Bei dem letzten Treffen in Südkorea hatten die Nerven blank gelegen. Der US-Präsident hatte gedroht, Einfuhren aus dem Reich der Mitte mit dreistelligen Strafzöllen zu überziehen. Im Gegenzug kokettierte der chinesische Staatschef mit verschärften Ausfuhrkontrollen für Seltene Erden, von denen er die US-Wirtschaft komplett abschneiden würde. Mit einem befristeten Abkommen, das bis November läuft, konnten die beiden Staatsmänner schließlich eine weitere Eskalation verhindern.

Um sicherzustellen, dass der Burgfriede hält, wird Xi mit Prunk und Protz ein zweitägiges Spektakel für seinen Gast aus Washington inszenieren. Unterdessen können die Fanfaren nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ausgangspositionen heute anders sind. So sind die USA in einen Krieg mit dem Iran verwickelt, für den kein Ende abzusehen ist. Und zwischenzeitlich sind die amerikanischen Waffenarsenale dezimiert. Das wiederum schwächt Trumps Verhandlungsposition, vor allem in Sachen Taiwan. Nach Darstellung von amerikanischen China-Experten sehe Xi den Präsidenten heute als „humpelnden Riesen“, der in keiner Position sein wird, Forderungen zu stellen.  

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Davon aber lässt sich Trump nicht beirren. Er will den schwelenden Taiwan-Konflikt zur Sprache bringen. Auch hat er gedroht, eine Übernahme der Inselrepublik notfalls militärisch zu verhindern. Doch der Iran-Krieg hat bereits die Hälfte aller Stealth-Langstreckenraketen und Tomahawk-Marschflugkörper verschlungen, über die das US-Militär verfügt. Damit verlieren Trumps Drohgebärden an Glaubwürdigkeit. Xi hat seinerseits Probleme an der heimischen Front. Er hat mit einer schwächelnden Wirtschaft zu kämpfen. Auch möchte Chinas Staatschef technologische Rückstände aufholen. Dazu ist er wiederum auf Trump angewiesen, der die US-Exportkontrollen für die neuesten Halbleiter lockern könnte.  

So oder so kann der rote Teppich, der für Trump ausgerollt wird, nicht über fundamentale Differenzen zwischen den Ländern hinwegtäuschen. Große Bedeutung werden folglich dem Krieg und speziell Pekings engen Beziehung zum Iran zukommen. So wird Trump verlangen, dass sein „guter Freund“ Teheran unter Druck setzt, die Blockade der Straße von Hormus zu beenden.

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US-Finanzminister Scott Bessent warf China kürzlich vor, 90 Prozent von Irans Öl zu kaufen und damit „ein Sponsor von Staatsterrorismus zu sein“ zu sein. Peking sollte seine Position als größter Kunde nutzen und auf Teheran einwirken, um auf die Öffnung der wichtigen Handelsstraße hinzuwirken, so Bessent. Chinas Außenminister Wang Yi hat nach Gesprächen mit seinem iranische Ressortkollegen auch ein sofortiges Ende der Blockade gefordert. Nun will Trump sicherstellen, dass dieser Wunsch rasch in die Praxis umgesetzt wird. 

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Misstrauisch beäugt das Weiße Haus aber auch Chinas immer engere Anbindung an den Kreml. Dazu zählt insbesondere die vertiefte strategische Partnerschaft mit Moskau. Die wirtschaftliche und militärische Allianz jährte sich im April zum 30. Mal. Trumps Sorge um die geballte Macht des sino-russischen Bündnisses ist zugleich der Grund für seine Anbiederung an den Kreml. Untrennbar damit verbunden ist wiederum die Weigerung Washingtons, im russischen Angriffskrieg eine klar proukrainische Position zu beziehen.  

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Im Krisenmodus
 

Dass die beiden Regierungschefs in den heikelsten Fragen einen Durchbruch erzielen, halten Analysten für unwahrscheinlich. „Denn allein der Gedanke daran, dass unser Präsident vor dem Hintergrund eines katastrophalen strategischen Debakels zu einem Gipfel mit unserem größten Rivalen und Konkurrenten reist, ist für sich genommen spektakulär“, sagt Suzanne Maloney, außenpolitische Direktorin bei der Brookings Institution in Washington. Folglich wird die Wirtschaft im Mittelpunkt stehen.

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Deswegen hat der Präsident auch Titanen der Tech-Industrie eingeladen, ihn auf der Reise ins Reich der Mitte zu begleiten. Unter ihnen der Tesla- und X-Chef Elon Musk, der letztes Jahr die umstrittene Effizienzbehörde Department of Government Efficiency (Doge) geleitet und dadurch Massenentlassungen bei Bundesbediensteten veranlasst hatte. Auch Apples CEO Tim Cook und die Lenker von Finanzgiganten wie Goldman Sachs, Citibank, Visa und Mastercard. 

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Sowohl Trump als auch Xi wollen verhindern, dass der bilaterale Handelsstreit wieder eskaliert. Folglich rechnet Trump damit, dass sich China verpflichten wird, Flugzeuge des US-Branchenführers Boeing und verschiedene Agrarprodukte, insbesondere Sojabohnen, zu kaufen. Auch geht er davon aus, dass Xi den Deal zur Lockerung der Exportkontrollen für Seltene Erden fortsetzen wird. Seinerseits wird Peking verlangen, dass der US-Präsident keine neuen Zölle anordnet. Wenn es gelingen sollte, das im Oktober vereinbarte Abkommen zu verlängern und sich auf gegenseitige Investitionen zu einigen, wäre dies für beide Seiten ein wichtiger Etappensieg.