Laura Dalhaus ist sauer. Nur wenige Stunden, nachdem die Bundesregierung verkündet hatte, die telefonische Krankschreibung abschaffen zu wollen und eine Attestpflicht ab dem ersten Tag einzuführen, ging die Hausärztin aus dem Münsterland mit einem Video bei Instagram viral. „Die Bundesregierung negiert die Realität und schafft verantwortliches und nachvollziehbares Handeln und eine faktenbasierte Politik ab“, kritisierte die Medizinerin darin – und lieferte gleich noch einen Faktencheck mit.
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Mit der Entscheidung, dass künftig eine Krankschreibung ab dem ersten Tag Pflicht sei, treibe die Bundesregierung Millionen von Menschen „überflüssigerweise“ in die Arztpraxen, „während das Gesundheitssystem unter dem GKV-Spargesetz ohnehin schon kollabiert“, so Dalhaus, die sich bei Instagram immer wieder zu gesundheitspolitischen Themen äußert und der mittlerweile mehr 130.000 Menschen in den sozialen Medien folgen.
Attestpflicht ab erstem Krankheitstag – Ärztin macht ihren Ärger Luft
Als „I-Tüpfelchen“ bezeichnete die Ärztin die von der Bundesregierung ausgegebene Termingarantie „in einem jetzt schon kollabierenden System, das muss man sich mal vorstellen“, so Dalhaus. Die Entscheidung entbehre jeder Faktenlage. So habe eine Erhebung der DAK gezeigt, dass die telefonische Krankschreibung nicht zu einem überproportionalen Anstieg von Krankheitstagen führe.
Dalhaus bezieht sich damit auf den DAK-Gesundheitsreport zum Rekord-Krankenstand. Die Sonderanalyse zeigt in der Tat: Nachdem die telefonische Krankschreibung im Mai 2020 eingeführt wurde, gab es anschließend keinen signifikanten Anstieg von Krankschreibungen. Nach einer Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) und der Barmer Krankenkasse auf Basis von Abrechnungsdaten von 2020 bis 2023 hatten telefonische Krankschreibungen einen Anteil von jährlich 0,8 bis 1,2 Prozent an allen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Es hätten sich keinerlei Hinweise gefunden, dass sie maßgebliche Treiberin des höheren Krankenstandes sei.
Medizinerin Laura Dalhaus empört: „Das kann man nicht wählen“
„Es ist eine Politik, die die Realität in den niedergelassenen Praxen der Kollegen und Kolleginnen mit Füßen tritt“, sagte Dalhaus in ihrem Video, das mittlerweile mehr als 365.000 Menschen gelikt haben. Zudem schaffe die neue Regelung Misstrauen und kein Politiker müsse sich mehr über die Abstraktion bei den Sonntagsumfragen wundern. „Das kann man nicht wählen, das ist ein Skandal“, so Dalhaus.
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Mit ihrer Kritik ist Dalhaus nicht allein. „Die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung steigert die Zahl der Arztkontakte und damit auch die Belastung der Beschäftigten in den Praxen“, sagte DAK-Vorstandschef Andreas Storm der Deutschen Presse-Agentur. „In Kombination mit dem Zwang zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag drohen überfüllte Hausarztpraxen.“
Auch in der Koalitionspartei SPD wird der Unmut über den Koalitionsbeschluss zur Attestpflicht für erkrankte Arbeitnehmer immer lauter. Im RTL-Interview verwies Vizekanzler Klingbeil darauf, dass die konkrete Ausgestaltung noch offen sei. „Die Bundesgesundheitsministerin hat heute schon gesagt: Natürlich müssen wir das Ganze so hinbekommen, dass niemand, der krank ist, dann auch wirklich zum Arzt gehen muss.“ Bei „Maybrit Illner“ erklärte Kanzler Friedrich Merz (CDU): „Sie müssen nicht am ersten Tag in die Arztpraxis. Sie müssen vom ersten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung haben.“ Was das konkret heißt, ließ Merz offen.
mit dpa




