Die Szene ist klein, aber sie erzählt das ganze Dilemma. Donald Trump hat am Samstagmittag seine Allzweck-Verhandler Steve Witkoff und Jared Kushner zurückgepfiffen, noch bevor sie in Islamabad hätten erklären können, was Washington eigentlich will nach acht Wochen Krieg mit dem Iran.
Die kurzfristige Stornierung der Reise war logisch. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi war bereits wieder abgereist aus der pakistanischen Hauptstadt – mit der klaren Botschaft, dass es keine direkten Gespräche mit Washington geben wird, solange die USA ihre Seeblockade am Persischen Golf nicht abbrechen.
- Teil 1: „Niemand stellt sich den echten Krieg vor – bis zur ersten Bombe“
- Teil 2: „Im Moment kann ich nur träumen von den Tagen ohne Angst“
- Teil 3: „Es wirkt, als sei die ganze Stadt in Schwarz gehüllt“
- Teil 4: „Ich denke an den Alltag und die kleinen Schönheiten“
- Teil 5: „Hier stirbt man nicht nur durch den Einschlag einer Granate“
Iran: Noch nie ist Trump so gedemütigt worden
Da hilft keine Beschönigung: Trump ist in zwei Monaten Krieg noch nie so gedemütigt worden. Teheran diktiert die Bedingungen. Aus Diplomatie wird plötzlich ein Standbild: Die Amerikaner stehen bereit, aber niemand öffnet die Tür. Dabei hatte Trump wie so oft wahrheitswidrig geprahlt, dass Teheran geradezu um eine neue Verhandlungsrunde gebettelt habe.

Das ist der symbolische Tiefpunkt einer von Beginn an strategielosen Kriegsführung. Trump hat gedroht, bombardiert, eine Blockade verhängt, einen Waffenstillstand mehrfach verlängert, Fristen gesetzt und wieder gerissen und zwischendurch immer wieder behauptet, der Iran werde vollständig kapitulieren und alle amerikanischen Forderungen erfüllen. Die Lüge des Jahres.
Iran ist militärisch stark beschädigt, aber machtpolitisch alles andere als gebrochen. Die von den Revolutionsgarden getriebene Führung gibt sich stur, stolz, gedemütigt nur in westlichen Wunschbildern.
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Iran-Verhandlungen geplatzt: Warum das für Trump gefährlich ist
Für Donald Trump ist das gefährlich, weil er den Krieg unbedingt schnell beenden will. Er braucht lieber heute als morgen sinkende Energiepreise und die freie Seeschifffahrt in der Straße von Hormus, um die immer lauter werdenden Zweifel im republikanischen Lager zu dämpfen. Eine neue militärische Angriffswelle würde zwar Härte zeigen, aber nicht das Grundproblem lösen: Iran kann jederzeit antworten, gegen Tanker in der Meerenge, gegen Unterseekabel, gegen amerikanische Ziele und Nachbar-Länder.

Wie kommt der US-Präsident da wieder heraus? Am wahrscheinlichsten ist kein großer Schlag, sondern ein schmutziger Handel. Vermutung: Trump wird die US-Blockade nicht offiziell sofort aufgeben, aber sie de facto schrittweise abschwächen: humanitäre Ausnahmen, einzelne Schiffskorridore, befristete Genehmigungen, vielleicht ein pakistanisch oder omanisch vermitteltes Moratorium. Er wird es natürlich nicht Konzession nennen. Er wird sagen, der Iran bewege sich. Tatsächlich wird er teuer bezahlen müssen, um die Diplomatie überhaupt wieder in Gang zu bringen.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Islamabad wirkt nicht wie eine verpasste Reise, sondern wie die Quittung: Wer Verhandlungen als Bühne für fortgesetzte Demütigung missversteht, darf sich nicht wundern, wenn sich die andere Seite am Ende verweigert. Trump hat an diesem Samstag unmissverständlich erfahren, dass der Iran nicht zurückweichen wird und Amerika nicht mehr wie früher die Bedingungen diktieren kann. Die Supermacht wurde gerade öffentlich bloßgestellt. „epic failure“, epischer Reinfall, statt „epic fury“.








