Das Deutschlandticket gilt als Vorzeigeprojekt für die Verkehrswende: Ein Fahrschein für ganz Deutschland, einfach digital buchbar, für Bus und Bahn im Nah- und Regionalverkehr. Millionen Fahrgäste nutzen das Angebot.

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Doch nun gerät das Prestigeprojekt ins Wanken: Auf der Sonder-Verkehrsministerkonferenz (VMK) in München wird über die Zukunft und die Finanzierung gestritten. Klar ist schon jetzt: Das Ticket wird wohl nicht günstiger, sondern eher teurer.

Deutschlandticket-Preis: Von 49 Euro über 58 Euro auf bald 64 Euro?

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur erwägen die Länder, den Preis des Deutschlandtickets im kommenden Jahr auf 62 bis 64 Euro im Monat anzuheben. Zuerst hatte der „Tagesspiegel“ über die geplante Anpassung berichtet und sich auf eine Beschlussvorlage berufen. Zwar nennt die aktuelle Fassung keine konkreten Zahlen, doch nach dpa-Angaben gilt eine weitere Erhöhung inzwischen als wahrscheinlich.

Schon Anfang 2024 war der Beitrag von 49 auf 58 Euro gestiegen – entgegen der Zusage im Koalitionsvertrag, den Preis bis 2029 stabil zu halten. Doch die angespannte Haushaltslage lässt dieses Versprechen bröckeln.

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Kritik an geplanter Preiserhöhung des Deutschlandtickets

Die mögliche Verteuerung des Deutschlandtickets ruft scharfe Kritik hervor. Die Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, warnte in den Zeitungen der Mediengruppe Bayern: „Es wäre für die Mobilitätswende fatal, das Ticket derart zu verteuern, dass der positive Effekt, die Menschen vom Auto in Bus und Bahn umsteigen zu lassen, verpuffen würde“ Sie fordert von der Sonder-Verkehrsministerkonferenz in München ein klares Signal für bezahlbare Mobilität.

Der größte deutsche Verkehrsverbund, der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), setzt dagegen auf Kompromiss. Vorstandschef Oliver Wittke sagte der Nachrichtenagentur „Reuters“, es brauche „maßvolle Preiserhöhungen“. Neben den Fahrgästen müssten auch Bund und Länder ihren Beitrag leisten.

Als langfristige Lösung schlägt Wittke einen Preisindex für das Deutschlandticket vor, der staatliche Zuschüsse automatisch an steigende Ausgaben für Personal, Energie und Trassennutzung koppelt. So ließe sich eine planbare und stabile Finanzierung erreichen.

Finanzierungslücke beim Deutschlandticket: Milliarden fehlen

Das Grundproblem bleibt die Finanzierung. Denn das Deutschlandticket ist für viele Fahrgäste deutlich günstiger als ihre früheren Abos – für die Verkehrsunternehmen bedeutet das jedoch sinkende Einnahmen. Branchenexperten rechnen damit, dass jährlich rund 3,5 bis 3,8 Milliarden Euro notwendig wären, um die Ausfälle auszugleichen.

Bund und Länder haben sich bislang darauf geeinigt, jeweils 1,5 Milliarden Euro zuzuschießen – zusammen also 3 Milliarden. Damit klafft im kommenden Jahr eine Finanzierungslücke von mindestens 400 bis 500 Millionen Euro.

Sonder-Verkehrsministerkonferenz: Länder ringen um Lösung

Am Donnerstag kommen die Verkehrsminister der Länder in München zusammen, um über die Zukunft des Deutschlandtickets zu beraten. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) nimmt nicht teil – er ist in Berlin durch die Haushaltswoche gebunden.

Im Mittelpunkt der Konferenz steht ein neues Finanzierungsmodell. Hinter den Kulissen geht es dabei längst um konkrete Zahlen: Nach Informationen aus Verhandlungskreisen wäre das Ticket bei einem Preis von 62 Euro im Monat nicht mehr unterfinanziert. Mehrere unionsgeführte Länder drängen hingegen auf eine Anhebung auf 64 Euro.

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Deutschlandticket 2027: Preisindex geplant

Die Verkehrsminister wollen in München aber nicht nur über den Ticketpreis verhandeln , sondern auch die Weichen für die kommenden Jahre stellen. In der Beschlussvorlage ist vorgesehen, ab 2027 einen Preisindex einzuführen, der die Ticketkosten automatisch an die Entwicklung von Energie- und Personalkosten koppelt. Bis zur nächsten Verkehrsministerkonferenz im Herbst soll das Modell erarbeitet, drei Jahre später erstmals überprüft werden.

Damit greift die Politik eine Forderung auf, die zuvor bereits von Verkehrsverbünden erhoben wurde. Ziel ist es, das jährliche Feilschen um den Ticketpreis zu beenden – auch wenn Pendlerinnen und Pendler sich auf regelmäßige Erhöhungen einstellen müssen.

Verteilung der Mittel: NRW, Bayern und Baden-Württemberg profitieren am meisten

Neben dem Ticketpreis steht auch die Frage im Raum, wie die vorhandenen Bundesmittel verteilt werden. Laut Berechnungen, die dem „Tagesspiegel“ vorliegen, würden Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg am meisten profitieren, gefolgt von Berlin und Hamburg. Am wenigsten bekäme das Saarland.

Die Länder wollen zudem festschreiben, dass der Bund seinen Zuschuss von 1,5 Milliarden Euro bis 2030 garantiert. Außerdem sollen ungenutzte Mittel in die Folgejahre übertragbar bleiben, um Planungssicherheit zu schaffen.

Das Deutschlandticket hat den Nahverkehr revolutioniert und Millionen Menschen den Umstieg auf Bus und Bahn erleichtert. Doch die Finanzierung bleibt ein Dauerproblem. Ob der Preis künftig bei 62 oder 64 Euro liegt, entscheidet sich in den kommenden Tagen. Sicher ist nur: Für Fahrgäste wird Mobilität in Deutschland nicht billiger.