13 Menschen hat Nidal Malik Hasan 2009 ermordet. Dafür wurde der frühere Militärpsychiater zum Tode verurteilt. Anfang Dezember soll ihn ein Erschießungskommando töten. Doch dem „ich bin toll“-wütigen US-Kriegsminister Pete Hegseth reicht das nicht. Die Exekution soll in ein digital live übertragenes, öffentlich konsumierbares Ereignis verwandelt werden. Zum Zuschauen für jedermann.

Man muss sich diese moralische Verwahrlosung vor Augen führen. Eine der mächtigsten Demokratien der Welt ist dabei, die öffentliche Erschießung eines im Rollstuhl sitzenden Gefangenen zu organisieren. Der Staat als Henker und Showmaster.

Army officer sentenced to death in Fort Hood shooting
Soll live vor der Kamera erschossen werden: Ex-Major Nidal Malik Hasan, hier ein Bild aus dem Jahr 2009.© picture alliance / dpa | Uniformed Services University Of

Niemand muss Mitleid mit Hasan haben, um diesen Rückfall in die Barbarei unerträglich zu finden. Seine Verbrechen sind monströs. Aber aus der Schuld eines Mörders folgt nicht das Recht des Staates, seinen Tod zur Volksbelustigung aufzubereiten. Was soll das Publikum lernen? Dass Töten falsch ist, indem es beim Töten zusieht? Dass Gerechtigkeit erst dann Gerechtigkeit wird, wenn Blut fließt und Kameras laufen?

Dirk Hautkapp
Dirk Hautkapp, US-Korrespondent.© ZR | bm

Wo die Schuld am größten ist, muss staatliche Macht jene Selbstbegrenzung dokumentieren, die sie von der Gewalt ihrer Feinde unterscheidet. Ein gesunder Rechtsstaat beweist seine Größe an dem, was er sich selbst untersagt, obwohl er es könnte. Pete Hegseth verkörpert das Gegenteil. Dass er die Todesstrafe politisch instrumentalisieren und öffentliche Tötungen als Machtdemonstration einsetzen will, offenbart charakterliche Abgründe. Ob Donald Trump den staatlich organisierten Voyeurismus in letzter Minute stoppen wird? Fraglich. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.