• Plötzlicher Herztod kann auch vermeintlich gesunde Menschen treffen
  • Eine Studie zeigt, wie unscheinbare Schäden plötzlich zum Risiko werden
  • Wichtige Erkenntnisse aus der Herzforschung

Plötzlich und unerwartet – der Herztod bei jungen, vermeintlich gesunden Menschen sorgt immer wieder für Fassungslosigkeit. Ob beim Sport, in der Schule oder im Alltag: Solche tragischen Fälle werfen zahlreiche Fragen auf. Eine Studie widmet sich diesem Phänomen und liefert neue Erkenntnisse. Woran liegt es, dass das Herz junger Menschen manchmal ohne Vorwarnung versagt? Die Ergebnisse wurden am 6. Oktober 2025 im Fachjournal „Nature Cardiovascular Research“ veröffentlicht.

Plötzlicher Herztod: Was mikroskopische 3D-Analysen offenbaren

Die genauen Gründe für einen plötzlichen Herztod sind bislang nur zum Teil erforscht. Häufig spielen dabei minimale Vorschädigungen oder Vernarbungen eine Rolle, die etwa durch Infektionen oder eine genetische Veranlagung entstehen können. Ein Forschungsteam um Francesco Giardini von der Universität Freiburg hat in der aktuellen Studie untersucht, warum solche Veränderungen so oft unbemerkt bleiben.

Das Forscherteam nutzte dazu eine Kombination aus hochauflösenden mikroskopischen 3D-Aufnahmen und Messungen der Elektrophysiologie. Diese Technik macht es möglich, selbst winzige Veränderungen im Herzmuskel sichtbar zu machen und gleichzeitig deren Auswirkungen auf die elektrische Reizleitung des Herzens zu analysieren. Mit diesem Ansatz untersuchten die Wissenschaftler die Herzstruktur und -funktion von Mäusen, die genetisch für einen plötzlichen Herztod prädisponiert sind – ein Zustand, der auch beim Menschen häufig vorkommt.

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Narbengewebe im Herzmuskel: Stille Gefahr bei hoher Belastung

Die Ergebnisse legen nahe: Bei ruhigem Herzschlag, stört das Narbengewebe die Herzfunktion nicht. Doch abhängig von der Herzfrequenz verändert es die Art und Weise, wie sich elektrische Signale im Herzen ausbreiten. Die Forscher stellten fest, dass die Signale durch das vernarbte Gewebe abgeschwächt oder sogar blockiert werden können, sobald das Herz schneller schlägt – also bei körperlicher Anstrengung oder in Stresssituationen.

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„Dies fördert wiederkehrende Herzrhythmusstörungen selbst in Regionen des Herzens, die bei geringerer Belastung unauffällig erscheinen“, erklären die Freiburger Mediziner. Die Reizleitungsstörungen können im schlimmsten Fall zum Herztod führen. „Unsere Studie zeigt, dass Narbengewebe im Herzen nicht einfach stört – es beeinflusst aktiv, wie das Herz arbeitet“, sagt Giardinis Kollege Peter Kohl in einer Pressemitteilung.

Diese frequenzabhängige Wirkung ist laut den Forschern vergleichbar mit einem technischen „Tiefpassfilter“: Schnelle Impulse werden gezielt gedämpft, langsamere bleiben unbeeinträchtigt. Dieser bislang unbekannte Mechanismus könnte erklären, warum Betroffene in Ruheuntersuchungen unauffällig erscheinen, obwohl bei Belastung ein hohes Risiko für gefährliche Rhythmusstörungen besteht, erklären die Mediziner.

Neue Ansätze: Risiken erkennen, bevor sie lebensgefährlich werden

Da die aktuellen Ergebnisse nur im Mausmodell erhoben worden, sollten demnächst größere Tiermodelle untersucht werden, um die Übertragbarkeit auf den Menschen besser zu prüfen. Langfristig sollen die Bildgebungsverfahren für individuelle Risikoabschätzugen oder zur Therapieplanung bei Patienten mit Herzmuskelerkrankungen oder Narbengewebe weiterentwickelt werden.

Ein wichtiges Ergebnis der Studie zeigt zudem: Die reine Betrachtung der Herzstruktur reicht nicht aus, um das Risiko für gefährliche Rhythmusstörungen zuverlässig einzuschätzen. „Wir brauchen digitale Modelle, die nicht nur die Anatomie berücksichtigen, sondern auch die elektrischen Eigenschaften der verschiedenen Herzzellen“, sagt Giardini. Die Studie legt genau dafür wichtige Grundlagen.

Langfristig sollen auch sogenannte digitale Zwillinge entwickelt werden – individuelle Computermodelle, die speziell für einzelne Patienten angefertigt werden. Diese könnten helfen, Risiken gezielt zu erkennen und frühzeitig zu behandeln, noch bevor es zu lebensbedrohlichen Situationen kommt.