Milch, Eier – und ein Rezept für die Blutdruckmedikamente: So könnte die Einkaufsliste vieler Menschen in Zukunft aussehen. In Baden-Württemberg ist diese Vision bereits Realität. Denn in einer Filiale der Supermarkt-Kette Kaufland im Mosbach können Kundinnen und Kunden den „S Medical Room“ für eine telemedizinische Behandlung aufsuchen und ohne größere Wartezeit ein Rezept oder eine Krankschreibung erhalten.

Krankschreibung bei Kaufland: Videosprechstunde ersetzt Vor-Ort-Behandlung

In dem 54 Quadratmeter großen Behandlungszentrum führt eine medizinische Fachangestellte (MFA) durch den Anmeldungsprozess und gibt die wichtigsten medizinischen Daten ein. Anschließend gibt es ein Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Sana am Stiftsberg in Neckarsulm per Videoschalte.

„Ein Großteil der Patienten kann ohne direkten Kontakt behandelt werden. Es geht um Krankschreibungen, Beratung bei Erkältungen oder Magen-Darm-Infekten“, erklärte Dr. Matthias Lintz, Internist und Gastroenterologe aus Neckarsulm, gegenüber der „Bild“-Zeitung. Nur bei akuten Alarmzeichen würden die Patientinnen und Patienten direkt in eine Praxis geschickt.

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Das Pilotprojekt laufe sehr erfolgreich an, hieß es. „Die Leute sparen Zeit – und stecken niemanden im Wartezimmer an“, so Lintz weiter. Der Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Dr. Markus Beier, kritisierte hingegen, dass solche Parallelangebote verwirrend sein könnten. „Am Ende weiß der Patient nicht, wohin mit seinem Anliegen, und der Arzt nicht, wer gerade was versorgt.“ Das Konzept als solches sehe man allerdings nicht als Konkurrenz an. „Unsere Praxen sind gut ausgelastet, an Patienten mangelt es uns nicht“, berichtete Beier weiter.

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Der Leiter der Vermietung bei Kaufland betonte vor allem den Faktor der Zeitersparnis. „Wir wollen medizinische Versorgung dorthin bringen, wo die Menschen sind“, sagte René Wolf der Zeitung. Derzeit prüfe man, ob man die Kooperation mit dem MVZ weiter ausbauen könne. Das langfristig angelegte Projekt könne auf bundesweiter Ebene funktionieren.