Donald Trump bemühte sich am Dienstag im Oval Office neben dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun um den Eindruck, der Krieg mit dem Iran sei noch beherrschbar. Doch genau das wird immer fraglicher. Während die Seestraße von Hormus nur eingeschränkt passierbar ist, rückt eine zweite maritime Lebensader der Weltwirtschaft in den Mittelpunkt: Bab al-Mandab, das „Tor der Tränen“ am südlichen Ausgang des Roten Meeres.
Auf die Frage, was die USA unternehmen würden, falls die vom Iran unterstützten Huthis ihre angekündigte Blockade saudi-arabischer Häfen und Öltransporte durchsetzten, blieb Trump vage. „So weit ist es noch nicht. Aber wenn es passiert, werden wir uns darum kümmern“, sagte er. Mehr nicht. Bemerkenswert ist das, weil die Drohung bereits Folgen hat.
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Die Huthis warnten Reedereien am Montag, in saudischen Häfen weder zu laden noch zu löschen; Verstöße könnten überall innerhalb ihrer militärischen Reichweite geahndet werden. Eine physische Sperre ist bisher nicht belegt. Das von der US-Marine geführte JMIC registrierte zuletzt keinen Angriff. Doch zwei mit saudischem Rohöl für China und Indien beladene Tanker wendeten am Dienstag im Roten Meer und liefen Richtung Suez, statt Kurs auf Bab al-Mandab zu halten. Es waren die ersten bestätigten Routenänderungen. Was aus den Ladungen wird, blieb offen.
Für den Energiemarkt ist das eine gefährliche zweite Front. Die Straße von Hormus ist der wichtigste Öl-Engpass der Welt. Über sie liefen vor Beginn der Krise täglich rund 20 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte – etwa ein Fünftel des weltweiten Verbrauchs. Bab al-Mandab verbindet den Indischen Ozean mit dem Roten Meer und dem Suezkanal.
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Öl: 4,2 Millionen Barrel passieren täglich Bab al-Mandab
Schon die Drohung der Huthis verteuert den Verkehr. Die Prämie für eine siebentägige Kriegsrisikoversicherung stieg von etwa 0,3 auf 0,75 Prozent des Schiffswerts – bei einem Großtanker sind das mehrere Hunderttausend Dollar zusätzlich. Gefährlich ist die Lage, weil Saudi-Arabien seit Kriegsbeginn verstärkt den Hafen Yanbu nutzt. Über die Ost-West-Pipeline kann Riad Öl an Hormus vorbei zur Küste bringen. Seit April wurden über Yanbu im Durchschnitt mehr als 4,5 Millionen Barrel täglich verschifft; rund 70 Prozent gingen nach Asien. Dabei muss zwischen normalen und kriegsbedingt veränderten Strömen unterschieden werden. Im ersten Halbjahr 2025 passierten laut US-Energiebehörde EIA etwa 4,2 Millionen Barrel täglich Bab al-Mandab.

Heute ist die Meerenge wichtiger, weil sie zum Ausweichventil für Hormus geworden ist. Analysten in US‑Medien schätzen, dass mehr als drei Millionen Barrel saudischen Öls pro Tag auf längere Strecken gezwungen würden. Im Extremfall wären bis zu sieben Prozent des Weltangebots gefährdet, weil ein Großteil der noch exportierbaren saudischen Mengen festgesetzt oder verspätet würde.
Tanker müssten um das Kap der Guten Hoffnung fahren; für Indien und China könnten sich Lieferungen um etwa einen Monat verzögern. Voll beladene Supertanker können den Suezkanal nicht ohne Weiteres passieren, die Kapazität der Sumed-Pipeline ist begrenzt.
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Meerenge: Hier liegt die Gefahr für Europa
Für Europa liegt die erste Gefahr weniger beim Benzin als bei Diesel und Flugtreibstoff. Diese Produkte kommen häufig durch Bab al-Mandab und Suez. Europas Diesel-Raffineriemargen lagen schon vor einer möglichen Sperre auf Rekordniveau von mehr als 65 Dollar je Barrel.
An den Zapfsäulen käme der Schock gestaffelt an. Öl-Futures, Frachtraten und Großhandelspreise reagieren binnen Stunden oder Tagen. Erste Aufschläge könnten Autofahrer nach wenigen Tagen bemerken, besonders beim Diesel. Nach Berechnungen der Europäischen Zentralbank werden rund 90 Prozent eines Ölpreisschocks innerhalb von drei bis fünf Wochen weitergegeben. Sollte Brent-Öl wegen einer Blockade von zuletzt rund 90 Dollar wieder auf 115 bis 120 Dollar steigen, wäre die Wirkung deutlich.
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Huthis würden wenige Treffer reichen
Militärisch ließe sich dieser zweite Brandherd nicht mit Geleitzügen löschen. Washington bräuchte mehrere Luftabwehrzerstörer im südlichen Roten Meer und im Golf von Aden, Aufklärungsdrohnen, Seefernaufklärer, elektronische Kampfführung, Minenabwehr und Nachschub aus Dschibuti – ergänzt durch Angriffe auf mobile Raketen- und Drohnenstellungen in Jemen. Selbst dann könnte die US-Marine nur das Risiko senken. Den Huthis reichen wenige Treffer, damit Reeder und Versicherer den Seeweg meiden.
Wie zäh und teuer das wäre, haben die USA 2025 erfahren. In der knapp zweimonatigen „Operation Rough Rider“ griffen zwei Flugzeugträgerverbände mehr als 1000 Ziele in Jemen an. Die Bombardierung kostete weit mehr als eine Milliarde Dollar; sieben MQ-9-Drohnen gingen verloren. Dennoch blieben die Huthis angriffsbereit.
Das Zentralkommando hatte intern eine mindestens achtmonatige Kampagne empfohlen. Man kann Abschussrampen zerstören, aber die Fähigkeit der Miliz zur Störung des Seewegs nicht zuverlässig wegbomben.
Trumps Satz, man werde sich „darum kümmern“, klingt darum leichter, als die Aufgabe in Wirklichkeit ist. Um Hormus und Bab al-Mandab gleichzeitig offen zu halten, müssten die USA zwei weit auseinanderliegende Engpässe schützen. Iran und seine Verbündeten müssen nur genug Unsicherheit erzeugen, damit Reeder fernbleiben. Aus dem regionalen Krieg würde eine globale Versorgungskrise. Die ersten Tanker zeigen, dass dafür nicht einmal eine formelle Blockade nötig ist.








