Ja, die amerikanisch-israelischen Schläge haben Infrastruktur und Militär getroffen. Aber: Es gibt nach US-Geheimdienst-Angaben nach wie vor Tausende Drohnen und ausreichend Raketen, um die Region und in ihr amerikanische Ziele zu treffen.
Teherans Hebel liegt außerdem längst woanders: in Hormus. US-Geheimdienstberichte hatten schon vor Wochen gewarnt, Iran werde die Meerenge kaum freigeben, weil sie sein wirksamstes Druckmittel gegen Washington sei. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels hängt an dieser Route. Jeder weitere Schuss dort wird in Amerika an der Zapfsäule gemessen. Dazu kommt: Der Krieg zieht an Munitionsbeständen. Die „New York Times“ berichtete bereits über verzögerte Waffenlieferungen an europäische Partner, weil der Iran-Krieg amerikanische Bestände anspannt. Ein längerer Krieg würde also nicht nur die Region, sondern auch Trumps „America First“-Versprechen beschädigen.

Trump-Option 5: Den Erfolg erklären und aussteigen
Das ist die unwahrscheinlichste, aber nicht unmögliche Trump-Option. Sie entspricht seinem politischen Instinkt: Sieg behaupten, Kosten abwerfen, weiterziehen. Insider haben mehrfach beschrieben, wie Trumps Maximalrhetorik an Grenzen stieß und wie Kritiker ihm bereits „Trump always chickens out“, kurz: TACO, nachrufen; zu Deutsch: Trump zieht immer den Schwanz ein. Ein abrupter Rückzug hätte für das Weiße Haus einen kurzfristigen Nutzen: weniger Risiko, weniger Marktstress, weniger Bilder eines offenen Krieges. Für die USA wäre es strategisch die schlechteste Lösung. Iran bliebe angeschlagen, aber handlungsfähig; Hormus bliebe als Erpressungsinstrument erhalten; das Know-how für ein neues Atomprogramm wäre nicht verschwunden. Das wäre nicht Frieden. Das wäre Vertagung unter schlechteren Vorzeichen.
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Was bleibt jetzt?
Aus Washingtoner Sicht weder der große Sieg noch der saubere Frieden. Am ehesten ein Rahmenabkommen mit Fristverlängerung, dazu ein technischer Streit, der später wiederkehrt. Trumps Problem ist, dass er etwas „weit besser“ als Obama versprochen hat, obwohl Obamas Abkommen zwei Jahre Verhandlung und rund 200 Spezialisten brauchte. Genau das ist der Punkt. Trump kann auf Zeit spielen, er kann bluffen, er kann erneut bomben. Aber er kann die Physik des Uranprogramms und die Politik des Ölpreises nicht wegposten.









