Seit dem Sturm auf die Bastille im Jahre 1789 ist Frankreich einiges gewohnt, was Straßenproteste betrifft. Die Gewalt und Zerstörungswut des Wochenendes stellen aber doch alles Bisherige in den Schatten. 1800 Festnahmen, 500 verletzte Polizisten, Plünderungen und Brandschatzung in Serie: Das hat etwas höchst Beunruhigendes. Die Polizei war in Paris stundenlang nicht mehr Herr der Lage, der Mob hatte das Zepter übernommen.
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Die größte Verantwortung tragen zwei politische Extremisten. Die Rechte Marine Le Pen setzt die Republik allein schon mit ihrer Präsidentschaftskandidatur unter Strom. Linken-Chef Jean-Luc Mélenchon gießt täglich Öl ins Feuer der Schülerproteste und sägt an der Autorität des Staates. Die Folgen wurden in der Nacht auf Sonntag ersichtlich, als die Ordnungshüter in ihren Bussen das Weite suchen mussten, während ihnen die Gewalttäter mit Metallstangen und Pflastersteinen nachsetzten. Früher hatte der Gendarm jeweils dem Räuber nachgesetzt.

Mélenchon verfolgt letztlich die gleiche Strategie der Polarisierung wie Le Pen: Beide hoffen, bei den Präsidentschaftswahlen dank dem (oder der) jeweils anderen in die Stichwahl zu kommen. Das Duell der beiden Extremisten, das im Hintergrund dieser französischen Chaostage wirkt, hat verheerende Folgen. Es zersetzt die Demokratie und treibt die Auseinandersetzung unweigerlich einem Siedepunkt zu. Der erste ereignete sich am Samstagabend, als sich die angehäufte politische Spannung landesweit entlud. Ein weiterer ist spätestens für das nächste Frühjahr angesagt – bei den französischen Präsidentschaftswahlen.





