Am Ende einer kämpferischen Rede streckt Jochen Ott die Faust in die Höhe. Eine kämpferische Geste, die dazu passt, was der 52-Jährige zuvor vor rund 200 Delegierten in Düsseldorf gesagt hat: Er sprach über Umverteilung von Reich zu Arm, über Politik für Berufstätige und ihre Familien, und über die Kern-Botschaft, mit der die Landes-SPD ihren Landtagswahlkampf prägen will: Gerechtigkeit.

Hoffnung trotz der Krise
„Ich bin dankbar, ich bin bereit“, sagte der Kölner nach seiner Wahl zum Spitzenkandidaten der Landespartei. Gut 96 Prozent der Stimmen bekam er, minutenlang feierten ihn die Delegierten und die Gäste. Für einen Moment war es, als gäbe es die Krise der SPD nicht. Als würde die Landes-Partei nicht in Umfragen zwischen mageren 14 und 20 Prozent herumdümpeln.
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„Die Mehrheit steht auf unserer Seite, aber wir haben ihr Vertrauen verloren“, rief der SPD-Landtagsfraktionschef, der NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) herausfordern will. Mit einem Wahlkampf gezielt für Arbeitnehmer und ihre Familien will er verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Und mit großen Versprechen: Ab 2027 soll jedes Kind bei der Geburt ein „Kinder-Chancen-Geld“ von 5000 Euro bekommen, das angelegt und zum 18. Geburtstag ausgezahlt wird. Nutzbar zum Beispiel für Ausbildung, Umzug oder Führerschein. Der Spitzenkandidat stellt auch kostenfreie Kitas und Gratis-Mittagessen für Kita-Kinder und Grundschüler in Aussicht, außerdem ein kostenloses Jugend-Ticket für den Nahverkehr.
Wir machen NRW zum familienfreundlichsten Bundesland“
Jochen Ott, Spitzenkandidat der NRW-SPD
Mit „Bildung“ gewinnen?
NRW würde mit ihm als Regierungschef zum „familienfreundlichsten Bundesland“ werden, behauptet Ott. Ur-Vorbild für diese Kampagne ist ein Slogan von Ex-NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD): „Kein Kind zurücklassen.“ Das wird erweitert auf Themen wie bezahlbares Wohnen, gerechte und gute Bildung für alle und ein erneuertes Aufstiegsversprechen: Für junge Menschen müsse der Traum von der eigenen Wohnung wieder erfüllbar werden, und sie müssten Karriere machen können, unabhängig von ihrer Herkunft und dem Kontostand ihrer Eltern.
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Die SPD werde zudem die größte Bildungsreform aller Zeiten in NRW durchsetzen. Vorhersagen von Politik-Analysten, mit Bildung könne die SPD keine Wahl gewinnen, lässt der Pädagoge Ott nicht gelten: „Bildung ist ein Gewinnerthema, und sie wird unser Gewinnerthema werden.“ Bildung sei sogar eine „Klassenfrage“.
Klassenkampf von oben und unten
Überhaupt hat der Spitzenkandidat keine Manschetten vor klassenkämpferischen Botschaften: Rechtslibertäre und Rechtsextreme träumten auch hierzulande davon, Steuerzahler „auszurauben“ und Arbeitnehmerrechte zu schreddern. Teilen der Wirtschaftselite wirft Ott einen „Klassenkampf von oben“ vor. Deren Rufe nach Lohnkürzung, Arbeitszeitverlängerung und Karenztagen würden Menschen die Hoffnung nehmen, aber keinerlei Wachstum auslösen.
Hat die am Boden liegende SPD überhaupt eine Chance, in NRW eine Landtagswahl zu gewinnen? „Wir sind nicht das Problem, sondern die Antwort“, meint Jochen Ott. Die Vorsitzende der NRW-SPD, Sarah Philipp, sagt mit einer gehörigen Portion Trotz: „Für manche ist die Landtagswahl längst entschieden. Die werden sich noch wundern.“





