Ob Europa seine Freiheit, sein Sozialmodell und seinen Wohlstand verteidigen kann oder in Zukunft zwischen den USA, Russland und China zerrieben wird, entscheidet sich auch daran, ob es in der Lage ist, Allianzen mit anderen Staaten zu schmieden. Es gibt viele Länder rund um den Erdball, die zumindest teilweise ähnliche Interessen haben. Aber Staaten, die auch Europas Werte teilen und seine Sicht auf die Welt, sind rar.
So gesehen war der Mittwoch ein wichtiger Tag für die Europäische Union und einen ihrer wichtigsten Verbündeten: Kanada. EU‑Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat in ihrer Rede zur Lage der Union im Europaparlament das magische M-Wort in den Mund genommen – Mitglied.
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Genau genommen hat sie vom Ziel gesprochen, dass Kanada „das erste assoziierte Mitglied der EU wird“. Eine assoziierte Mitgliedschaft gibt es bislang nicht, entweder ist man drinnen oder draußen. Aber das heißt ja nichts für die Zukunft. Vieles ist denkbar: eine Mitarbeit in den Institutionen ohne Stimmrecht, eine Teilnahme am Binnenmarkt und der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, eine stärkere Einbindung in Programme für Forschung, Austausch und Verteidigung.

Kanada liegt bekanntlich nicht in Europa. Groß denken darf man trotzdem. Erst recht in einer Zeit, in der anderswo der Kleingeist regiert. Ein erster Schritt freilich sollte sein, vorhandene Strukturen zu stärken und überall das Handelsabkommen Ceta zu ratifizieren. Zehn EU-Staaten haben das noch nicht getan, darunter die Schwergewichte Frankreich, Italien und Polen. So wird das nichts mit Europas Größe und Unabhängigkeit.



