Zwei junge Männer stehen in Wien vor Gericht, weil sie Anschläge auf Konzerte von Taylor Swift mit insgesamt rund 200.000 Besuchern geplant haben sollen. Im Verfahren geht es auch um einen Messerangriff in Mekka.

Anfang August 2024 war Wien im Ausnahmezustand: Fans aus aller Welt waren zu den drei geplanten Shows im Praterstadion angereist. Dann folgten Razzien – und die Absage aller Konzerte wegen Terrorgefahr. Ermittler gingen von einer Zelle aus dem Umfeld der Terrormiliz „Islamischer Staat“ aus. Nach einem Hinweis eines US-Geheimdienstes kam es am 7. August zu Festnahmen nahe Wien.

Lesen Sie auch

Terroranschlag auf Konzert geplant: IS-Verdächtige vor Gericht

Nun stehen mit Beran A. und Arda K. zwei Verdächtige vor Gericht. Laut Anklage gehörten sie zu einem IS-nahen Netzwerk. In einem Haus nahe Wien hortete Beran A. demnach Zeitzünder, Chemikalien zum Sprengstoffbau sowie Macheten und Messer. Zudem fanden Ermittler Propagandamaterial und ein Fahrzeug mit Sirene. Beran A. soll die Tat ausführen, Arda K. als Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma Zugang zum Konzertgelände haben.

Im Fokus stand laut Anklage das Konzert am 9. August 2024. Geplant gewesen sei, mit einem Auto in eine Menschenmenge vor dem Stadion zu fahren, Sprengsätze zu werfen und anschließend mit Stichwaffen anzugreifen. Ursprünglich seien auch parallele Anschläge an anderen Orten vorgesehen gewesen. Zudem wird Beran A. vorgeworfen, einen Islamisten in Deutschland zu einer zeitgleichen Tat angestachelt zu haben.

Auch interessant

Angeklagte sollen Messerangreifer in Mekka unterstützt haben

Darüber hinaus sieht die Anklage eine Verbindung zu einem Messerangriff in Mekka im März 2024. Ein Freund der Angeklagten, Hasan E., sitzt seitdem in Saudi-Arabien in Haft. Beran A. und Arda K. sollen ihn „psychisch unterstützt“ und in seinem „Tatentschluss bestärkt“ haben. Beide weisen eine Beteiligung zurück.

Die Anschlagspläne für Wien hat Beran A. eingeräumt. Umstritten ist jedoch, wie konkret sie waren. Seine Verteidigerin spricht von „unkonkreten“ Überlegungen. Die Anklage verweist dagegen auf detaillierte Aussagen in frühen Vernehmungen. Später habe der Angeklagte die ideologische Motivation relativiert.

IS-Anschlagspläne: Zweifel und Abbruch vor geplanter Tat

Ermittlungen deuten darauf hin, dass Beran A. kurz vor der geplanten Tat Zweifel bekam. In Chats äußerte er Angst vor dem Tod. Als Indiz gilt auch, dass von ursprünglich geplanten parallelen Anschlägen nur Hasan E. handelte. Unstrittig ist jedoch, dass Beran A. intensiv Vorbereitungen traf, Material beschaffte und seinen Job kündigte.

Die drei Angeklagten kannten sich seit 2020 aus einer Wiener Handelsakademie. Hasan E. brach die Schule ab, ging in die Türkei und radikalisierte sich nach seiner Rückkehr laut Ermittlern zunehmend. Gemeinsam sollen sie Anschläge in Dubai, Mekka und Istanbul erwogen und Anleitungen beschafft haben. Als Planungsort gilt das Elternhaus von Beran A. in Ternitz. Anfang Juli 2024 sollen die beiden Wiener Verdächtigen dem IS online die Treue geschworen haben.

Im Prozess soll nun geklärt werden, wie eng die Angeklagten in die Tat in Mekka eingebunden waren und wie konkret ihre eigenen Anschlagspläne waren. Vier Verhandlungstage sind angesetzt. Den Angeklagten drohen bis zu 20 Jahre Haft.