Nicht JD Vance, sondern Marco Rubio: Schon diese Personalie erzählt die Geschichte. Der US-Außenminister kommt am Donnerstag in den Vatikan, offiziell, um mit der Führung des Heiligen Stuhls über den Nahen Osten und „gemeinsame Interessen in der westlichen Hemisphäre“ zu sprechen. So formuliert es das State Department. Der US-Botschafter beim Heiligen Stuhl, Brian Burch, sagt, es werde ein unverstelltes Gespräch über die Politik der Trump-Regierung. Das ist Diplomatensprache für: Schiedlich-friedlich wird es nicht zwangsläufig.

Die Reise hat drei Ebenen. Die erste heißt Iran. Papst Leo XIV. hat sich als scharfer Kritiker des Krieges profiliert. Er drängte alle Beteiligten zuletzt öffentlich, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, und warb für eine neue „Kultur des Friedens“. Zuvor hatte er erklärt, Gott höre nicht auf die Gebete jener, „die Krieg führen“. Das war mehr als ein allgemeiner Friedensappell – sondern eine moralische Zurückweisung der religiösen Aufladung, mit der Teile des Trump-Lagers (Kriegsminister Pete Hegseth allen voran) den Feldzug begleiten. In dieser Woche legte Trump nach: „Ich glaube, er bringt viele Katholiken und viele Menschen in Gefahr, aber ich schätze, wenn es nach dem Papst geht, findet er es völlig in Ordnung, dass der Iran Atomwaffen besitzt“, sagte er in einem Interview mit dem Radio-Moderator Hugh Hewitt.

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Kuba-Konflikt: Rubio vermittelt zwischen Trump und dem Papst

Die zweite Ebene heißt Kuba. Hier wird es für Rubio persönlich. Papst Leo sprach im Februar von „äußerst beunruhigenden Nachrichten“ hinsichtlich der wachsenden Spannungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten und forderte einen „aufrichtigen und wirksamen Dialog“, um „Gewalt und jegliche Maßnahmen zu vermeiden, die das Leid des kubanischen Volkes noch verstärken könnten“. Präsident Trump aber brachte eine „freundliche Übernahme” Kubas ins Spiel und sagte über Rubio, dass er sich damit befasse – „und zwar an höchster Stelle”.

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Die dritte Ebene ist symbolisch. Rubio kommt als Katholik und als Mann, der im Trump-Kosmos regelmäßig die rauen Kanten glätten soll. Dass Vizepräsident Vance diesmal nicht fährt, muss man nicht gleich zur Exkommunikation hochschreiben. Klar ist aber, dass Vance und der Papst zuletzt öffentlich über Krieg und Moral heftig aneinandergerieten. Vances Anspruch auf „theologische Überlegenheit” stieß in Rom übel auf. „Rubio hätte das so nie formuliert”, sagen Insider in US-Regierungskreisen.

Vizepräsident JD Vance hat sich durch seine Papstkritik, hier eine Szene vom Mai 2025, vorläufig „verbrannt“. Darum bleibt er in Washington.
Vizepräsident JD Vance hat sich durch seine Papstkritik, hier eine Szene vom Mai 2025, vorläufig „verbrannt“. Darum bleibt er in Washington.© AFP | Simone Risoluti

Was wird der Papst ihm sagen? Wahrscheinlich ist keine öffentliche Standpauke. Sondern ein Dreiklang: dass der Heilige Stuhl im Iran-Krieg weiter auf Verhandlungen drängt; dass Kuba kein Schachbrett für geopolitische Wunschprojekte ist; dass moralische Sprache keine Zierde sein darf, sondern Handlungsmaßstab. Seine Sätze dürften höflich klingen und hart gemeint sein: Reformen in Kuba ja, aber ohne „mehr Qual oder Schmerz“, wie es die kubanischen Bischöfe formulierten und Leo ausdrücklich aufgriff. Mit anderen Worten: Rubio bekommt keine Donnerpredigt. Sondern ein Nein in Samthandschuhen. Gerade das wäre für Washington die unerquicklichste Botschaft. Gegen Lautstärke kann man zurücklärmen. Gegen moralische Nüchternheit viel schlechter.