Kaum eine Frage treibt die Deutschen derart um wie das Geld der anderen. Bei dem Thema hört bekanntermaßen nicht nur die Freundschaft auf, sondern fängt auch der Neid an. Denn es ist erwiesenermaßen so, dass der Wohlstand in unserem Land ungleich verteilt ist. 81 Prozent, also vier von fünf Bürgerinnen und Bürgern, sind laut einer ARD-Umfrage dieser Meinung. Dabei ist der mittlere Bruttojahresverdienst in Deutschland im vergangenen Jahr um 1907 Euro gestiegen. Wer in Deutschland Vollzeit arbeiten geht, verdient laut Statistischem Bundesamt im Mittel 54.066 Euro brutto im Jahr. Wer mehr als 4505,50 Euro im Monat brutto bekommt, verdient mehr als die Hälfte der Deutschen.
Dass die Ungleichheit zwischen Top- und Geringverdienern allerdings zunimmt, zeigt eine andere Zahl. So ist der durchschnittliche Jahresverdienst noch stärker gestiegen: um 2206 auf 64.441 Euro. Dass der Durchschnittsverdienst höher liegt als der Median, zeigt, dass wenige sehr hohe Verdienste den Durchschnittsverdienst nach oben verzerren.
Bleibt die Frage, wann man eigentlich reich ist. Darüber stritten am Montag in der ARD „Arena“ Moderator Louis Klamroth und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), mithin zwei Menschen, die man mit Fug und Recht „reich“ nennen darf. Klamroth soll laut mehrerer Berichte pro Sendung um die 18.000 Euro verdienen und sich mit der ARD auf einen Vertrag geeinigt haben, der ihm bis 2027 eine Million Euro Gehalt sichert. Markus Söder wiederum kommt (Stand 2025) auf ein Bruttojahresgehalt von etwa 390.000 Euro, das sich aus einem Grundgehalt inklusive Zuschlägen, der Hälfte seines Abgeordnetengehalts, einer Kostenpauschale und einer Dienstaufwandsentschädigung zusammensetzt.

Klamroth: Reich sind Menschen, „die Spitzensteuersatz zahlen“
Auf Söders direkte Frage, wen Klamroth als reich bezeichnen würde, antwortete der Lebensgefährte von Klimaaktivistin Luisa Neubauer: „Leute, die Spitzensteuersatz zahlen.“ Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift in Deutschland aktuell ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 69.879 Euro (Single) bzw. 139.758 Euro (bei Verheirateten). Söder wunderte sich und entgegnete Klamroth: „Das ist für Sie schon reich? Also ein Facharbeiter, ein Mittelständler, ein Handwerksmeister, ist für Sie schon ein reicher Mann? Keiner von denen verdient nur annähernd so viel wie Sie, da wette ich mit Ihnen.“
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Damit hat Söder einen Punkt, denn laut Statistischem Bundesamt verdienten 30 Prozent der Beschäftigten – hochgerechnet auf Vollzeit und inklusive Sonderzahlungen – rund 44.000 Euro oder weniger. Wer gut 68.000 Euro oder mehr im Jahr verdient, gehört zu den oberen 30 Prozent. Die obersten zehn Prozent der Vollzeitbeschäftigten erzielten sogar einen Bruttojahresverdienst von 100.719 Euro oder mehr. Das oberste Prozent verdiente 219.110 Euro oder mehr. Ob man mit knapp 70.000 Euro Jahresgehalt schon schon als reich gelten kann, ist dann doch eher fragwürdig.
tok



