Süßwasser ist eine der wichtigsten Ressourcen der Welt. Weil Seen, Flüsse und Grundwasserschichten im Klimawandel austrocknen, suchen Wissenschaftler nach neuen Quellen für acht Milliarden Menschen – und wurden nun ausgerechnet unter den gigantischen Salzwassermassen des Atlantiks fündig. Im Sommer bohrte ein internationales Forschungsteam erfolgreich vor der Küste im Nordosten der USA in ein gewaltiges Süßwasservorkommen. Das berichten Medien wie CNN und „The Independent“ unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AP.

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Zwar ist die Existenz von Süßwasser im Atlantik durch Ölbohrungen bereits seit Jahrzehnten bekannt, das ganze Ausmaß konnten Forscher allerdings erst 2019 mithilfe von elektromagnetischen Wellen begreifen. Entlang der nordöstlichen Küste der Vereinigten Staaten zieht sich demnach vom US-Bundesstaat Massachusetts bis hinunter nach New Jersey Süßwasser, das in porösen Sedimenten unter dem salzigen Ozean eingeschlossen ist.

Forscher verglichen das Ausmaß mit einem rund 40.000 Quadratkilometer großen See – in etwa die Größe der Schweiz. Das Wasser könne eine Metropole wie New York über 800 Jahre mit dem nötigen Wasser versorgen, heißt es in einem Statement der Columbia Climate School. Im Sommer bohrten Wissenschaftler der „Expedition 501“ von einem Schiff nun zum ersten gezielt danach und nahmen Wasserproben. Der Schatz könnte auch vor vielen anderen Küsten der Welt liegen.

Süßwasser-Schatz könnte Geschenk aus der Eiszeit sein

Das Süßwasser stammt vermutlich größtenteils aus dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 20.000 bis 15.000 Jahren. Damals erstreckten sich die Eisschichten weit über die heutige Küstenlinie hinaus, der Ozean begann erst mehrere Dutzend Kilometer vom heutigen Festland entfernt, wo die Kontinentalplatte steil abfällt. Als das Eis schmolz, formten sich große Flussdeltas, anderes Wasser wurde in Gesteinsschichten eingeschlossen. Weil der Meeresspiegel durch das Schmelzen wieder anstieg, gelangten sie so unter den Salzwasser-Ozean.

Eine Darstellung aus den elektromagnetischen Untersuchungen von 2019 zeigt, wo sich die Gesteinsschichten befinden (gelb gerastert). Die gelben Dreiecke markieren Schifffahrtslinien.
Eine Darstellung aus den elektromagnetischen Untersuchungen von 2019 zeigt, wo sich die Gesteinsschichten befinden (gelb gerastert). Die gelben Dreiecke markieren Schifffahrtslinien. © Gustafson et al., 2019 / Columbia Climate School

Auf dem vom Wasser bedeckten Festlandsockel befindet sich das Süßwasser im Meeresboden in einer Tiefe zwischen rund 180 und 365 Metern, das Forschungsteam bohrte zwischen 300 und 400 Metern. Dabei stießen sie weit unter dem Salzwasser tatsächlich auf das heißt begehrte Süßwasser – mit einem Salzgehalt, der es unter internationalen Normen für Trinkwasser qualifizieren würde. Weitere Labortests sollen nun zeigen, ob es sich tatsächlich dafür eignet.

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Rätsel um Zufluss von Süßwasser

Doch wie alt ist das Süßwasser wirklich? Die Wissenschaftler versuchen in dem Forschungsprojekt ebenfalls herauszufinden, ob es auch Süßwasser aus der Zeit nach der Eiszeit in die Schichten unter das Salzwasser geschafft hat, also ob sich die Süßwasservorkommen teilweise weiterhin auffüllen.

So könnte die Süßwasserschicht auch durch heutige unterirdische Abflüsse vom Land gespeist werden, vermuten die Forscher. „Wenn Wasser aus Regenfällen und Gewässern durch die Sedimente an Land sickert, wird es wahrscheinlich durch den steigenden und fallenden Druck der Gezeiten ins Meer gepumpt“, heißt es in dem Statement aus dem Jahr 2019.

In Zeiten des Klimawandels erhoffen sich Wissenschaftler, dass das Süßwasser die Wassernot lindern könnte. Das Anzapfen sei allerdings aufwendig und kostspielig, warnen Experten. Den Ursprung des Süßwassers zu bestimmen, könnte allerdings helfen, ähnliche Vorkommen in anderen Teilen der Welt zu finden. Auch inwiefern der Klimawandel den Süßwasser-Schatz beeinflussen wird, ist für die Forscher ein lohnendes Forschungsgebiet.

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Welt befindet sich in Wasserkrise

Erst in dieser Woche erschien ein alarmierender Bericht der Weltwetterorganisation über die zunehmende Wasserkrise. So werde der Wasserkreislauf weltweit wird immer unberechenbarer und schwankt zwischen Überschwemmungen und Dürren, heißt es im aktuellen Zustandsbericht über globale Wasserressourcen.

Das Zuviel oder Zuwenig von Wasser habe Kaskadeneffekte für die Wirtschaft und die Bevölkerungen. Eine wachsende Zahl von Menschen werde in Zukunft keinen ausreichenden Zugang zu Trinkwasser haben, warnt der Bericht. Demnach herrschten 2024 nur in einem Drittel der Flusseinzugsgebiete weltweit normale Verhältnisse im Vergleich zum Durchschnitt von 1991-2020. Es sei das sechste Jahr in Folge mit deutlichen Anomalien. Die Forscher verwiesen unter anderem auf stark zurückgehende Gletscher in allen Weltregionen und auf eine schwere Dürre im Amazonasbecken und im südlichen Afrika.

Nach UN-Schätzungen haben 3,6 Milliarden Menschen mindestens einen Monat im Jahr keinen ausreichenden Zugang zu Wasser. Ihre Zahl werde bis 2050 voraussichtlich auf mehr als 5 Milliarden ansteigen. Bei fast zwei Dritteln aller Grundwasserbrunnen verzeichnete der Bericht Normabweichungen. Während große Ströme wie der Amazonas und der Paraná in Südamerika oder der Sambesi und Oranje im südlichen Afrika zu wenig Wasser führten, lagen die Abflussmengen etwa der Donau oder des Ganges über dem Durchschnitt.

mit kna