Unterricht

Europaschule Rheinberg: Hier machen Mädchen die Technik!

Monique Schulz, Lisa Potes und Alina Wehling (von links) aus der Einführungsklasse haben den ersten 3-D-Drucker für den Technikunterricht zusammengebaut.

Monique Schulz, Lisa Potes und Alina Wehling (von links) aus der Einführungsklasse haben den ersten 3-D-Drucker für den Technikunterricht zusammengebaut.

Foto: Wolfgang Krause

Rheinberg.   Von wegen nur etwas für Jungs: Der erste 3-D-Drucker an der Europaschule Rheinberg wurde auch von der ersten reinen Mädchengruppe zusammengebaut.

Von wegen Technik und Dominanz durch Jungen: „Da gibt es schon ein ausgeglichenes Verhältnis von Mädchen und Jungen“, sagt Monique Schulz. Gemeinsam mit ihren Klassenkameradinnen Lisa Potes und Alina Wehling aus der EF (Einführungsphase – entspricht landläufig der 11. Klasse) an der Europaschule Rheinberg bildet sie jedoch die erste ausschließliche Mädchengruppe. Das ficht die drei aber nicht an. Und auch die Fachwahl sehen sie völlig entspannt beziehungsweise unter Nützlichkeitserwägungen. „Technik ist eigentlich genial“, sagt Alina Wehling. Und Lisa Potes ergänzt: „Das ist ein Fach, das man später brauchen kann.“

Bei der Nutzung des seit kurzem an der Europaschule verfügbaren 3-D-Druckers schlug dann die Stunde der schnell Entscheidenden. Potes: „Herr Schmidt hat gesagt, wir sollten uns einmal Gedanken machen über ein Projekt zum Thema 3-D-Druck und Design. Wir hatten dann als erste die Idee, einen 3-D-Drucker selber zu bauen.“ Zur Erläuterung: Herr Schmidt ist Karsten Schmidt, stellvertretender Schulleiter, Lehrer unter anderem für Technik – und hat wegen zeitweiliger Abordnung für Arbeiten auf überschulischer Ebene beste Kontakte zum Beispiel für das an der Hochschule Rhein-Waal angesiedelte ZDI-Zentrum in Kamp-Lintfort. Dieses „Zukunft durch Innovation“-Zentrum sorgte für die Landesmittel, mit deren Hilfe seit einiger Zeit an der Europaschule – nennen wir es einmal so – Sachen gedruckt werden können. Erste Werkstücke aus dem von Schulz, Wehling und Potes zusammengebauten 3-D-Drucker waren zum Beispiel der Kopf eines Moai (die Steinkolosse von der Osterinsel) oder ein Boot.

Dass das ZDI das Bezahlen organisierte, dürfte man an der Schule mit Wohlgefallen zur Kenntnis genommen haben, denn: „Ein 3-D-Drucker kostet als Bausatz 1000 Euro“, so Schmidt. Das selbstständige Zusammenbauen hat allerdings auch Vorteile. Potes: „Wenn dann etwas kaputtgeht, weiß man, woran es liegt.“ Davon abgesehen mache das Bauen auch Spaß, versichert Schulz.

Wie Produzieren mit Hilfe von 3-D-Druckern funktioniert, erläutert Wehling. „Kunststoff wird im Kopf des Druckers erhitzt, wird dann schichtweise aufgetragen und so baut sich das auf, was man drucken will.“

Im Internet haben sich die Schülerinnen die Vorlagen zum Beispiel für den Moai-Kopf ausgesucht. Beim Besuch der NRZ war gerade ein Boot in Arbeit. Auch Informationen über die Programmierung des Druckers gab es im Internet. Sie werden auf einer SD-Karte gespeichert und dann im Drucker benutzt. Man muss sich aber nicht allein auf Informationen aus dem Netz verlassen, so Schulz: „Wenn man sich dafür interessiert, kann man auch selber programmieren.“

Schmidt denkt schon über den Technikunterricht hinaus. „Man kann den Drucker auch im Kunstunterricht einsetzen, zum Beispiel beim Designen. Das Drucken an sich ist wie Meditation, eigentlich kein Unterricht. Der kreative Prozess kommt erst dann, wenn man selber etwas entwirft.“ Seiner Einschätzung nach hat sich der Technikunterricht sehr gewandelt. „Früher war das sehr handwerklich. Heute geht es beispielsweise um Schmuckdesign, also etwas Kreatives.“

Beim ZDI-Zentrum in Kamp-Lintfort geht das Fertigen mit 3-D-Druckern noch sehr viel weiter. Schmidt: „Dort werden Schuhe, Marzipan oder Schokolade gedruckt. Es gibt auch die additive Produktion aus mehreren Schritten, in verschiedenen Kombinationen. Zum Beispiel drucken und fräsen.“ In Arbeit: der Druck eines Holzhauses, dessen Einzelteile zusammengesteckt werden.

Die Mädchengruppe an der Europaschule dachte auch an Produkte für den Medizinbereich. Wehling: „Wir haben überlegt, ob wir eine Arm- oder Handprothese drucken sollen – aber das hätte zu lange gedauert.“

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