Es gibt keinen Grund mehr, Kremlchef Wladimir Putin auf den Leim zu gehen. Viel zu oft hat über seine vermeintliche Bereitschaft zur Beendigung des Ukraine-Krieges getäuscht. Die Menschen sollten es nach mehr als vier Jahren Dauerangriffs Russlands auf sein Nachbarland besser wissen.

Seit Ende der Waffenruhe über die 9.-Mai-Siegesfeiertage überzieht er die Ukraine mit einem heftigen Luftangriff. Kiew zählt wieder viele Tote und Verletzte. Es ist ein Skandal, dass US-Präsident Donald Trump die Lage in der Ukraine während seines Besuchs beim Amtskollegen Xi Jinping in China öffentlich nicht zum Thema gemacht hat. Putin kann weiter machen, was er will.

Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert

Sehnsucht nach Stabilität

Günter Marks
Günter Marks ist Politikredakteur in der FUNKE Zentralredaktion.© privat | Privat

Gerade in Europa, vor allem aber in Deutschland, das durch den Ukraine-Krieg wie auch den im Iran wirtschaftlich leidet, sehnen sich viele nach Stabilität. Deshalb ist der Reflex, jeden Grashalm zu schnappen, den Putin der Welt als Hoffnungsschimmer hinhält, durchaus nachvollziehbar.

Er glaube, „dass die Angelegenheit sich dem Ende zuneigt“, sagte Putin mit Bezug auf den Krieg. Dann schlug er Altkanzler Gerhard Schröder als Vermittler vor. Vor allem Hoffnung machten aber die schlechte Lage für Russland an der Front, der eher kraftlose Auftritt eines alternden Putins zur Feier des Sieges über Nazi-Deutschland in Moskau, relativ schlechte Umfragen im eigenen Land sowie eine kriselnde russische Volkswirtschaft, in der sich zeigt, dass sie durch die Umstellung auf eine Kriegswirtschaft nur kurz getragen wird. Das legte die Möglichkeit nahe, dass sich der Wille Putins zum Krieg abnutzt.

Das ist aber nicht der Fall. Zumindest noch nicht.